Freu dich, Du Idiot!

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Feelgood Manager – für diesen Job hätte Jan C. Weilbacher schon eine Menge Ideen: Gemeinsames Singen und Tanzen gehört dazu, natürlich in Einheitskleidung. Sein Vater hingegen hält nichts von diesem neumodischen Zeug. Er hat seine Kochazubis lieber durch Pfannen-durch-die Gegend-werfen motiviert. Eine Glosse.

Von Zeit zu Zeit muss man sich verändern, neue Erfahrungen machen, sonst schwimmt man immer im gleichen Saft oder in der eigenen Soße – oder so ähnlich. Deshalb schaue ich mich neuerdings nach neuen Jobs um, die nichts mit Journalismus zu tun haben. Bei meiner Suche bin ich zufällig auf die Seite „feelgood-at-work“ gestoßen. Da kann man unter anderem alles über den Job des Feelgood Managers erfahren. Unter dem Jobtitel konnte ich mir zunächst nicht viel vorstellen. Aber der Klang hat mir sofort gefallen: „Ich heiße Jan Weilbacher, ich bin Feelgood Manager“. Ich wäre der Mittelpunkt jeder Party, vielleicht sogar ein Frauenschwarm. Jeder will schließlich in der Nähe eines Feelgood Managers sein.

Glücklicherweise ist mir auch das Aufgabenspektrum des Feelgood Managers wie auf den Leib geschnitten: „Feelgood Manager initiieren Sommerfeste, Weihnachtsfeiern und Kennenlern-Events wie gemeinsames Kochen, Klettern oder Spieleabende. Um den persönlichen Austausch zwischen den Mitarbeitern zu unterstützen, schaffen sie Treffpunkte wie gemütliche Lounge-Ecken oder Cafés.“ Ich mag Cafés und Lounges. Ich würde in meinem zukünftigen Unternehmen noch viel mehr anbieten: Literaturabende zum Beispiel, Schach-Turniere oder ein wöchentliches Tanzcafé.

Meinem Vater habe ich meinen neuen Berufswunsch schon mitgeteilt. Seine Reaktion war lediglich: „Was ist das fürn Quatsch?!“ Dazu muss man sagen, mein Vater hatte schon mit Journalismus seine Probleme. Er selbst hat Metzger gelernt und als Küchenchef in einem Hotel gearbeitet. Er war so was wie ein „Anti-Feelgood-Manager“ – besonders wenn es sehr stressig zuging. Den Spruch „Wer lacht, hat noch Reserven“ hat, glaube ich, mein Vater erfunden. Er hat auch schon mal Pfannen durch die Gegend geworfen und Azubis in den Hintern getreten. Es war ein eher direkter Führungsstil mit adhoc-Feedback, den er an spätere Küchen-Führungskräfte weitergegeben hat. Ausbilder war er nämlich auch. Vermutlich ist er nicht ganz unschuldig an der derzeitigen Ausbildungsmisere in den deutschen Restaurant-Küchen. Laut DGB-Report sind angehende Köche nämlich besonders unzufrieden mit ihrer Ausbildung. Jeder zweite Lehrling bricht seine Lehre ab.

Das liegt an Menschen wie meinem Vater. Klar. Aber ein bisschen verweichlicht sind sie schon, die jungen Leute. Der Star-Koch Tim Raue, ein ziemlich harter Bursche, hat zu der Diskussion um hohe Abbrecherquoten in einem Interview mal den schönen Satz gesagt: „Ich kann die Jammerei wirklich nicht mehr hören, mir geht sie auf den Keks.“ Die jungen Leute, so sagte er, würden sich nicht klar machen, dass das Leben aus Konflikten besteht. „In der Küche sind wir einfach viel direkter und es gibt viel öfter Auseinandersetzungen.“ Ihm braucht also niemand mit Feelgood kommen. Die Küche ist halt ein hierarchischer Ort, „wo es klare Ansagen gibt, die umgesetzt werden müssen“.

Vielleicht könnten Tim Raue und mein Vater Freunde werden. Mein Vater war zwar nicht wie der Sterne-Koch in einer Berliner Jugendgang, aber er hatte ein Moped in Flörsheim. Und geraucht hat er auch.

Als Feelgood Manager müsste ich in meinem neuen Unternehmen das Rauchen natürlich verbieten, nicht nur am Arbeitsplatz, sondern so ganz grundsätzlich. Denn nichts ist ekliger, als wenn jemand nach Rauch riecht. Das macht ein ziemliches Bad Feeling im Großraumbüro. Meinen zukünftigen Job werde ich in jedem Fall mit einem Potpourri bunter Ideen antreten. Ich finde es zum Beispiel für die Unternehmenskultur wirklich wichtig, wenn alle Mitarbeiter das gleiche Outfit tragen. Das verstärkt die Identifikation mit dem Unternehmen und sorgt für ein angenehmes Betriebsklima. Außerdem singe ich gerne. Das ist gut fürs Herz. Warum nicht zu Beginn des Arbeitstages gemeinsam ein Lied singen? Es schafft Verbundenheit und macht glücklich. Und in der Mittagspause könnte man zusammen „Reise nach Jerusalem“ oder „Stopp-Tanz“ spielen. Solche lustigen Events machen natürlich nur Sinn, wenn alle mitmachen. Wer sich verweigert, den müsste man auf sein unsoziales Verhalten aufmerksam machen – in einer E-Mail an den Gesamtverteiler. Denn wer sich absondert, kann sich ja kaum wirklich gut fühlen. Ich werde den Job lieben – und mein Vater wird auch irgendwann einsehen, dass dem Feelgood Manager die Zukunft gehört. So jemanden sollte es auch in dem Altersheim geben, in das Papa irgendwann einzieht. Schließlich soll in den Heimen – wie in den Küchen – die Unzufriedenheit ebenfalls ziemlich hoch sein.