Glassdoor: Schritt für Schritt nach oben arbeiten

12.06.2019  |  Helge Weinberg
Glassdoor legt offen, wie es in Unternehmen wirklich aussieht
(c) gettyimages / goodze

Wie hoch sind die Gehälter, wie tickt der Arbeitgeber – Glassdoor verrät es. Jetzt baut die Jobbörse ihre Präsenz in Deutschland aus. Was ist geplant?

Glassdoor startet in Deutschland durch. Ab dem 12. Juni ist das Unternehmen mit einer Niederlassung in Hamburg nunmehr ganz offiziell auf dem deutschen Markt präsent. Damit endet eine jahrelange Beta-Phase, die Anfang 2015 begann. In den USA ist Glassdoor die zweitgrößte Jobbörse, nach dem Schwesterunternehmen Indeed. Welche Pläne hat das Unternehmen? Der Human Resources Manager hat mit Felix Altmann gesprochen, dem Pressesprecher von Glassdoor Deutschland.

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Herr Altmann, was passiert am 12. Juni 2019? Was ist der Unterschied zum Launch vom Januar 2015?
Felix Altmann: Glassdoor ist seit 2015 mit einer lokalisierten Webseite auf dem deutschen Markt. Die letzten vier Jahre hat sich die Präsenz organisch sehr gut entwickelt. Aktuell suchen monatlich mehr als 2,4 Millionen deutsche Besucher nach Jobs auf Glassdoor. Wie bereits in vielen anderen Ländern sind wir jetzt an einem Punkt angekommen, die nächste Stufe zu zünden und unseren Service für Jobsuchende und Arbeitgeber weiter auszubauen. Daher starten wir heute mit einem deutschen Kernteam in Hamburg, das wir in den letzten Monaten aufgebaut haben. Damit hat die deutsche Glassdoor Community erstmals Ansprechpartner vor Ort.

Glassdoor bietet Unternehmen „eine große Bandbreite an Recruiting-Lösungen für Stellenanzeigen, Advertising und Employer Branding“, so die Pressemitteilung. Was konkret?
Viele kennen und schätzen uns als Website für Arbeitgeberbewertungen und weitere Insights rund um den Job. Mittlerweile sind wir weit mehr als das. Wir haben uns zu einer Job- und Recruiting-Plattform entwickelt, die es Unternehmen ermöglicht, qualifizierte Kandidaten und Wissensarbeiter einzustellen. In den letzten Jahren haben wir das Thema „Jobs“ gezielt weiterentwickelt. Arbeitgeber finden bereits den Großteil ihrer Stellenangebote bei uns auf der Plattform und können diese durch Sponsoring sichtbarer für geeignete Kandidaten machen. Mit einem Employer-Branding-Profil bieten wir Arbeitgebern die Möglichkeit, sich vor diesen Kandidaten zu präsentieren und dieses auch durch klassisches Display-Advertising zu unterstützen. Im Idealfall verstärken sich die Instrumente gegenseitig und zahlen aufeinander ein.

Was wären denn die Vorteile der Employer Branding-Profile für die Unternehmen? Was haben die Recruiter davon?
Bereits mit einem Basisprofil können Arbeitgeber zum Beispiel Beiträge moderieren und Unternehmensinformationen einstellen, die dann zusammen mit den Bewertungen ein ganzheitliches Bild des Unternehmens ergeben. Das bezahlte Profil bietet darüber hinaus sehr viel mehr Möglichkeiten, die Arbeitgebermarke inhaltlich zu positionieren und damit das ganze Repertoire des Employer Brandings auszuschöpfen. Hinzu kommen zahlreiche Analysemöglichkeiten. Recruiter können die Performance ihres Profils auswerten und Reports für das Management erstellen. Das versetzt Recruiter in die Lage, ihr Profil ständig weiterzuentwickeln und den Markenauftritt strategisch zu steuern anstatt nur zu reagieren. Im Jobbereich hat das Premiumprofil zudem den Vorteil, dass auf der eigenen Seite nur eigene Stellenanzeigen platziert werden und damit nicht Gefahr läuft, potenziellen Kandidaten an die Konkurrenz zu verlieren.

