Für jeden ein eigenes Modell

Die Flexibilisierung von Arbeit schreitet voran. Unternehmen müssen die unterschiedlichen Bedürfnisse und Interessen der Beschäftigten berücksichtigen und entsprechende Konzepte entwickeln.

Die allgegenwärtigen Trends wie Globalisierung, demografischer Wandel, rasante technologische Entwicklung aber auch „neuere“ Trends wie die veränderten Präferenzen der Arbeitnehmer bei der Wahl des Arbeitgebers aufgrund des generationenspezifischen Wertewandels sind Gründe für die Flexibilisierung von Arbeit und Beschäftigung in der heutigen und zukünftigen Arbeitswelt. Um die bestpassenden Mitarbeiter zu gewinnen, zu halten und die Wettbewerbsfähigkeit im „War for Talent“ zu steigern, müssen Unternehmen die persönlichen Interessen und Bedürfnisse der Beschäftigten unterschiedlicher Generationen berücksichtigen und ihnen mit vielfältigen Flexibilisierungskonzepten entgegenkommen. Diese Konzepte können sich auf verschiedene Kernbereiche des Arbeitslebens beziehen:

  • Arbeitszeit
  • Arbeitsort und -umfeld
  • Weiterbildung und Karriereentwicklung
  • Arbeitsgestaltung
  • Vergütung

Eine besondere Rolle bei der Gestaltung der flexiblen Arbeitskonzepte kommt den Informations- und Kommunikationstechnologien zu. Diese sind bereits jetzt in unserem Arbeitsleben allgegenwärtig und werden in der Zukunft die Arbeitswelt noch deutlich stärker beeinflussen. Hierbei stellen sie neue Möglichkeiten zur Verfügung und ermöglichen eine schnelle, präzise und intelligente Flexibilisierung des Arbeitslebens.

Flexibilisierung der Arbeitszeit

Das wesentliche Element der Flexibilisierung im Hinblick auf die Arbeitszeitflexibilisierung ist das Arbeitszeitmodell. Dies bedeutet nicht nur die Regelung der Kernarbeitszeit, sondern auch die Schaffung von flexiblen Möglichkeiten, die den Lebensphasen der Mitarbeiter aber auch den Bedürfnissen des Unternehmens angepasst werden können. Das professionelle Management dieses Instruments kann durch moderne Technologien effizient und maßgeschneidert unterstützt werden.

Insbesondere beim Job Sharing, wenn zwei Mitarbeiter die Aufgaben einer Stelle teilen, ist Kooperation und Kommunikation zwischen diesen „Job Sharing-Partnern“ außerordentlich wichtig. Dank modernen Technologien wie soziale Netzwerke – unternehmensintern – oder spezielle Collaboration Tools können die Informationen und Aufgabenpakete dokumentiert, gemeinsam bearbeitet und in notwendiger Form geteilt werden.

Eine andere Seite des technologischen Fortschrittes im Rahmen der Arbeitszeitflexibilisierung ist die Tatsache, dass durch die neuen Kommunikationsmittel eine Verschmelzung von Arbeit und Freizeit zu beobachten ist. Die im April 2013 veröffentlichten Ergebnisse der Studie „Arbeiten in der digitalen Welt“ des Hightech-Verbands BITKOM bestätigen, dass 77 Prozent der Berufstätigen auch außerhalb ihrer regulären Arbeitszeiten für Kollegen, Vorgesetzte oder Kunden elektronisch erreichbar sind. Nur durch einen bewussten Umgang mit modernen Kommunikationsmitteln, Etablierung von klaren Regeln seitens des Arbeitgebers und ein hohes Maß an Selbstorganisation seitens des Mitarbeiters können beide Parteien von flexiblen Arbeitszeitmodellen profitieren: Arbeitnehmer genießen persönliche Freiheiten und eine stabile Work-Life Balance, Unternehmen gewinnen engagierte und produktive Mitarbeiter.

Arbeitsort

In Bezug auf die Flexibilisierung der Auswahl des Arbeitsortes und -umfeldes sind Konzepte wie Telearbeit, Hot-Desk, Desk Sharing sowie Home Office bereits durchaus verbreitet. In unserer Studie „Rethinking Human Resources in a Changing World“ aus dem Jahr 2012 gaben 48 Prozent der befragten Executives an, die räumliche Flexibilität in ihren Unternehmen in den letzten drei Jahren erhöht zu haben. Hierbei zeigen die Studien des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Arbeitsorganisation, dass Multi Space Offices sowie Desk Sharing in Verbindung mit mobilem Arbeiten einen wesentlichen positiven Einfluss auf die Leistung und Motivation der Mitarbeiter haben. Nicht zuletzt aufgrund der Steigerung des Wertes „Work-Life Balance“ bei jüngeren Generationen wird die Nachfrage nach räumlich flexiblen Arbeitsformen weiter wachsen.

