Gesunde Arbeit als Teil der Employer Brand

Vor allem jungen Menschen ist ein gesunder Lebensstil wichtig. Unternehmen sollten ihre Gesundheitsförderungs-Maßnahmen bereits im Recruiting hervorheben.
© gettyimages / Vitalina

Vor allem jungen Menschen ist ein gesunder Lebensstil wichtig. Unternehmen sollten ihre Gesundheitsförderungs-Maßnahmen bereits im Recruiting hervorheben.

Digitalisierung, Globalisierung, zunehmende Komplexität und schnell verändernde Kundenwünsche sind die Herausforderungen, die nahezu jedem Unternehmen tagtäglich begegnen. Um in diesem dynamischen und komplexen Unternehmensumfeld weiterhin erfolgreich zu bleiben, ist es unerlässlich, qualifiziertes Fachpersonal für sich zu gewinnen. Der zunehmende Fachkräftemangel aufgrund des demografischen Wandels und den steigenden Anforderungen, erschwert es den Unternehmen, passende Mitarbeitende für das eigene Unternehmen zu überzeugen. Der Demografiebericht des Bundesministeriums des Inneren für Bau und Heimat prognostiziert, dass es im Jahr 2030 im Vergleich zum Jahr 2010 6,3 Millionen weniger Erwerbstätige in Deutschland geben wird. Bereits im Jahr 2018 konnte der Bedarf an 2,7 Millionen Fachkräftestellen nur zu 60 Prozent gedeckt werden. Die Mehrheit der Recruiting-Verantwortliche steht vor der großen Herausforderung, geeignete Kandidat:innen für vakante Stellen zu finden. Diese Entwicklungen deuten darauf hin, dass sich der Arbeitsmarkt zunehmend zu einem Arbeitnehmermarkt entwickelt. Um im War for Talents zu bestehen, müssen sich Unternehmen daher gezielt von anderen potenziellen Arbeitgebern abgrenzen. Ein Geheimrezept stellt dabei das betriebliche Gesundheitsmanagement beziehungsweise „gesunde Arbeit“ dar.

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Was ist für heutige Fachkräfte bei der Arbeitgeberwahl ausschlaggebend?

In den letzten Jahren zeichnete sich ein Wertewandel zwischen den Generationen ab. Während früher in erster Linie Gehalt und Karrieremöglichkeiten über die Wahl des Arbeitgebers entschieden, so rücken diese Faktoren bei jüngeren Generationen zunehmend in den Hintergrund. Heute werden flachen Hierarchien, eine angemessenen Work-Life-Balance und vielfältige Weiterbildungsmöglichkeiten vorausgesetzt. Zudem sind für die jüngeren Generationen Faktoren wie eine moderne Unternehmenskultur, Innovationsfähigkeit des Unternehmens, Corporate Social Responsbility, Diversity Management und das Angebot an Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) vorrangige Entscheidungskriterien.  Der gesellschaftliche Gesundheitstrend führt dazu, dass sich gerade die junge Generation sehr intensiv mit Themen wie Sport, Bewegung, Ernährung und mentaler Gesundheit auseinandersetzt. Die Studie Junge Deutsche 2019 zeigt auf, dass Gesundheit für die Generationen Y und Z der wichtigste Wert ist. Über 60 Prozent gaben an, dass sie regelmäßig Sport treiben. Zudem ist für viele von ihnen die Erholung in Form von gesundem Schlaf, Entspannungsübungen oder Yoga von hoher Bedeutung. Im Vordergrund bei der Arbeitgeberwahl stehen bei der jungen Generation auch die emotionale Bindung, die sie zu dem Unternehmen aufbaut. Sie sind bereit den hohen Anforderungen gerecht zu werden, wenn sie merken, dass sich das Unternehmen für ihre Gesundheit einsetzt und sie aktiv beim Aufbau gesundheitlicher Ressourcen unterstützt. Im Zuge dessen zeichnet sich noch ein weiterer Trend ab: Während es vor einigen Jahren eine klare Grenze zwischen Arbeit und Freizeit gab, verschwimmen diese Grenzen aktuell zunehmend. Gerade im Zuge der Corona-Pandemie hat die Arbeit im Homeoffice erheblich zugenommen und ist für viele Arbeitnehmer:innen nicht mehr wegzudenken. Zwei Drittel wünschen sich auch nach der Pandemie die Möglichkeit gelegentlich im Homeoffice arbeiten zu können. Viele schätzen die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie die Zeitersparnis durch wegfallende Arbeitswege.

