Fünf Gefahren für Führungskräfte beim Jobwechsel

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Foto: Thinkstock / shironosov
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Auch für Führungskräfte gehören Jobwechsel zur Karriere, sei es, um das Portfolio zu erweitern, die eigene Entwicklung voranzutreiben oder schlicht, weil es im momentanen Unternehmen nicht so recht passt. Doch für Führungskräfte ist die Jopsuche mit Fallstricken gespickt, die man kennen sollte.

Es gibt gute Gründe für Führungskräfte, sich nach einer neuen Position umzuschauen: Der Wunsch nach höherem Gehalt, mangelnde Perspektiven oder andere persönliche Motive. Wichtig ist dabei, die Bewerbungskampagne gut vorzubereiten und klug durchzuführen – und sich auf verschiedene Gefahren und Hindernisse einzustellen, die dieser Wechselprozess mit sich bringt. Denn die Stellensuche aus ungekündigter Position birgt Risiken und kann Führungskräften unter Umständen die komplette Karriere verhageln. Fünf Gefahren für Führungskräfte beim Jobwechsel:

1. Erwischt!

Wer sich aus ungekündigter Stelle heraus auf einen Job bewirbt, sollte das nicht im aktuellen Unternehmen bekannt werden lassen. Denn Vorgesetzte und Aufsichtsräte reagieren dann sofort. Die wechselwillige Führungskraft wird meist sofort vom strategischen Informationsfluss ausgeschlossen und man wird beginnen, einen Nachfolger zu suchen. Ab diesem Zeitpunkt gilt die Führungskraft als illoyal und ist operativ als „lame duck“ auf dem Abstellgleis.

Leitende (noch-)Angestellte können sich also nicht ohne weiteres mit offenem Visier auf dem Arbeitsmarkt bewegen. Die Gefahr, erwischt zu werden, ist zu hoch. Es gibt allerdings eine Lösung für dieses Dilemma: Man kann einen Berater beauftragen, sich dort unter den Schutz einer Treuhandadresse stellen und bewerben lassen. Das ermöglicht suchenden Executives, sich diskret auch innerhalb der Branche nach Stellen umzuschauen.

Solche spezialisierten Personalberater bearbeiten bei der Stellensuche auch den verdeckten Arbeitsmarkt. Manche sprechen hierbei ein wenig holprig von „inversem Headhunting“. Es werden potenzielle Arbeitgeber identifiziert und angesprochen. Dies erfordert fundiertes prozessuales und beraterisches Know-How, beste Kenntnisse des Arbeitsmarktes und der betrieblichen Personalwirtschaft und selbstverständlich ein gutes Kontaktnetzwerk.

2. Das eigene Netzwerk überschätzen

Ein gutes Netzwerk ist wichtig. Leider überschätzen viele Führungskräfte ihre Business-Kontakte. In der brand eins wird dieses Phänomen im Interview mit Werner Funk (ehemaliger Chefredakteur von Manager Magazin, Spiegel, u.a.) schön veranschaulicht. Der Interviewer Harald Willenbrock sagt:

„Eine Chefredakteurin hat im Rückblick auf ihre Entlassung einmal erklärt: Am brutalsten sei die Erkenntnis, dass all das Interesse, all die Gesprächsangebote und Einladungen gar nicht ihr persönlich gegolten hätten – sondern ausschließlich der Funktion, die sie erfüllte.“ (brand eins 19. Jahrgang Heft 08 August 2017).

Die Kontakte sind oft stärker an die Position gebunden als an die Person, die diese Position besetzt. Das bedeutet nicht, dass Führungskräfte auf Jobsuche ihr Netzwerk nicht aktivieren sollten. Allerdings vermeiden sie Enttäuschungen, wenn sie sich des genannten Phänomens bewusst sind.

3. Headhunter? Vorsicht, Eigentor.

Manchmal werden Headhunter, mit denen Executives zuvor fallweise Personal akquiriert haben, um Unterstützung im eigenen Bewerbungsprozess gebeten. Hier ist Vorsicht geboten: Headhunter arbeiten für Unternehmen, nicht für Kandidaten. Manche versuchen, mit den Lebensläufen von attraktiven Kandidaten Aufträge zu akquirieren. „CV-Trading“ nennt man das in Fachkreisen. CV-Trading ist in der Personalberaterwelt zwar verpönt wird, aber leider immer noch oft beobachtet.

Hier besteht die Gefahr, dass Manager die Kontrolle über ihren Bewerbungsprozess verlieren und die Bewerbungsunterlagen zum falschen Adressaten geschickt werden. Schlimmstenfalls könnte die Bewerbungsmappe auf dem Tisch des aktuellen Noch-Vorgesetzten oder in einem verbundenen Unternehmen landen. Hochkarätige Bewerber sollten sich dieser Gefahr bei der Zusammenarbeit mit Headhuntern bewusst sein.

4. Keine fundierte Vorbereitung

Vielen Führungskräften fällt es schwer, ihr Nutzenprofil konkret zu definieren. Kein Wunder: Oftmals haben sie sich in einem einzigen Unternehmen hochgearbeitet. Sie waren viele Jahre in derselben Firma – und haben schlichtweg keine Erfahrung darin, sich auf dem Arbeitsmarkt zu vermarkten. Vor allem nicht auf der Flughöhe, in der sie sich nun als obere Führungskraft befinden.

Leitende Angestellte auf Jobsuche sollten sich also professionell vorbereiten oder vorbereiten lassen. Das beginnt – so simpel es klingt – mit einer sorgfältigen Stärkenanalyse und einer daraus abgeleiteten Zielfindung. Auf dieser Basis werden aussagekräftige Bewerbungsunterlagen auf Deutsch und meist auch auf Englisch erstellt und die Profile in den beruflichen Netzwerken aktualisiert. Dann wird gemeinsam der wirksamste kommunikative Drive festgelegt, ähnlich dem „Spindoctoring“ in der Politik – und die Bewerbungskampagne eingeleitet.

5. Bewerbungsprozess old school

Noch vor 15 Jahren wurden Bewerbungsunterlagen auf Papier gedruckt, in Pappdeckel eingeschlagen und zum Briefkasten getragen. Heute gibt es neben der anscheinend unausrottbaren Papierbewerbung viele moderne digitale Wege auf dem Weg zum neuen Job. Wer seit vielen Jahren im selben Unternehmen gearbeitet hat und sich zwischendurch bestenfalls einmal von einem Headhunter zum Wechsel hat bewegen lassen, beherrscht diese Wege nicht. Nicht nur die einfache E-Mail-Bewerbung wird dann zum Problem, sondern die vielen Jobbörsen, Social-Media-Seiten und Bewerbungsportale verunsichern und führen zu grotesken Bewerbungsfehlern ansonsten hochkompetenter Unternehmenslenkern.

Fazit: Vorbereitet sein und Kontrolle behalten

Wechselwillige Führungskräfte unterschätzen oftmals die Gefahren während der Jobsuche. Dabei können kleine Ungenauigkeiten ausreichen, großen Schaden in der eigenen Karriere anzurichten. Wer nicht nur auf das eigene Netzwerk setzt, vorsichtig gegenüber Headhuntern ist, sich gut vorbereitet und – gegebenenfalls professionell unterstützt – unter dem Schutz einer Treuhandadresse inkognito auf dem Arbeitsmarkt bewegt, ist auf dem besten Weg in eine neue Position auf gleicher Flughöhe.