Feelgood ist mehr als nur gute Laune

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Feelgood-Manager sollen das Wohlbefinden der Mitarbeiter am Arbeitsplatz steigern. Das funktioniert allerdings nur dann dauerhaft, wenn die Firmenkultur insgesamt stimmt.

Nüsschen am Arbeitsplatz, neue Pflanzen auf dem Fensterbrett, frisches Obst und feine Säfte: Wenn Mitarbeiter solche Wünsche anmelden, dürften die meisten Personaler verdutzt die Augenbrauen hochziehen. Nicht so Nadine Ehrhardt: Die Office-Managerin des Berliner Reiseportal-Startups Urlaubspiraten kümmert sich ausschließlich um das Wohl ihrer Kollegen. „Die Mitarbeiter sollen gerne zur Arbeit kommen, deshalb kümmere ich mich um ihr Wohlergehen“, sagt Ehrhardt. Sie kauft für Mitarbeiter ein, dekoriert Arbeitsplätze nach Wunsch, regt bei Bedarf den Kauf neuer Bürostühle an. Jede Woche organisiert Ehrhardt für die Kollegen ein Essen auf Firmenkosten, hinzukommen Grillabende und gemeinsame Sportevents. „Wir machen bei diesen Veranstaltungen, was den Mitarbeitern gefällt“, sagt Ehrhardt. Was gut ankommt, wiederholen wir, was nicht passt, lassen wir sein.“

Vor allem in jungen Firmen sind Feelgood-Manager zu finden

Mittlerweile beschäftigt eine ganze Reihe von Firmen in Deutschland solche Kümmerer, die das Wohlbefinden der Belegschaft im Blick haben. Meist heißen sie Feelgood-Manager oder Office-Manager. „Ein angemessenes Gehalt für gute Arbeit wird seitens der Arbeitnehmer heutzutage als selbstverständlich vorausgesetzt, und ein dicker Dienstwagen gilt längst nicht mehr als Status-Symbol oder gar Ausdruck für Wertschätzung“, sagt Feelgood-Management-Beraterin Melanie Schacker. „Strategisches Feelgood-Management ist hingegen ein ganzheitlicher Ansatz einer wertschätzenden Unternehmenskultur, die generationsübergreifend die Anforderungen von Mitarbeitern berücksichtigt. Feelgood-Manager sind die treibende Kraft bei der Umsetzung eines solchen Konzepts.“ Rund 120 solcher Manager arbeiten derzeit in Deutschland, schätzt der Bundesverband Feelgood-Management (BFGM). Unterm Strich sind Feelgood-Manager damit hierzulande noch ein absolutes Nischenmodell. Der Trend kommt wie so oft aus den USA, wo Firmen schon seit vielen Jahren Menschen beschäftigen, deren Aufgabe es ist, dafür zu sorgen, dass die Kollegen gerne zur Arbeit kommen.

In Deutschland sind Feelgood-Manager bislang vor allem in der IT-Branche zu finden. „Gerade junge und aufstrebende Unternehmen beschäftigen sie“, beobachtet Monika Kraus-Wildegger, die sich mit ihrer Firma Goodplace auf die Ausbildung von Feelgood-Managern spezialisiert hat. Dort lernen Teilnehmer, wie sie Feedback- und Mitgestaltungsmethoden für Mitarbeiter sowie die Kommunikation in ihrer Firma verbessern. Gemeinsame Freizeitveranstaltungen etwa sind vor diesem Hintergrund keine reine Bespaßung, sondern Plattformen, um Kollegen zusammenzubringen. Feelgood-Manager professionalisieren den Ablauf solcher Veranstaltungen, damit sich tatsächlich Kollegen austauschen, die sich bis dato nicht oder nur flüchtig kannten. „Ein Feelgood-Manager soll vor allem das Arbeitsklima verbessern und den Rahmen dafür schaffen, dass die Mitarbeiter miteinander kommunizieren und sich vernetzen“, sagt Kraus-Wildegger. „Solche Fähigkeiten der einzelnen Angestellten und die entsprechende Unternehmenskultur werden immer wichtiger, wenn Firmen innovativ und wandelfähig bleiben wollen. Das gilt bislang in besonderem Maße für die IT-Branche, wird künftig aber für immer mehr Unternehmen wichtig werden.“

