Harmonie und Achtsamkeit zählen bei Azubis

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Foto: Thinkstock / monkeybusinessimages
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Am 1. August startet das neue Ausbildungsjahr. Zeit für ein Stimmungsbild: Welche Aspekte beschäftigen die jungen Menschen heute? Was ist ihnen bei der Berufswahl wichtig? Wie fühlen sie sich während ihrer Ausbildung? Und wie schätzen Personaler den Ausbildungsmarkt ein?

Für den azubi.report 2017 hat Ausbildung.de deutschlandweit rund 2.000 Azubis und Personaler zur Ausbildungssituation in Deutschland befragt. Fazit: Azubis wünschen sich mehr Achtsamkeit und Harmonie. Für das Arbeitsleben bedeutet das neben interessanten Aufgaben auch geregelte Arbeitszeiten und ein gutes Verhältnis zu Kollegen und Vorgesetzten. Das wissen auch die Personaler, denn laut azubi.report 2017 ist der Cultural Fit schon bei der Auswahl der Azubis sehr viel wichtiger als die Noten der Bewerber.

Grafik: Territory Embrace
Grafik: Territory Embrace

Achtsamkeit und Ausgeglichenheit

Bei der Wahl des Ausbildungsberuf ist Azubis vor allem eines wichtig: Sie wollen lernen, was ihnen Spaß macht – im Idealfall in einem harmonischen Arbeitsumfeld. Daher haben sich bei der Suche nach einer Ausbildungsstelle über 80 Prozent der Azubis vom eigenen Interesse leiten lassen. An zweiter Stelle steht eine ausgewogene Work-Life-Balance. Knapp ein Viertel der Azubis legt großen Wert darauf, klar definierte Arbeitszeiten zu haben und so Zeit für Freunde, Familie und Hobbies einplanen zu können. Verglichen mit diesen Bedingungen, spielt die Gehaltsfrage eine untergeordnete Rolle – schließlich reicht dieses bei knapp der Hälfte der befragten Azubis ohnehin nicht für den Lebensunterhalt.

Gute Stimmung im Ausbildungsbetrieb

Der azubi.report zeigt: Der Ausbildungsalltag entspricht den Wünschen und Bedürfnissen der Azubis. 70 Prozent geben an, mit dem Arbeitsalltag zufrieden zu sein. Das liegt vor allem an den Lern- und Arbeitsbedingungen im Ausbildungsbetrieb. Über drei Viertel der befragten Azubis fühlen sich von ihren Kollegen und Vorgesetzten ernst genommen und beschreiben das Verhältnis als harmonisch. Außerdem scheint die Arbeit den Vorstellungen der Azubis zu entsprechen: Sie beurteilen ihre Aufgaben als spannend und anspruchsvoll. Und das, ob wohl nur etwas mehr als die Hälfte das eigene Interesse, das ursprünglich wichtigste Berufswahlkriterium, in die täglichen Aufgaben einbringen kann.

Grafik: Territory Embrace
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Berufsschule harmonisch, aber uninteressant

Weniger zufrieden sind die Azubis in der Berufsschule. Nur rund die Hälfte der befragten Azubis empfinden die Lehrinhalte als spannend, noch weniger sehen einen deutlichen Praxisbezug (40 Prozent). Immerhin knapp 60 Prozent halten die Lehrkräfte der Berufsschule für qualifiziert und vertrauen bei Problemen auf deren Hilfe. Das führt aus Berufsschulsicht zu einer ernüchternden Bilanz: Nur 11 Prozent gehen lieber zur Berufsschule, als in den Ausbildungsbetrieb. Dahingegen lernen über 80 Prozent lieber im Ausbildungsbetrieb beziehungsweise ihnen gefällt beides gleich gut.

Recherche: Vorbereitung ist alles!

Dass sich die Erwartungen der Azubis erfüllt haben, liegt nicht zuletzt an ihrer Recherchearbeit. Die zukünftigen Azubis haben sich vor allem online und bei Freunden und Familienmitgliedern über geeignete Ausbildungsplätze informiert. Die Bundesagentur für Arbeit, Messen und Zeitungen spielen hier eine viel weniger wichtige Rolle (weniger als ein Viertel suchen auf diesem Weg). Aber die Online-Suche und Erfahrungsberichte aus dem persönlichen Umfeld sind offenbar der richtige Weg: Bei über 70 Prozent haben sich die Erwartungen an den Ausbildungsberuf erfüllt und sogar mehr als drei Viertel geben an, sich im Vorfeld ausreichend über die zukünftigen Aufgaben im Ausbildungsberuf informiert zu haben. Hilfreich können hier Berufschecks und Interessentests sein, die genau dort ansetzen, um auf Basis der Interessen und Bedürfnisse der Schüler verschiedene Berufe vorzuschlagen, mit denen sich die jungen Menschen tatsächlich identifizieren können.

Grafik: Territory Embrace
Grafik: Territory Embrace

Personaler reagieren auf Vorstellungen der Bewerber

Die Fachkräfte aus den Personalabteilungen haben deutliche Probleme, ihre Stellen schnell zu besetzen. Daher suchen 96 Prozent der Personaler vor allem im Internet über soziale Medien oder Online-Portale den Kontakt zu ihren Bewerbern, um deren Wünsche und Bedürfnisse zu kennen. Außerdem wissen auch sie, dass ein entspanntes Arbeitsumfeld die Grundlage für den Ausbildungserfolg ist. Daher ist im Recruiting ein harmonisches und funktionierendes Team für 72 Prozent der befragten Personaler einer der wichtigsten Punkte. Das ist auch die Konsequenz der abnehmenden Qualität der Bewerbungen. Dadurch fühlen sich 51 Prozent der Personaler gezwungen, die Anforderungen herunterzusetzen, um passende Bewerbungen zu erhalten.

Grafik: Territory Embrace
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Berufsorientierung an Schulen muss digital werden

Setzen Personaler im Schüler-Recruiting auf die richtigen Kanäle? Geben Schulen eine adäquate Unterstützung bei der Auswahl? Die Richtung ist klar: Das Internet ist eindeutig die erste Anlaufstelle für Schüler bei der Berufsorientierung. In Zeiten der Handydichte von nahezu 100 Prozent in der entsprechenden Zielgruppe muss auch der Bewerbungsprozess online und mobil ablaufen.