Larmoyanz hilft nicht gegen den Fachkräftemangel

01.10.2019  |  Frank Schabel
Fachkräftemangel: Frank Schabel von Hays erklärt, in welchen vier Handlungsfeldern Unternehmen aktiv werden müssen.
© gettyimages / TrongNguyen

Fachkräftemangel: Immer noch verschanzen sich Unternehmen hinter externen Ursachen, statt für sich Antworten zu finden, meint Frank Schabel von Hays.

Wenn wir in der Öffentlichkeit über den Fachkräftemangel diskutieren, dann scheint es sich bei ihm fast um eine Art Schicksal zu handeln. Dabei gibt es benennbare Gründe, die den Fachkräftemangel bewirken. In unserer neuen Studie sehen die von uns befragten 1.000 Führungskräfte – nicht überraschend – den demografischen Wandel, die trägen Bildungssysteme sowie die Globalisierung der Wirtschaft und die rasante technologische Entwicklung als seine wesentlichen Treiber.

Was uns diese empirischen Erkenntnisse nützen? Nun, wenn sich aufzeigen lässt, welche Entwicklungen den Fachkräftemangel verursachen, dann haben wir es immerhin nicht mit einem Mythos zu tun. Vielmehr liegt ihm eine handfeste Realität zugrunde, die wir verändern können. Leider scheint es so zu sein, dass sich viele Unternehmen hinter den – natürlich berechtigten – externen Ursachen des Fachkräftemangels verschanzen, statt anzufangen, passende Antworten zu finden.

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Vier Handlungsfelder gegen den Fachkräftemangel

In unserer Studie haben wir genau dies getan und nach den zentralen Handlungsfeldern gefragt, mit denen Unternehmen dem Fachkräftemangel aktiv begegnen können, statt ihn über sich ergehen zu lassen. Es sind es vor allem vier Handlungsfelder, auf denen das Hauptaugenmerk der von uns befragten 1.000 Führungskräfte ruht: Es gilt, die Attraktivität als Arbeitgeber zu steigern, den Personalbedarf strategischer zu planen, die Rekrutierung und Nachwuchsförderung neu aufzusetzen sowie die Kompetenzen der Mitarbeiter weiter zu entwickeln. Zwei dieser Themen möchte ich etwas genauer beleuchten.

Das Thema „Arbeitgeberattraktivität“ ernst nehmen

Ganz oben auf der Liste der Handlungsfelder steht das never-ending-Thema, als Arbeitgeber attraktiv zu sein. Gefragt, was Unternehmen wirklich attraktiv macht, schlagen die altbekannten Themen auf. Allen Unkenrufen zum Trotz ist es für die Befragten zuallererst immer noch eine gute Bezahlung, was immer dies heißt. Zudem sehen die Befragten eine Unternehmenskultur, die Agilität und Selbstorganisation unterstützt, ebenfalls als sehr wichtig an. Wer Unternehmen von innen kennt, weiß jedoch, dass das Reden über diese hippen Themen nicht bedeutet, sie seien realisiert. Von daher ist es nicht verwunderlich, dass gerade mal 28 Prozent der befragten Führungskräfte meinen, ihr Unternehmen sei in Sachen Attraktivität gut gewappnet.

Personalbedarf strategisch planen

Kommen wir zu einem zweiten wichtigen Handlungsfeld, der strategischen Planung des Personalbedarfs. Wichtig sei es hier, effektiver zu planen, Bedarfe schneller zu identifizieren sowie die Freigabe- und Entscheidungsprozesse zu flexibilisieren. Doch auch hier liegt einiges im Argen. Gerade mal jeder vierte der Befragten sieht sein Unternehmen hier auf der Höhe der Zeit angekommen. Eine Lösung scheint es in vielen Unternehmen zu sein, die Prozesse rund um die Personalbedarfsplanung stärker zu zentralisieren. Zumindest beobachtet eine deutliche Mehrheit der Befragten, dass es in dieser Richtung geht. Ob die Manager aus den Fachbereichen, die näher an den Mitarbeitern und ihren Bedarfen dran sind, mit diesem Weg glücklich sind, steht jedoch auf einem anderen Blatt. Genauso wie die Frage, ob eine Zentralisierung Prozesse wirklich schlanker macht. Unsere Ergebnisse aus vergangenen Studien zeigen eher auf, dass die Fachbereiche eigene, unabgestimmte Wege gehen.

Halten wir fest: Der Fachkräftemangel lässt sich nicht leugnen. Auch wenn er – dies zeigen unsere empirischen Resultate – differenziert betrachtet wird. Nur hilft es keinem Unternehmen, auf die altbekannten externen Rahmenbedingungen zu verweisen. Das wird irgendwann zu einer Endlosschleife. Stattdessen gilt es, die eigenen Hausaufgaben anzugehen und die richtigen Akzente zu setzen. Dass es sich positiv auswirkt, Dinge anzupacken, zeigt interessanterweise die IT-Branche. Sie schneidet in unserer Studie in vielen Bereichen besser ab, obwohl es immer hieß, sie würden unter dem Fachkräftemangel am meisten leiden. Weil sie früh selbst Antworten entwickelt haben.