Homeoffice oder Büro: Wofür entscheiden sich junge Talente?

28.10.2021  |  Manisha Manchanda  |  Max Münch
Es ist vor allem eine Typfrage, ob man die Arbeit im Homeoffice oder Büro bevorzugt. Zwei Young Professionals berichten, wofür sie sich entschieden haben.
© gettyimages / Tanya Paton / monkeybusinessimages

Es ist vor allem eine Typfrage, ob man die Arbeit im Homeoffice oder Büro bevorzugt. Zwei Young Professionals berichten, wofür sie sich entschieden haben.

Seit eineinhalb Jahren sitzen Teams jetzt in ihren Homeoffices. Zwischen Kindern, Katzen, Kaffee und Konferenzen wünschen sich manche, endlich wieder ins Büro zu dürfen. Andere lieben ihre Unabhängigkeit vom Office. Manisha Manchanda und Max Münch sind als Young Talents bei PepsiCo beschäftigt. Das Unternehmen hat es ihnen – wie viele andere auch – jetzt freigestellt: Sie können auch nach der Pandemie weiter im Homeoffice bleiben, hybrid arbeiten oder sogar wieder komplett an ihren Schreibtisch zurückkehren. Die beiden entscheiden sich ganz unterschiedlich – und erklären hier, warum.

„Ich will das Homeoffice nicht mehr missen“

Wir sind im Frühjahr 2020 von einem Tag auf den anderen komplett ins Homeoffice gegangen. Schon früher gab es bei PepsiCo die Möglichkeit, vier Tage im Monat von zu Hause aus zu arbeiten. Nun waren wir auf unbestimmte Zeit remote und ich habe mich erstaunlich schnell daran gewöhnt. Das lag vor allem daran, dass ich die meisten Kolleg:innen schon vor der Pandemie gut kannte.

Als Erstes sind mir im Homeoffice die kurzen Arbeitswege aufgefallen: Von meinem Schlafzimmer zum Laptop schaffe ich es natürlich viel schneller, als wenn ich in unser Office in Neu-Isenburg bei Frankfurt fahre. Das finde ich total entspannt. Zu Hause konnte ich mich extrem gut fokussieren. Es gab keine Kolleg:innen, die schnell einen Kaffee trinken oder sich spontan austauschen wollten – so habe ich viel Arbeit weggeschafft und war produktiver. Weil ich allein wohne, war es natürlich auch eine Umstellung, mich zu disziplinieren. Niemand ruft einen zum Mittagessen: Das fällt dann einfach hinten runter und plötzlich merke ich, dass ich bereits seit Stunden nonstop auf den Laptop starre. Ich habe also gelernt, mir selbst den Raum zu geben, den ich brauche, für eine perfekte Work-Life-Balance. Wenn ich nachmittags mal eine Runde spazieren gehen will, um das gute Wetter zu genießen oder einfach den Kopf vor dem nächsten Meeting freizubekommen, ist das kein Problem. Ich kann die Arbeit an meinen eigenen Biorhythmus anpassen. Falls ich dann doch noch etwas erledigen muss, kann ich mich nach dem Abendessen noch einmal kurz an den Laptop setzen.

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Während der Pandemie haben mein Kollege Max und ich gemeinsam eine große Marketing-Kampagne umgesetzt. Meiner Meinung nach sind das Vertrauen in uns als Arbeitnehmer:innen und Autonomie der Schlüssel zu Produktivität und Erfolg – egal, ob von zu Hause oder vom Büro aus. Wir sind wahnsinnig stolz, dass wir diese Kampagne leiten und vorantreiben durften, dass bei uns auch junge Talente wie wir Gehör verschafft bekommen. Dennoch war es in der Pandemie eine besondere Herausforderung, ohne persönlichen Kontakt ein solches Projekt zu stemmen. Brainstormings zum Beispiel funktionieren in der virtuellen Welt nur bedingt. Aber: Dadurch, dass wir ins kalte Wasser geworfen wurden, haben wir während des Projekts viel über den Job gelernt. Besser geht’s nicht.

Mittlerweile war ich mal wieder einige Tage im Büro. Das war aufregend und ich war so neugierig als wäre ich zum ersten Mal in unserem Office: Wie wohl das Stockwerk jetzt aussieht? Wer wohl heute da ist? Ich habe mich auch gefreut, die Kolleg:innen wiederzusehen und habe mit ihnen Erfahrungen und Neuigkeiten ausgetauscht. Das war auch mal wieder eine schöne Abwechslung.

Bei uns im Unternehmen wurde jetzt in einer Vertriebsvereinbarung festgeschrieben, dass wir die Möglichkeit haben, bis zu drei Tage pro Woche von zu Hause aus zu arbeiten. Und die werde ich definitiv auch nutzen. Damit bin ich nicht allein: In einer Stepstone-Studie habe ich gelesen, dass 47 Prozent der Arbeitnehmer:innen ihren Arbeitsplatz in Zukunft komplett frei wählen möchten und 36 Prozent zumindest eine feste Zahl an Homeoffice-Tagen zur freien Verfügung haben wollen.

