Female Leadership: 5 Appelle an Frauen und Unternehmen

07.03.2019  |  Doreen Schlicht
(c) gettyimages/Vagengeim Elena
(c) gettyimages/Vagengeim Elena

Wie erhöht man den Frauenanteil in Führungspositionen? Doreen Schlicht von WLW erklärt, warum Unternehmen flexibler und Frauen mutiger sein müssen.

Erwerbstätige Frauen sind, gemessen am Anteil, den sie insgesamt unter den Erwerbstätigen einnehmen, als Führungskräfte unterrepräsentiert. In mittelständischen Unternehmen ist der Frauenanteil im Top-Management zwar höher als in Großunternehmen. Dennoch schaffen es insgesamt immer noch nur wenige Frauen in die Chefetagen deutscher Unternehmen. Doreen Schlicht, Chief Marketing Officer & HR vom B2B-Marktplatz „Wer liefert was“ (WLW), stellt daher die folgenden Appelle an Unternehmen, aber auch Frauen auf.

+++ Dieser Beitrag ist Teil unserer Themenwoche zum Internationalen Frauentag. Folgen Sie unserer Themenwoche auch gerne auf Twitter unter dem Hashtag #Frauentag. +++ 

1. Seid flexibel

Unternehmen stehen vor der Aufgabe, Arbeit auf allen Ebenen flexibler zu gestalten und stärker nach den realen Bedürfnissen als nach alten Strukturen bzw. Vorgaben auszurichten. Zentral ist, dass dies bis in die höchste Ebene geschieht, denn an ihr orientieren sich die unteren Ebenen und nur so können es Frauen bis an die Spitze schaffen.

Ich bin ein Freund davon, Chancen zu geben und dann eine Stelle individuell an die Bedürfnisse der jeweiligen Kollegin anzupassen. Kleine Kinder und eine 40-Stunden-Woche sind für viele Frauen schlecht vereinbar. Aber es wäre schade, sie deswegen von bestimmten Stellen von vornherein auszuschließen. In diesen Fällen sollten Unternehmen flexibel sein und schauen, wie es dennoch passen könnte bzw. welche Arbeitszeitmodelle für den Einzelnen funktionieren. Für manche ist jeden Tag Teilzeit, also die klassische 20 Std./Woche-Regelung, ein guter Weg. Anderen hilft schon ein einzelner Home Office-Tag oder eine Vier-Tage-Woche weiter. Eine One-Size-Fits-All-Lösung gibt es hier meines Erachtens nicht, denn Aufgabengebiete und Team-Set-ups sind von Fall zu Fall unterschiedlich.

2. Bietet Mentoring-Programme an

Eines der größten Hindernisse für Frauen, die Karriere machen möchten, sind mangelnde weibliche Vorbilder. Frauen haben leider oft keine klare Vorstellung davon, wie es aussieht, wenn Frauen bestimmte Funktionen oder Rollen wahrnehmen, sei es in der Wissenschaft oder in der Wirtschaft. Das ist aus zwei Perspektiven problematisch. Zum einen halten sich Frauen deshalb wohl eher zurück, aus Angst Erwartungen nicht erfüllen zu können und Aufgaben nicht gerecht zu werden. Zum anderen geben Recruiter aus diesem Grund vermutlich häufig Männern den Vortritt.

Um das Problem zu beheben, brauchen Frauen Mentoren und Vorbilder, von denen sie lernen können, die sie fördern und die ihnen Chancen geben, wenn es darum geht, Stellen in Chefetagen zu besetzen. Ein gutes Mentoring-Angebot unterstützt Frauen, öffnet Perspektiven und fördert Entwicklung. Der Vorteil: Die Mitarbeiterinnen bekommen die Chance, sich stärker zu vernetzen und lernen, was eine gute Führungskraft ausmacht.

Mein Tipp für jede Frau: Sucht euch eine Mentorin oder einen Mentor, die/der euch unterstützt. Niemand ist für die berufliche Weiterentwicklung so wichtig wie ein Mentor, der einem Chancen aufzeigt und euch hilft, die nächste Stufe zu erreichen. Aber gebt eure Erfahrungen auch weiter, sobald ihr eine Position erreicht habt, in der ihr die Zügel in der Hand haltet. Denn es liegt dann auch an euch, Strukturen zu ändern, anderen Frauen als Vorbild zu dienen und ihnen zu helfen, das gleiche Niveau zu erreichen.

3. Schafft eine neue Arbeitskultur

Ein großes Hindernis für viele Frauen ist die Arbeitskultur im Unternehmen. Teams, die nur oder überwiegend aus Männern bestehen, verhalten sich anders als gemischte Gruppen.  Frauen fühlen sich oft nicht willkommen oder unwohl und entscheiden sich daher für andere Arbeitsumgebungen. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass Männer sich in Gruppen risikobereiter verhalten, reine Frauengruppen hingegen agieren zurückhaltender. Für das Arbeiten heißt das: Je gemischter die Teams, desto besser die Entscheidungen.

4. Traut euch und seid mutig

Frauen brauchen mehr Mut und weniger Bescheidenheit. Nicht immer wissen es die anderen besser. Und man muss auch nicht alles von Anfang an können, es gilt: Learning by doing. Führungspositionen sind Stellen, um die eine größere Anzahl von Personen konkurriert. Dabei kommt es nicht immer nur auf das Fachwissen an, sondern vor allem auch auf das generelle Skillset, zu dem auch weiche Faktoren zählen. Da muss man auch mal offensiv rangehen und sich durchboxen. Deshalb gilt hier die Devise: Sich trauen und zu den eigenen Fähigkeiten stehen. Wichtig ist also, dass Frauen die Möglichkeit erhalten, sich zu beweisen oder in die engere Auswahl zu kommen, auch wenn es um die Besetzung von hochkarätigen Jobs geht.

5. Kommuniziert klar und selbstbewusst

Frauen haben es trotz ähnlicher Fähigkeiten und Erfahrungen immer noch schwerer als Männer, an Führungspositionen zu gelangen. Initiative und Beharrlichkeit zahlen sich aber aus. Wichtig ist, dass Frauen sich ihrer eigenen Stärken bewusst sind und diese auch offensiv kommunizieren und zeigen. Wer zentrale Positionen besetzen möchte, muss zeigen, dass sie genauso gut geeignet für die Stelle ist, wie ein männlicher Bewerber. Wichtig ist dabei eine klare, selbstbewusste und bestimmte Kommunikation.