Dabei sind die potenziellen Risiken der Arbeit außerhalb der Unternehmensräumlichkeiten, wie zum Beispiel im Home Office, ebenfalls bekannt: die Grenze zwischen Privatem und Beruflichem verschwimmt, der direkte Kontakt zu Kollegen fehlt und viele Arbeitnehmer verbringen mehr Zeit mit dem Beruf als vorher. Einige Unternehmen überdenken daher bereits das Konzept der flexiblen Arbeit, wie jüngst der Rückruf von Tele-Arbeitern in die Yahoo-Unternehmenszentrale durch die Konzernleitung. Das Ziel dieser Verordnung sei die Intensivierung von persönlichem Kontakt und Austausch zwischen Kollegen, hieß es.

Eine Alternative zum Home Office sowie der Arbeit in einer gegebenenfalls weit vom Wohnsitz eines Mitarbeiters entfernten Unternehmensniederlassung bieten dezentrale Co-Working-Zentren. In den eingemieteten Räumen arbeiten Mitarbeiter in möglicher Nähe ihres Wohnsitzes mit Kollegen der gleichen Region.

Weiterhin werden sich die klassischen Büro-Arbeitsplätze ebenfalls verändern und an die Bedürfnisse der Mitarbeiter weiter angepasst werden. Ein Beispiel für ein Office der Zukunft stellt das “New World of Work” Büro von Microsoft in Wien dar. Im Zusammenspiel von Technologie und Design geht es nicht mehr um die Individualität, sondern um die Adaptivität der Arbeitsräume. Die Tischplatten, Glasscheiben und Wände werden zu den visualisierenden Arbeitsflächen. Beleuchtung, Klima, Raumgröße und andere Eigenschaften der Umgebung stellen sich individuell auf die Vorhaben, Bedürfnisse und die Stimmung der arbeitenden Menschen ein. Sie inspirieren und fördern Zusammenarbeit und Kommunikation.

Weiterbildung und Karriereentwicklung

Die Flexibilisierung in Bezug auf die Weiterbildung und Karriereentwicklung bietet vielversprechende Chancen für die Bindung wertvoller Mitarbeiter sowie Steigerung der Arbeitgeberattraktivität.

Moderne Kommunikationstechnologien und virtuelle Netzwerke ermöglichen schnell und unkompliziert den Aufbau und das Teilen von Wissen als auch die Bildung von Karrierenetzwerken. Die Weiterbildungsangebote können zum Beispiel modular strukturiert und flexibel kombinierbar gestaltet werden – je nach Unternehmensgegebenheiten als auch Lebensphase des Mitarbeiters. Sie sind auf die Entwicklungsziele des Mitarbeiters angepasst und fördern das lebenslange Lernen. Durch virtuelle Trainings, Edutainment und Gamification-Elemente werden die Weiterbildungsmaßnahmen interaktiv und realitätsnah unterstützt.

Die Karrieren von morgen werden auf virtuellen Arbeitsmarktplattformen, den Talent Clouds, gestaltet. Denkbar ist gemäß dem Vorbild von Shopping-Plattformen, dass Mitarbeiter ihre Kompetenzen für verschiedene Projekte anbieten aber auch Abteilungen ihre Projekte beziehungsweise Aufgaben dort ausschreiben.  Alle Mitarbeiter und Abteilungen haben Zugriff auf die Profile der Mitarbeiter, und die Mitarbeiter erhalten Transparenz über die Aufgaben und Projekte des Unternehmens. Sowohl die Unternehmen als auch die Bewerber können nach dem Projekt- oder Aufgabenabschluss bewertet werden, was die gegenseitigen Verpflichtungen noch mehr stärkt. Innerhalb eines Unternehmens können solche Arbeitsmärkte implementiert werden, um die Entwicklung der Mitarbeiter in neue Fachgebiete zu fördern beziehungsweise den Mitarbeiter befähigen, dies selbst in die Hand zu nehmen. Dies wird eine besondere Herausforderung für den Datenschutz darstellen.

