Agile Leadership ersetzt starre Planung und stärkt kreative Lösungswege

Stefan Haas
Stefan Haas

Agiles Arbeiten ist mehr und mehr das Gebot der Stunde, denn starre Planung, Vorgaben und Kontrolle funktionieren in einem dynamischen Arbeitsumfeld nicht mehr. Startups wenden den Ansatz agiler Leaderships bereits an – aber lassen sich diese Strukturen auch auf größere Organisationen übertragen? Wir sprachen mit Stefan Haas über Agile Leadership und die Zunahme an Dynamik als Chance.

David Nitschke

Herr Haas, wie kam es dazu, das die agilen Methoden der Produkt- und Prozessinnovation zu einem Leadership-Model geworden sind?

Stefan Haas

Entstanden sind diese neuen Wege der Zusammenarbeit aus der Erkenntnis, dass die Entwicklung von neuen Produkten nicht mehr mit den herkömmlichen Mitteln der hierarchischen, plangetriebenen Führung zu meistern ist. Um die Interdependenzen von Kundenzufriedenheit, Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit in Einklang zu bringen, müssen fachliche Mitarbeiter in engen Feedbackschleifen mit hoher Autonomie gemeinsam den Weg zu einer Lösung finden. Agile Denk- und Arbeitsweisen helfen dabei, kreative Lösungen komplexer Aufgaben durch cross-funktionale Teams in einer sich schnell wandelnden Umgebung zu schaffen. Diese Entwicklung bedingt ein Selbstverständnis der Mitarbeiter, die eine hohe intrinsische Motivation aus ihrer Arbeit beziehen und damit nicht mehr einem hierarchischen Führungsstil zugänglich sind. Agiles Arbeiten führt zu einer Beschleunigung und Vernetzung innerhalb des Wertschöpfungsprozesses, der nur durch die Gestaltung von Rahmenbedingungen beeinflusst aber nicht direkt kontrolliert und gesteuert werden kann. Starre Planung, Vorgaben und Kontrolle
funktionieren in einem dynamischen Umfeld nicht mehr, wenn es darum geht, durch die Gestaltung von Rahmenbedingungen eine Organisation zu beeinflussen. Es bietet sich ein ganzheitliches Leadership-Model an, das auf eben die Mittel der kreativen Problemlösung zurückgreift, die sich in der Produktund Prozessinnovation etabliert haben. Damit werden Managementaufgaben im Unternehme verteilt und Führungskräfte lernen von erfolgreichen cross-funktionalen Teams, wie sie ihre Aufgaben kollaborativ lösen.

David Nitschke

Viele Startups wenden den Ansatz des agilen Leaderships schon erfolgreich an. Aber lässt sich Agile Leadership auch auf größere Organisationen so einfach übertragen?

Stefan Haas

Auch Startups müssen das Problem der Skalierung lösen, wenn sie erfolgreich sind und wachsen. Wenn man sich zum Beispiel das vielzitierte Beispiel von Spotify anschaut, dann sieht man statt einer hierarchischen eher eine netzartige Struktur, die sich prinzipiell besser skalieren und dynamisch selbststeuern lässt, als eine Top-Down-Hierarchie. Das Funktionieren einer Netzstruktur setzt eine entsprechende Unternehmenskultur und eine modulare technologische Basis voraus, und den Willen, Macht abzugeben, um das die gesamte Organisation flexibler und dynamischer zu machen.

David Nitschke

Inwiefern stehen Führungsstil und Organisationsstruktur beim Agile Leadership in Verbindung?

Stefan Haas

Die Organisationsstruktur in Form einer Pyramide vom CEO hin zum Facharbeiter unterstellt ein Machtmodell, das nur noch einen marginalen Einfluss auf funktionierende Innovationsprozesse hat. Das bedeutet nicht, dass strategische und taktische Planung sowie grundlegende Entscheidungen der Unternehmensführung von allen in gleicher Weise getragen werden. In einer lernenden agilen Organisation wird die einfache Struktur der Machtpyramide durch ein multiples Netzwerk der Einflussnahme ersetzt. Der Führungsstil innerhalb eines solchen Netzwerks
funktioniert grundlegend anders, da keine formale Machthierarchie die Möglichkeit zur Beeinflussung unterstützt.

David Nitschke

Was möchten Sie den Teilnehmern in Ihrem Seminar mit auf den Weg in die eigene Praxis geben?

Stefan Haas

Ich möchte den Teilnehmern Denkweisen und Praktiken vermitteln, die ihnen helfen, die Zunahme an Dynamik und Flexibilität als eine Chance zur positiven Einflussnahme auf ihr Arbeitsumfeld wahrzunehmen.

David Nitschke

Wem würden Sie Ihr Seminar empfehlen?

Stefan Haas

Mein Seminar richtet sich an alle, die mit dem Status-Quo nicht zufrieden sind und neugierig sind, neue Wege der Zusammenarbeit im digitalen Wandel zu erforschen.