„HR-Start-ups sind wesentliche Innovatoren der HR-Community“

28.05.2019  |  Silvia Hänig
Innovative Ideen im HR-Start-up auf dem Kanban
(c) gettyimages / berkozel

Wie profitieren Konzerne von HR-Start-ups? Das erklärt Jochen Wallisch, Vice President HR bei Siemens und Jurymitglied des HR-Start-up Awards 2019.

Herr Dr. Wallisch, Sie sagen: Wer als HR den digitalen Wandel in Unternehmen gestalten will, muss bei sich selbst anfangen. Wo genau haben Sie bei sich selbst angefangen?
Jochen Wallisch:
HR-Organisationen verstehen sich zunehmend als strategische Gestalter und Partner ihrer Geschäftseinheiten, weniger als Verwalter von Personalprozessen – so ist das auch bei Siemens. Unsere Geschäftsbereiche sind einerseits mit ihren Produkten und den dort einfließenden Technologien Innovatoren und Vorreiter im Markt. Und zugleich unterliegen sie selbst mit Blick auf ihre Prozesse, Strukturen und Tätigkeitsprofile zum Teil großen Veränderungen.

Diese Transformation gestalten wir als HR für unsere Belegschaft maßgeblich mit. Doch dann stellt sich irgendwann die Frage: Wie innovativ sind unsere HR-Konzepte und Angebote für diese Transformationsprozesse eigentlich? Und: Sollen wir Lösungen mit eigenen Ressourcen neu entwickeln oder gibt es im Markt nicht bereits Lösungsangebote, die genau zu unseren Fragestellungen passen beziehungsweise sich schnell adaptieren lassen?

Bei Siemens haben wir nach und nach solche Kooperationen mit HR-Start-ups initiiert und inzwischen eine interne Plattform etabliert, über die wir ein agiles Prototyping – also ein gemeinsames Experimentieren mit Start-up-Angeboten im Konzernumfeld in Form von Pilotprojekten – ermöglichen und unterstützen. Als HR-Abteilung haben wir also schon vor geraumer Zeit „bei uns selbst angefangen“, mit neuen, meist technologiegestützten Tools und Konzepten von außerhalb des Konzerns unsere eigene Angebotspalette für die Siemens-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu innovieren. Dazu gehören unter anderem Angebote für das Recruiting, zur Kompetenzentwicklung, aber auch zur Schichtplanung oder zur Begleitung von Mentoring-Programmen.

Was war Ihre konkrete Motivation als Jurymitglied jungen HR-Start-ups auf die Beine zu helfen?
Ich bin davon überzeugt, dass unsere zukünftige Arbeitswelt mehr denn je von Kooperationen unterschiedlicher Partner geprägt sein wird. Wir agieren zunehmend vernetzter. Im Zusammenspiel unterschiedlicher Perspektiven entstehen bekanntermaßen die besten Lösungen. In diesem Ökosystem sind junge Unternehmen genauso wichtig wie etablierte. Aber es braucht meist mehr als eine gute Idee, um sich am Markt durchzusetzen. Und deshalb sind das Netzwerk und auch die Sichtbarkeit, die die sich bewerbenden Start-ups hier beim HR Start-up Award bekommen, so wichtig. Und diesen Gedanken unterstütze ich sehr gerne.

Wenn man die Prozessschritte und Anforderungen aus der Welt der Großunternehmen kennt, sieht man außerdem manchmal frühzeitiger, wo es noch Bedarf gibt, nachzuschärfen und kann mit einem einfachen Rat zum nächsten Entwicklungsschritt verhelfen. Zudem bin ich schlichtweg neugierig darauf, zu sehen, welche Ideen es wohl dieses Jahr zu entdecken gibt!

Das Motto lautet „Closer to Business“, wie genau schafft es der Award als Schnittstelle für mehr Nähe zum etablierten HR-Business?
Es geht vor allem um Sichtbarkeit. Bereits über den Bewerbungsprozess und dann nochmal mehr in der Finalrunde erhalten die jeweiligen Start-ups hohe Aufmerksamkeit von anderen Unternehmensvertretern und in den Medien allgemein. So kommen Kontakte und Gespräche zustande, von denen übrigens beide Seiten, nicht nur die Start-ups, lernen und sich weiterentwickeln können. Konzepte und Produkte eines Start-ups können besser und schneller wachsen, wenn sie von potenziellen Kunden mit Blick auf deren konkrete Anforderungen hinterfragt und herausgefordert werden.

Wie lautet Ihr Appell an die jungen Wilden der HR-Szene motiviert zu bleiben?
HR-Start-ups sind wesentliche Innovatoren in der HR-Community. Ein frühzeitiger Dialog mit potenziellen Kunden hilft auf jeden Fall, die eigene Ausrichtung zu schärfen. Und dann natürlich gilt das, was Gründer per se können: Sich trauen! Allein schon die Bewerbung für den HR Start-up Award zu erstellen, motiviert sicherlich. Und wenn es dann sogar für das Finale reicht, umso besser!

Dr. Jochen Wallisch ist Executive Vice President HR bei der Siemens AG und Jurymitglied beim HR Start-up Award 2019.