Gesundheitsmanagement auf vier Rädern

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Mit dem HR Excellence Award 2015 sind zahlreiche herausragende HR-Projekte ausgezeichnet worden. Sie wollen wir hier vorstellen. Dieses Mal ist es das Gesundheitsmanagement-Projekt von Fraport. Unsere Fragen dazu beantwortet Susann Heitmann aus dem Gesundheitsmanagement des Unternehmens.

Die Fraport AG will auch für die Mitarbeiter, die draußen auf dem Rollfeld arbeiten, ein konsequentes Gesundheitsmanagement bieten, auch wenn diese gerade nicht jederzeit Trainingsräume und Seminare aufsuchen können. Dafür hat das Betreiberunternehmen des Frankfurter Flughafens einen Sprinter in ein Fitnessmobil umbauen lassen und individuelle Trainingsprogramme entwickelt. Das Projekt wurde in der Kategorie „Konzerne Betriebliches Gesundheitsmanagement“ ausgezeichnet.

Können Sie kurz Ihr Projekt beschreiben?
Am Flughafen Frankfurt sind Muskel-Skelett-Erkrankungen (MSE) der Fehlzeitenverursacher Nr. 1. Überraschend ist dabei die Erkenntnis – so zeigen es Arbeitsunfähigkeitsdatenanalysen der Krankenkassen –, dass Muskel-Skelett-Erkrankungen monatlich stark schwankend und insbesondere im dritten Quartal in den operativen Bereichen auftreten. Umgekehrt ist nachgewiesen, dass bei administrativem Personal keine Schwankungen auftreten. Und diese Erkenntnis ist für das Gesundheitsmanagement wichtig. Genau in den Monaten des dritten Quartals ist der Flughafen operativ besonders gefordert – zusätzlich zur Hub-Funktion im Interkontinental-Flugverkehr möchten hunderttausende Menschen pünktlich und sicher mit dem Flieger in die Sommerferien starten.

Daher wurde ein Konzept erarbeitet, welches durch gezielte individuelle Trainingstherapie zur Wirbelsäulenstabilisierung beitragen soll. Ziel ist, die nachhaltige Reduktion von Krankheitsfällen/-tagen und die langfristige Gesundheiterhaltung der Beschäftigten, insbesondere in den operativen Bereichen. Um die Entwicklung von MSE positiv zu beeinflussen und auf lange Sicht zu reduzieren müssen wir die Beschäftigten dort erreichen, wo sie sind: Am Flughafen und direkt am Arbeitsplatz.

Was ist aus Ihrer Sicht das Besondere daran?
Bestehende Angebote, wie die firmeneigenen Fitnessstudios, das Rückentraining und -Therapiezentrum, Gesundheitsvorträge sowie die Betriebssportgruppen der Fraport AG erreichen operativ-tätige Beschäftige scheinbar nicht in vollem Umfang. Das sorgt für interessante Diskussionen, bei der jeder – egal ob aus medizinischer, ingenieurwissenschaftlicher oder betriebswirtschaftlicher Argumentation – seine Sichtweise einbringen kann: Wie können wir präventiv Abhilfe schaffen? Ein gezieltes Rückentraining auf jeder Dienststelle? Hebe- und Tragetraining am Flugzeug in der Beladungssituation? Visualisierte Trainingskarten?

Unsere Lösung: Eine mobile Trainingskomponente auf dem Vorfeld. Durch eine mobile Lösung können die Beschäftigten das Angebot ohne größeren Aufwand arbeitsplatznah, innerhalb der Arbeitszeit und in Arbeitsbekleidung in Anspruch nehmen. Durch die qualifizierte Trainerbetreuung vor Ort werden die Beschäftigten für weitere Gesundheitsthemen sensibilisiert und erhalten bei Bedarf weitere Unterstützungsangebote. Das Fitness-Mobil verfolgt einen gesundheitsorientierten Ansatz zur langfristigen Verhaltensänderung.


Im Innern des Fitnessmobils, Foto: Fraport AG / Andreas Meinhardt

Worin hat sich vor allem der Erfolg des Projektes gezeigt?
Nach erfolgreicher Testphase mit einem externen Institut im Bereich „Rampe-, Lade- und Gepäckservice“ wurde im Lenkungsausschuss Fraport-Gesundheitsmanagement die Entscheidung für eine unternehmenseigene Lösung getroffen. Nach einer 6-monatigen Bauphase wurde im Mai 2015 das Fitness-Mobil eröffnet und in Betrieb genommen. Alltägliche Beanspruchungen können durch eine starke Rumpfmuskulatur abgefangen werden. Durch ein gesteigertes Kraftniveau sowie eine wirbelsäulenstabilisierende Muskulatur sind die Beschäftigten für die alltägliche Beanspruchung gut vorbereitet.

Das Angebot wurde mit einem Förderpreis für Sicherheit und Gesundheit der Unfallkasse Hessen mit dem Schwerpunktthema „Denk an mich, Dein Rücken“ ausgezeichnet. Des Weiteren wurde das Projekt 2015 mit den Human Resources Excellence Award ausgezeichnet. Zusätzlich zeigen viele am Flughafen und auch extern ansässige Unternehmen großes Interesse. Aber das Allerwichtigste: Die operativ Beschäftigten und deren Führungskräfte nehmen das Angebot gerne an und können sich damit identifizieren. Das alles insgesamt motiviert hier sämtliche Akteure, sich auch künftig besonders stark für den Gesundheitsschutz und die Gesunderhaltung der Kolleginnen und Kollegen einzusetzen und auch neue nie dagewesene Ideen im Betrieb zuzulassen.