Wertschätzende Führung als wichtiger Faktor

Der Feelgood-Manager ist in diesem Sinne kein Gute-Laune-Onkel, sondern ein Mittel, um Firmen agil zu gestalten und Mitarbeiter bei Veränderungen von ganzen Geschäftsfeldern und damit den neuen Ansprüchen an ihren Job besser mitzunehmen. Die Idee ist an sich nicht neu, bekommt aber im Zeiten des Wandels neue Aktualität: „Mitarbeiter, die sich am Arbeitsplatz wohl fühlen, sind auch bereit mehr zu leisten und sich auf neue Herausforderungen einzulassen“, sagt Personalberater Detlef Ochel. „Ich bin deshalb grundsätzlich für das Konzept des Feelgood-Managements.“ Weiterer Faktor: Mitarbeiter fühlen sich als Person wertgeschätzt, wenn das Unternehmen ihnen in Form eines Feelgood-Managers regelmäßig Aufmerksamkeit schenkt.

Der Personalexperte nennt vor allem den demografischen Wandel und den Kampf um die besten Mitarbeiter als Gründe, warum Feelgood-Manager in Zukunft immer wichtiger werden. Solche Manager geben dem Bemühen des Unternehmens um seine Mitarbeiter ein Gesicht.

Wenn  Angestellte nämlich gehen, wird es teuer. Studien kalkulieren im Schnitt mit Kosten von rund 20.000 Euro. Gerade bei Unternehmen, die gefragte Fachkräfte beschäftigen, dürften die Kosten noch deutlich höher liegen. „Zunächst einmal muss natürlich das operative Arbeitsumfeld stimmen, keine Frage“, sagt Goodplace-Chefin Kraus-Wildegger. „Aber häufig ist ja gar nicht das Problem, dass laufend Mitarbeiter das Unternehmen verlassen. Sondern es sind oft Kleinigkeiten im Arbeitsalltag oder mangelnde Wertschätzung, die den Job erschweren. Und genau hier wirkt ein Feelgood-Manager wie ein Seismograph im Unternehmen, der erstes Knirschen wahrnimmt, bevor ein echtes Problem daraus entsteht.“ Auf der anderen Seite macht man das Unternehmen auch attraktiver für neue Mitarbeiter. „Mitarbeiter werden eher bei einem Unternehmen anfangen, bei dem sie das Gefühl haben, wertgeschätzt zu werden, und bei dem es sogar jemanden gibt, der die Interessen der Mitarbeiter vertritt“, sagt Ochel.

Um diese Wertschätzung im Firmenalltag zu leben, brauchen Unternehmen allerdings mehr als bloß einzelne Gute-Laune-Manager: „Feelgood-Management ist ein strategisches Unternehmenskonzept, das allen Mitarbeitern ein wertschätzendes Arbeitsumfeld schafft und ihnen die Sinnhaftigkeit ihrer Aufgaben vermittelt“, sagt Beraterin Schacker. „Mehr als eine Dekade lang haben Arbeitnehmer selbst dafür gesorgt, irgendwie einen Ausgleich zwischen den Belastungen des Arbeitsalltags und dem Privatleben zu schaffen. Dies aber implizierte, dass Leben und Arbeiten zwei getrennte Welten sind, die es individuell und in Eigenverantwortung auszubalancieren gilt.“ Das habe oft genug zusätzlichen Stress verursacht. „Arbeit soll ein ebenso sinnstiftender Teil des Lebens sein wie die Freizeit. Die Schaffung der Voraussetzungen für ein Arbeitsumfeld mit Wohlfühlfaktor geht dabei wieder zunehmend in die Unternehmensverantwortung über. Work-Life-Balance hat ausgedient“, sagt Schacker. „Dem Feelgood-Management gehört die Zukunft.“