Psychische Probleme sind weiterhin tabu

17.05.2019  |  Deidre Rath
Psychische Probleme am Arbeitsplatz
(c) gettyimages / Martin Barraud

Am Arbeitsplatz über psychische Probleme sprechen? Das kommt für viele Arbeitnehmer nicht in Frage, wie eine neue Studie zeigt.

Die Hemmschwelle, am Arbeitsplatz über psychische Probleme zu sprechen, ist nach wie vor hoch. Laut einer neuen Studie von ADP glauben rund 60 Prozent der befragten Arbeitnehmer in Deutschland, ihr Arbeitgeber sei nicht oder nur oberflächlich interessiert an ihrem seelischen Wohlbefinden. 20 Prozent schließen es gänzlich aus, sich bei psychischen Erkrankungen gegenüber Kollegen, Freunden oder Vorgesetzten am Arbeitsplatz mitzuteilen. Lediglich 21 Prozent geben an, sie würden sich gegenüber ihrem Chef offenbaren. Allerdings können sich immerhin 40 Prozent vorstellen, sich Kollegen anzuvertrauen.

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Jüngere Menschen gehen der Studie zufolge offener mit der Thematik um. Nur vier Prozent der 16- 24-Jährigen würden psychische Probleme am Arbeitsplatz verheimlichen. Zum Vergleich: 30 Prozent der Befragten im Alter von 55 Jahren sehen eine psychische Erkrankung als absolutes Tabuthema und würde daher auch nicht darüber sprechen.

 

Psychische Probleme sind tabu
(c) Quadriga / Maria Navas Carrillo

 

Die Zahlen der Studie alarmieren vor dem Hintergrund der jährlich steigenden Fehlzeiten, die durch psychische Erkrankungen verursacht werden. Unternehmen sollten die Thematik deshalb gezielt auf die Agenda setzen und so signalisieren, dass Mitarbeiter psychische Erkrankungen nicht verheimlichen müssen.

Tipps für Unternehmen

Betriebliche Gesundheitsförderung, beispielsweise durchgeführt im Rahmen des Betrieblichen Eingliederungsmanagements (BEM), setzt bestenfalls nicht nur und erst dann ein, wenn eine krankheitsbedingte Kündigung rechtlich abgesichert werden soll. Vielmehr sollten Unternehmen regelmäßige Perspektivgespräche ansetzen, innerhalb derer auch die psychosoziale Arbeitsfähigkeit des Mitarbeiters mit den Anforderungen des einzelnen Arbeitsplatzes abgeglichen wird. Hierfür bietet sich beispielsweise auch das jährliche Mitarbeitergespräch an. Eine weitere Möglichkeit ist, intern Vertrauenspersonen zu benennen, an die sich betroffene Mitarbeiter anonym wenden können. Auch die Veröffentlichung von Beratungsstellen kann helfen, das Thema offensiv anzugehen.

Arbeitgeber, die weitere Informationen zum Thema betriebliche Gesundheitsförderung suchen, können sich von der BGF-Koordinierungsstelle der gesetzlichen Krankenkassen kostenfrei beraten lassen.

Für Mitarbeiter, die anonym Hilfe suchen: Beim sozialpsychiatrischen Dienst in Ihrer Region erhalten Sie unverbindlich Informationen über alle psychosozialen Hilfsmöglichkeiten vor Ort.

Über die Studie

Die Untersuchung für ADP wurde im Oktober 2018 von der unabhängigen Marktforschungsagentur Opinion Matters durchgeführt. Befragt wurden 10.585 erwerbstätige Erwachsene in acht europäischen Ländern.