Fast zu 100 Prozent die Wahrheit

Nicht selten kommt es vor, dass zwischen dem, was der Personaler im Vorstellungsgespräch über die Arbeit und das Unternehmen erzählt, und der Realität Welten liegen. Die Agentur Interone hat sich daher selbst auf die Probe gestellt und bei einem Branchentreffen zu einem Speed Recruiting geladen, bei dem die eigenen Leute an einen Lügendetektor angeschlossen waren. Skadi Hartemink ist Director Human Resources bei Interone und erzählt, wie die Aktion verlaufen ist.

Frau Hartemink, ist der Ruf der Branche als Arbeitgeber so schlecht, dass es dieser Initiative bedarf?
Es gibt große Unterschiede zwischen den Agenturen. Das betrifft nicht nur die Work-Life-Balance, sondern auch ganz einfache Sachen wie Vergünstigungen, Nahverkehr oder Arbeitsmodelle. Was aber noch viel wichtiger ist: Wir haben neue Konkurrenten um unsere Bewerber. Da wir digital geprägt sind, sind unsere Konkurrenten um Talente auch die E-Commerce-Abteilung von Otto, Start-ups oder Unternehmen wie Google und Facebook. Deswegen müssen wir immer weiter an unserer Attraktivität arbeiten.

Wie haben die Bewerber auf den Lügendetektor reagiert?
Wir waren natürlich auch sehr gespannt, wie die Aktion ankommen würde. Die Interessenten haben wirklich toughe Fragen gestellt, zum Beispiel was denn an Interone besser ist als an Jung von Matt oder ob Junioren auch am Erfolg ihrer Arbeit beteiligt werden. Wir mussten schwitzen, die Bewerber hatten ihren Spaß dabei.

Wurden denn jemand beim Lügen ertappt?
Wir haben nahezu zu 100 Prozent die Wahrheit gesagt. Darum ging es im Kern auch bei der Aktion: Wir versprechen nichts, was wir nicht halten können.

Wartet Ihr Recruiting-Prozess mit weiteren solcher Überraschungen auf?
Aber sicher. Unsere letzte Recruiting-Aktion hat ja gerade beim ADC zwei Bronzenägel gewonnen. So schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe: machen mit guten Ideen auf uns aufmerksam und kommen genau mit denen in Kontakt, die für uns interessant sind.