Niederländische Universität will nur noch Frauen einstellen

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Dozentin im Seminarraum: eine niederländische Hochschule will nur noch weibliche Lehrkräfte einstellen
(c) gettyimages / monkeybusinessimages

Die Technische Universität Eindhoven schreibt seit dem 1. Juli 2019 erst einmal nur noch Stellen für Frauen aus. Was steckt dahinter?

Der Frauenanteil ist an vielen technischen Hochschulen relativ gering. Die Technische Universität Eindhoven möchte dem nun entgegenwirken. Seit dem 1. Juli läuft ein neues Frauenförderprogramm. In den kommenden Jahren sollen freiwerdende Dozentenstellen ausschließlich von Frauen besetzt werden. Männer möchte die niederländische Hochschule nur dann einstellen, wenn sie innerhalb von sechs Monaten keine qualifizierte weibliche Kandidatin findet. Das soll laut Sueddeutsche.de nun für mindestens fünf Jahre gelten. Die neu eingestellten Frauen nehmen außerdem am „Irène-Curie-Stipendium“ teil: Sie bekommen einen Mentor zur Seite gestellt und erhalten von der Regierung 100.000 Euro, die sie in ihre Forschung investieren können.

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Mehr Diversität durch hundertprozentige Frauenquote?

Damit möchte die TU Eindhoven für mehr Diversität sorgen. Im Moment machen Frauen beim Lehrpersonal gerade mal 15 Prozent aus. Auch von den Studierenden ist nur etwa ein Viertel weiblich. Das Programm soll demnach nicht nur mehr Dozentinnen an die Uni locken, sondern auch durch die Vorbildfunktion mehr junge Frauen dazu inspirieren, einen technischen Studiengang an der TU Eindhoven zu wählen.

Rektor Frank Baaijens möchte auf gemischte Teams setzen, da sie zu „besseren Strategien, mehr kreativen Ideen und schnellerer Innovation“ führten, wie er in einer Pressemitteilung schrieb. Aber kann man Vielfalt wirklich fördern, indem man bei den Bewerbungen das männliche Geschlecht zunächst vollkommen aussortiert? Baaijens berichtet im Interview mit Spiegel Online, dass die bisherigen Maßnahmen, mehr Frauen zu rekrutieren, nicht erfolgreich gewesen seien.

Beispielsweise hatte die Hochschule in verschiedenen Lehrstühlen festgelegt, wie viele Frauen eingestellt werden sollten, doch es gab immer wieder neue Gründe, warum leere Stellen dann doch nicht mit Frauen besetzt wurden. „Dann dachten wir uns: Wenn wir wirklich etwas verändern wollen, warum dann nicht gleich 100 Prozent?“ Die Frage ist nur, wie viel diese neue Maßnahme daran ändern wird; findet sich keine Frau für eine zu besetzende Position, wird ja dann doch wieder ein Mann eingestellt.

Keine Angst vor Diskriminierungsklage

In Deutschland würde das Modell gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verstoßen. In den Niederlanden sieht das anders aus. Frank Baaijens hat keine Angst vor einer Diskriminierungsklage. „Nach europäischem Recht dürfen Universitäten bevorzugt aus Bevölkerungsgruppen rekrutieren, die sonst unterrepräsentiert sind“, erklärte er Spiegel Online. An anderen niederländische Universitäten seien ähnliche, wenn auch nicht ganz so radikale Ansätze, getestet und zugelassen worden.

Gemischte Reaktionen auf die Frauenquote

In den Medien gab es sowohl positive als auch negative Reaktionen auf die hundertprozentige Frauenquote. Edition F begrüßte die Maßnahme, sie würde „einen Ausgleich schaffen, der sonst Jahrzehnte dauern würde“. Kathrin Spoerr von Welt.de argumentierte, dass hierdurch kein neues Unrecht geschaffen, sondern nur altes Unrecht gelindert würde. Christian Weber schreibt dagegen auf Sueddeutsche.de, die Quote würde „Männer der Gegenwart für die Fehler der Vergangenheit“ bestrafen. Wie bei jeder Frauenquote bleibt die Frage, ob sie der Gleichberechtigung überhaupt hilft:  Frauen sollten schließlich wegen ihrer Qualifikation und nicht wegen ihres Geschlechts eingestellt werden. Auch das Echo unter den Studierenden ist laut Baaijens gemischt, was er aber nicht schlimm findet – wichtig sei doch vor allem, dass eine Diskussion stattfinde, um das Bewusstsein für das Thema zu fördern.