Welche Vorteile ergeben sich für Unternehmen durch BGF-Maßnahmen in Anbetracht des Fachkräftemangels?

Der beschriebene Wertewandel sowie die steigenden Anforderungen an die Mitarbeitenden zwingen Unternehmen dazu sich sowohl attraktiv auf dem Arbeitsmarkt zu präsentieren als auch dafür zu sorgen, dass ihre Arbeitnehmer:innen langfristig gesund und leistungsfähig bleiben. Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) und daraus resultierende Maßnahmen umfassen neben der Gestaltung gesundheitsförderlicher Arbeitsbedingungen, wie beispielsweise einem ergonomischen Arbeitsplatz oder ausreichend Pausen, auch die Förderung gesunder Verhaltensweisen, wie den gesunden Umgang mit Stress und Achtsamkeit. Damit sind BGF-Maßnahmen weit mehr als eine Zusatzleistung. Denn die steigende Komplexität und Dynamik des Unternehmensumfeldes hat erhebliche Auswirkungen auf die Mitarbeitenden. Wachsender Leistungs- und Termindruck sowie ständige Erreichbarkeit sind längst keine Seltenheit mehr. Dies wird auch in den steigenden Fehlzeiten aufgrund von psychischen Erkrankungen sichtbar. Maßnahmen, die Arbeitnehmende dabei unterstützen diesen Herausforderungen zu begegnen, erhöhen somit nicht nur die Arbeitgeberattraktivität, sondern führen langfristig zu weniger Fehlzeiten und einem gesteigerten Wohlbefinden der Mitarbeitenden. Eine Studie der FOM Hochschule München bestätigt, dass bereits im Jahr 2013 BGM für jede fünfte Person ein entscheidendes Kriterium bei der Arbeitgeberwahl darstellten.

Wie können BGM und BGF-Maßnahmen im Recruiting-Prozess hervorgehoben werden?

Ein nachhaltiges BGM und BGF-Maßnahmen können einen entscheidenden Differenzierungsfaktor im War for Talents darstellen. Um die Arbeitgeberattraktivität nachhaltig zu verbessern, bedarf es jedoch einer genauen Betrachtung des gesamten Recruiting-Prozesses. Unternehmen sollten bereits vor dem Bewerbungsgespräch ihre betrieblichen Gesundheitsmaßnahmen in den Vordergrund stellen. Nachdem die Anforderungen an die Fachkraft klar definiert wurden, gilt es die Aufmerksamkeit der potenziellen Bewerber:innen durch eine zielgruppenorientierte Ansprache auf die Stellenanzeige zu richten. Digitale Kanäle können genutzt werden, um die qualifizierten Nachwuchskräfte zeitnah zu erreichen. Die Stellenanzeige ist möglicherweise die erste Schnittstelle, die potenzielle Kandidat:innen mit dem Unternehmen haben. Für einen positiven ersten Eindruck sollten bereits hier die Benefits des Unternehmens sichtbar werden. Laut einer Umfrage von Stepstone geben 76 Prozent der Bewerber:innen an, dass die Informationen in den Stellenanzeigen jedoch nicht ausreichend dargestellt werden. Viele Unternehmen geben Vorteile wie flexible Arbeitszeiten, Arbeiten im Homeoffice oder betriebliche Altersvorsorge gar nicht an und nehmen somit die Chance zur Differenzierung von anderen Arbeitgebern nicht wahr.