Was sind die Umsatztreiber bei Glassdoor?
Heute gibt es die drei genannten Umsatztreiber: Employer Branding, gesponserte Stellenanzeigen und Display-Advertising. Für die Zukunft ist es uns ein Anliegen, den Recruitingprozess immer einfacher zu machen und noch umfassender abzubilden.

Wo soll es denn hingehen in Deutschland?
Wir wollen in Deutschland noch bekannter werden. Dafür müssen wir das Rad nicht völlig neu erfinden. Wir sind überzeugt, dass wir hier mit der Kombination aus Arbeitgeberbewertungen, Gehaltsinformationen und Stellenanzeigen noch großes Wachstumspotenzial haben. In den USA sind wir die Nummer 2 unter den Jobbörsen. Unser Ziel für Deutschland ist es, Schritt für Schritt weiter nach oben zu kommen.

Was unternimmt Glassdoor, um im Markt bekannter zu werden?
Unser Team in Hamburg besteht aus Experten für Vertrieb, Account Management und Kommunikation. Wir werden die Kundenbetreuung intensivieren und natürlich versuchen, Neukunden zu gewinnen. Für den Kundenaustausch, der bisher über Dublin und London erfolgte, gibt es jetzt greifbare Ansprechpartner in Hamburg, also vor Ort, mit speziellen Kenntnissen der Bedürfnisse von deutschen Arbeitgebern. Wir werden erstmalig auf der Zukunft Personal in Köln vertreten sein und freuen uns dort auf den direkten Austausch mit Recruitern und Personalern.

Die Frage, die auf jeden Fall kommen musste: Warum sollten Unternehmen sich bei Glassdoor und nicht bei Kununu/Xing engagieren?
Bewerber, speziell High Potentials, werden immer wählerischer und sind sehr wissbegierig – und das ist auch gut so. Sie wollen vor einer Jobentscheidung sehr genau wissen, worauf sie sich einlassen. Wir fühlen uns mit der Informationstiefe, die wir Jobsuchenden bieten können, sehr gut aufgestellt. Insbesondere bieten wir sehr detaillierte Gehaltsangaben, die von Mitarbeitern aus den jeweiligen Unternehmen geteilt werden. Zusätzlich spielt uns sicherlich die Internationalität in die Karten. Arbeitgeber werden in Zukunft noch mehr als heute schon Arbeitskräfte international rekrutieren müssen und damit auch ihr Employer Branding dahingehend ausrichten. Anders wird es nicht gehen, wenn man Wissensarbeiter und heiß begehrte Fachkräfte etwa auf die Schwäbische Alb locken möchte.

Wie sieht das Verhältnis zu Google for Jobs aus, wie zur Unternehmensschwester Indeed? Gibt es im letzteren Fall keine Kannibalisierungseffekte?
Indeed und Glassdoor gehören zur Recruit Holdings und sind Schwesterunternehmen. Und so wie Geschwister sehr unterschiedlich sind, sind wir es auch. Wir sind komplementär in unserem Angebot, und wir werden perspektivisch prüfen, ob und wo eine Zusammenarbeit sinnvoll ist.

Zu Google for Jobs: Ich denke, es ist noch zu früh, um ein Urteil darüber zu fällen, wie der Service den deutschen Markt beeinflussen wird. Die Nutzer kommen auf unterschiedlichen Wegen zu Glassdoor, auch über Suchmaschinen. Da Google das Sucherlebnis für Jobsuchende verbessert, gehen wir davon aus, dass wir davon profitieren können und noch mehr potenzielle Kandidaten auf unsere Plattform kommen. Unterm Strich erwarten wir, dass dies mehr Unternehmen helfen wird, mit ihren Stellenangeboten die passenden Kandidaten zu erreichen.

Felix Altmann, Corporate Communications Manager bei Glassdoor
(c) Asta Ohnesorge

Felix Altmann ist Corporate Communication Manager bei Glassdoor Deutschland. Von 2016 bis 2019 war er für das Karrierenetzwerk Xing in gleicher Funktion in der Unternehmenskommunikation tätig. Davor arbeitete er sieben Jahre bei der Hamburger Kommunikationsagentur Faktor 3 und beriet Kunden aus den Sparten Consumer Electronics und Technologie.