HR in der DACH-Region – reaktiv und doch erfolgreich

| |
Foto: Thinkstock / monsitj
Foto: Thinkstock / monsitj

HR ist in der digitalen Transformation noch nicht so weit, wie es sein könnte. Den aktuellen Stand hat eine Studie für den DACH-Raum ermittelt.

Branchenübergreifend nutzen Unternehmen technologische Innovationen, um ihre Geschäftsmodelle zu verbessern, umzustrukturieren, zu überdenken oder gar gänzlich neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. IDC bezeichnet das als digitale Transformation (DX) und geht davon aus, dass es sich dabei um die einflussreichste Entwicklung unserer Zeit handelt. Betrachtet man Unternehmen in diesem digitalen Transformationsprozess, ist zu erkennen, dass erfolgreiche Firmen Veränderungen in fünf Bereichen anstoßen: Leadership, Gestaltung des gesamten geschäftlichen Umfeldes, Betriebsmodell, Informationsmanagement und Workforce. Der Personalbereich spielt in all diesen Bereichen eine instrumentelle Rolle, insbesondere natürlich im letztgenannten. Personalmanager sehen sich neuen Herausforderungen und Möglichkeiten gegenüber, mit denen sie sich auseinandersetzen müssen, während sich das Unternehmen durch die Transformation bewegt.

Es stellt sich jedoch heraus, dass die Personalabteilungen – besonders in deutschen Unternehmen – zumeist immer noch sehr konservativ aufgestellt sind. Dabei sollte gerade der demographische Wandel der letzte Anstoß sein, sich auf die Arbeitswelt von morgen einzustellen. Denn vor allem in den skandinavischen Ländern scheint man hier schon weiter zu sein.

Im Rahmen einer Erhebung befragte IDC europaweit insgesamt 1.469 HR-Verantwortliche und LOB-Manager aus 14 verschiedenen Ländern in Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern. Das Ergebnis: Insgesamt gaben 49 Prozent der befragten Manager in Europa an, dass ihr Unternehmen gerade den digitalen Wandel vollzieht. Deutschland belegte dabei den letzten Platz, wenn es darum ging, ob veraltete IT-Systeme die digitale Transformation ausbremsten. Fehlende Flexibilität in Sachen IT, verkrustete HR-Prozesse und eine veraltete Auffassung von der Rolle der Personalabteilungen führen dazu, dass die Werktätigen in Deutschland im Schnitt unzufriedener mit ihrer Arbeit sind, als ihre Kollegen im europäischen Ausland.

Doch auch zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es bemerkenswerte Unterschiede. So gaben nur 53 Prozent der Studienteilnehmer aus der Alpenrepublik an, dass ihr Unternehmen Home-Office fördere – in der Schweiz sind es immerhin schon 63 Prozent, in Deutschland sogar 70 Prozent. Gerade in Deutschland geht man auch mit 83 Prozent davon aus, dass das Personalwesen eine wichtige Rolle beim Unternehmenserfolg spielt – in Österreich vertreten nur 75 Prozent der Verantwortlichen diese Auffassung. Insgesamt vertraten 83 Prozent der befragten Entscheider in Europa diese Auffassung.

HR muss mit der IT auf eine Stufe gestellt werden

Für die DACH-Region zeigt die Studie daher nur eine durchschnittliche Mitarbeiterzufriedenheit und identifiziert Uneinigkeit zwischen Personalverantwortlichen und der Führungsebene in Bezug auf Prioritäten in Sachen HR. Darüber hinaus legen Personalabteilungen hierzulande nach wie vor ihren Fokus eher auf administrative als strategisch, wertschöpfende Aufgaben – doch genau diese sind für die Rolle der HR in Unternehmen in der Zukunft überlebenswichtig. Denn flexible Prozesse wirken sich laut der Studie direkt auf die Mitarbeiterzufriedenheit aus. Doch die Länder der DACH-Region hinken in den technologiebezogenen Aspekten deutlich hinterher – etwa in der Frage, ob Mitarbeiter eigene Geräte auf der Arbeit nutzen können. Organisationen sollten in den nächsten Jahren verstärkt in neue Technologien investieren, um die veränderten Anforderungen der Mitarbeiter in Bezug auf flexibles Arbeiten bedienen zu können. Gefragt sind hier integrierte Ansätze, bei denen die Vereinfachung von HR-Prozessen durch Investitionen in HR-Systeme unterstützt wird und die eine „Selbstbedienung“ also eigenständige Bearbeitung der gewünschten Prozesse durch Mitarbeiter und Manager ermöglichen. Die Vereinfachung der Prozesse sollte auch den einzelnen Abteilungsleitern im Bereich der Mitarbeiterverwaltung mehr Eigenständigkeit und Befugnisse verleihen.

Aber die Studie kann nicht nur gegen die DACH-Länder schießen, sondern zeigt auch die versteckten Stärken auf – tatsächlich liegt Deutschland auch hier bei einigen Analysen vorne und hängt sogar in einigen Kategorien die skandinavischen Länder ab. Wenn es beispielsweise um die Organisation für langfristige Planungen geht, ist die komplette DACH-Region ein Fels in der Brandung.

Die Erhebung sollte in einigen Aspekten deutschen Managern zu denken geben, aber auch Mut machen, dass man zwar auf dem richtigen Weg ist, aber noch einiges verbessern muss.

Autor Sascha Grosskopf spricht über dieses Thema auch auf dem Personalmanagementkongress 2017 in seiner Expert Session. Die Session findet am ersten Kongresstag (Donnerstag 29. Juni) im Panel II von 11:45 bis 12:45 Uhr statt