Dabei sind gerade diese Benefits bei der jungen Generation unabdingbar geworden und beeinflussen in großem Maße, ob sie sich überhaupt für eine Stelle bewerben. Da flache Hierarchien und Transparenz heutzutage von vielen Bewerber:innen wertgeschätzt werden, können Unternehmen damit punkten, ihren Bewerbungsprozess offen zu kommunizieren und die Schwelle zur Bewerbung so gering wie möglich halten. Die Mehrzahl der Bewerber:innen bevorzugt eine einfache und schnelle digitale Bewerbung über die unternehmenseigene Karriereseite oder per E-Mail. Insbesondere Unternehmen, die bereits betriebliche Gesundheitsmaßnahmen anbieten, sollten ihre Mitarbeitenden mit in den Bewerbungsprozess einbinden und sie gezielt als Markenbotschafter einsetzen. Dies fördert die Transparenz und erhöht die Glaubwürdigkeit des Unternehmens. Wenn das Recruiting mit der Einstellung einer geeigneten Fachkraft abgeschlossen werden konnte, sollte die Arbeitgeberattraktivität weiterhin fokussiert werden. Insbesondere für junge Fachkräfte, für die ein Arbeitgeberwechsel keine Seltenheit ist, kann BGM ein effektiver Faktor zur Arbeitgeberbindung darstellen. So können Unternehmen ihren Mitarbeitenden glaubhaft vermitteln, dass Gesundheit und Wohlbefinden eine elementare Rolle spielen und eine gesundheitsförderliche Lebensweise aktiv unterstützt wird.

Der gesamte Recruiting-Prozess stellt die Visitenkarte des Unternehmens dar und prägt so maßgeblich die eigene Arbeitgeberattraktivität. Wer als Unternehmen langfristig erfolgreich sein will, wird sich mit den Werten und Bedürfnissen potenzieller Bewerber:innen beschäftigen müssen und ist gezwungen sich immer wieder neu anzupassen. So wie sich Kundenwünsche stetig verändern, werden sich auch die Bedürfnisse der Kandidat:innen wandeln. Während vor einigen Jahren Homeoffice noch als erheblicher Differenzierungsfaktor galt, so setzen viele Fachkräfte dies heute bereits voraus. Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen zunehmend. Insbesondere die jungen Mitarbeiter:innen sind bereit, auch außerhalb der Arbeitszeiten erreichbar zu sein, wünschen sich im Gegenzug aber, dass sie auch private Interesse während der Arbeitszeit nachgehen dürfen. Im War for Talents können Unternehmen daher die Chance ergreifen und sich durch attraktive BGF-Angebote auf die Bedürfnisse der jungen Talente einstellen und diese von sich zu überzeugen.

Das zunehmende Gesundheitsbewusstsein führt dazu, dass immer mehr Menschen auf ihre gesundheitsorientierte Balance achten. Sie wünschen sich ihre persönlichen Aktivitäten, wie beispielsweise Sport treiben, meditieren oder gesund kochen in ihren Arbeitsprozess mit einbinden zu dürfen. Authentisches BGM weckt nicht nur die Aufmerksamkeit der potenziellen Bewerber:innen, sondern wird langfristig auch zu einer höheren Arbeitszufriedenheit sowie einem gesteigertem Arbeitsengagement führen. Die investierte Arbeitszeit zahlt sich letztendlich auch für den Arbeitgeber aus, denn seine Mitarbeiter:innen werden ausgeglichener, resilienter und zufriedener und als Markenbotschafter ein entscheidender Multiplikator zur Gewinnung qualifizierter Fachkräfte sein. Die eigene Gesundheit hat mittlerweile einen bedeutsamen Stellenwert, sodass Statussymbole wie der Dienstwagen längst ausgedient haben.