Arbeitsgestaltung

Die Flexibilisierung der Arbeitsgestaltung ist durch das Angebot von unterschiedlichen alternativen Informationsquellen, Kommunikationsformen und Arten der Zusammenarbeit ermöglicht und geformt. Die Projektarbeit in virtuellen Teams, deren Mitglieder auf dem ganzen Globus verstreut an einer Aufgabe arbeiten, ist bereits zum Alltag geworden. Laut Ergebnissen der KPMG-Studie „Rethinking Human Resources in a Changing World“ haben 60 Prozent der Unternehmen ihre Nutzung der virtuellen Zusammenarbeit in den letzen drei Jahren ausgebaut. Dabei nutzen mehr als zwei Drittel der Unternehmen weltweit (73 Prozent) Video- und Telefonkonferenzen zum Informationsaustausch und Abstimmung öfter als persönliche Meetings. Soziale Netzwerke genauso wie Blogs oder Content Communities, zusammenfassend Social Media genannt, sind mittlerweile fester Bestandteil der Berufs- und Geschäftswelt. So ermöglicht eine Crowdsourcing Community in Unternehmen die gleichzeitige Nutzung von internen Kompetenzen und des Expertenwissens außerhalb des Unternehmens zur Generierung innovativer Ideen und Lösungen für spezifische Fragestellungen. Die Abwechslung und Effizienz solcher Zusammenarbeit bilden eine exzellente Plattform für die Bindung der Mitarbeiter.

Die Flexibilisierung der Arbeitsgestaltung kann außerdem durch die genutzten technischen Mittel gestaltet werden. Das Konzept „Bring Your Own Device“ ist ein gutes Beispiel dafür. iPhones, iPads und PDAs sind schon heute die individuellen und intelligenten elektronischen Assistenten. Die nächste Generation wird gegebenenfalls  unser Verhalten beobachten und analysieren, Emotionen realisieren, den Arbeitsstil ihrer Besitzer lernen und somit individuell zugeschnittene Informationen und passenden Vorschläge für die Arbeitsgestaltung der Person einspielen. Innovative und praktische Eigenschaften dieser Geräte wie Sprachsteuerung, Gestensteuerung sowie Emotionserkennung machen sie weiterhin zu unseren unentbehrlichen Begleiter.

Vergütung

Im Zuge der Flexibilisierung von Arbeitsmodellen, Arbeitszeit und -gestaltung spielt die Vergütung ebenfalls eine zentrale Rolle. Die meisten Unternehmen schätzen, dass der Anteil an Projektarbeit in den kommenden Jahren noch zunehmen wird (Studie „Deutschland im Jahr 2020“, Deutsche Bank Research). In diesem Zusammenhang entsteht die Notwendigkeit einer Entwicklung von projektbezogenen Vergütungssystemen, die dem Verantwortungsumfang, persönlichem Engagement und individueller Leistung im Projekt Rechnung tragen.

Für festangestellte Mitarbeiter kann eine individuelle Zusammenstellung von Sach- und Sozialleistungen (zum Beispiel Übernahme der Kosten für die Kinderbetreuung) beispielsweise in Form eines flexiblen Cafeteria-Systems angeboten werden. Die Wahl zwischen verschiedenen Vergütungsbestandteilen kann im Rahmen eines festgelegten Budgets getroffen werden. Das Cafeteria-System berücksichtigt jeweilige Präferenzen und Bedürfnisse der Arbeitnehmer und bietet die Möglichkeit diese gezielt und individuell zu fördern. Durch ein effizientes IT-System und automatisierte Prozesse wird der Verwaltungsaufwand bei der Implementierung von Cafeteria-Vergütungssystemen reduziert. Selbstverständlich ist es besonders wichtig die steuer-, arbeits- und sozialversicherungsrechtlichen Vorschriften hierin zu berücksichtigen.

Von professionell geplanten und implementierten Konzepten der Arbeitsflexibilisierung profitieren alle Seiten: Unternehmen gewinnen und binden die besten Mitarbeiter, steigern deren Arbeitsmotivation und Kreativität und erhöhen dadurch ihre eigene Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit. Arbeitnehmer erhalten neue Möglichkeiten für ihre Lebensgestaltung, erfahren individuelle Förderung und ziehen vielfältige Vorteile aus dem Arbeitsumfeld, in dem ihre Bedürfnisse mehr berücksichtigt werden. Besonders wichtig bei der Gestaltung von Flexibilisierungskonzepten sind dennoch die Berücksichtigung von Geschäftsstrategie und -zielen sowie die Etablierung eines adäquaten Wertesystems im Unternehmen.