Hätte mir jemand vor zwei Jahren gesagt, dass meine Teammitglieder und ich uns kaum mehr sehen und wir trotzdem genauso oder sogar produktiver zusammenarbeiten werden als vorher, dann wäre ich extrem skeptisch gewesen. Die Pandemie hat uns zwar räumlich getrennt, aber inhaltlich zusammengebracht. Ich genieße das Homeoffice – und will es nicht mehr missen!

Manisha Manchanda, 26 Jahre, Junior Brandmanagerin

„Im Homeoffice fehlen einfach die sozialen Kontakte“

Vor Corona hätte ich nie gedacht, dass ich meinen Job in so jungen Jahren schon aus dem Homeoffice erledigen würde. Ich habe das immer eher als Belohnung gesehen oder als Möglichkeit für ältere Kolleg:innen, wenn diese an einem Freitag von zu Hause aus arbeiten durften. Deshalb fand ich die flexible Zeiteinteilung und die ruhige Arbeitsatmosphäre am Anfang auch ziemlich cool. Aber dann ging es ganz schnell an die Substanz. Im Homeoffice fehlen einfach die sozialen Kontakte, man interagiert eben doch viel weniger mit anderen Menschen als im Büro.

Das ging sogar so weit, dass ich irgendwann einen Kollegen nach Hause eingeladen habe, damit wir zusammen Homeoffice machen können. Der hat sich aufgrund des gegenseitigen Lärmpegels direkt ins Wohnzimmer verzogen. Zu dem Zeitpunkt war es für uns beide schon extrem ungewohnt, obwohl es vorher Normalität war. Der Tag war echt cool, aber ich habe gemerkt, wie schnell Skills wie Multitasking verloren gehen, wenn sie nicht mehr so oft benötigt werden.

Ich war zwar im Homeoffice sehr effizient und produktiv, habe aber gleichzeitig den Absprung nicht geschafft – und eine Menge Überstunden angesammelt. Manchmal habe ich den Laptop zugeklappt, dann ist mir noch etwas eingefallen und ruckzuck saß ich wieder dran. Aber gesund ist das nicht – meine Work-Life-Balance hat sich immer weiter verschlechtert, je länger der Lockdown und damit das Homeoffice und fehlende Freizeitmöglichkeiten anhielten. Mir gefiel die Arbeitsatmosphäre im Büro vor Corona weitaus besser. Es ist dann wie in der Uni, wenn ich in der Bibliothek für die nächste Prüfung gelernt habe. Alle sind am Ackern und ich selbst sitze mittendrin. Es macht Spaß sich dann tagsüber gegenseitig zu pushen, um dann nach dem Feierabend gemeinsam rauszugehen und ein Bier zu trinken.

Ich war in letzter Zeit wieder häufig im Büro und merke, wie mir die positive Arbeitsatmosphäre gefehlt hat. Zum Beispiel die Kommunikationspausen mit Kolleg:innen am Kaffeeautomaten oder der schnelle persönliche Austausch über den Bürotisch hinweg, anstatt per Zoom oder Teams.

Der erste Tag zurück im Büro war etwas Besonderes und es hat sich unwirklich angefühlt, dass wir dieses Stück Normalität wieder zurückhatten. Daran muss ich mich noch gewöhnen und auch an die Menschen, die neben mir telefonieren oder Besprechungen abhalten. Aber ich finde es super, dass unser Unternehmen auf das Feedback der Mitarbeiter:innen reagiert und darüber nachdenkt, welches Arbeitsmodell für jede:n Einzelne:n das richtige ist. Dadurch können wir zum Beispiel auch Personen zu uns holen, die nicht nach Neu-Isenburg oder Frankfurt ziehen möchten. Gleichzeitig finde ich es schwierig eine effektive Unternehmenskultur im Homeoffice zu schaffen. Remote Culture ist auf jeden Fall eine Herausforderung und braucht viel persönlichen Einsatz und Motivation.

Ich bin überzeugt, dass die Zukunft eine hybride Lösung sein wird und froh, dass ich denen, die möchten, nun bald wieder persönlich die Hand schütteln und unter die Arme greifen kann. Es ist gut, dass die Beschäftigten bei uns künftig die Möglichkeit haben, zwischen Präsenzarbeit und Homeoffice zu wählen – egal in welchem Alter und in welcher Position. Ich bin mir sicher, dass sich solche Optionen zur Selbstbestimmung positiv auf die Teamdynamik und damit aufs ganze Unternehmen auswirken.

Max Münch, 25 Jahre, Assistant Market Strategy und Activation Manager