„Ich wollte wachrütteln“

Körper, Geist und Seele der Mitarbeiter in Einklang zu bringen, den Menschen als Ganzes zu sehen, das ist das Anliegen von Jürgen Knauf. Der Berater hat ein Buch darüber geschrieben. Aber kein gewöhnliches Sachbuch, sondern einen Wirtschaftsthriller. Im Interview erklärt er, was ihn dazu bewogen hat und was Personaler daraus lernen können.

Herr Knauf, Sie haben einen Roman geschrieben, in dem Sie Ihre Sicht auf Unternehmensführung anhand vielfältiger Beispiele einfließen lassen. Haben Sie etwas gegen die gängige Beraterliteratur?
Jein. Es gibt Fachbücher, die haben ganz klar ihre Berechtigung. Ich habe mich aber dazu entschieden, einen anderen Darstellungsweg zu wählen, weil in der klassischen Beraterliteratur oft nur einzelne Bereiche herausgepickt werden, die dann detailliert dargestellt werden, mit Methoden, Herangehensweisen, Strategien und Konzepten. Das ist ein Problem, denn es gibt zu selten einen übergeordneten Blick auf HR, darauf, welchen massiven Anteil die Funktion am Unternehmenserfolg hat. Die Personaler werden immer noch mehr als Verwalter gesehen – und verhalten sich leider auch oft so. Außerdem fehlt der Blick auf den Menschen als Ganzes.

Das erklärt aber noch nicht, warum Sie die Darstellungsform des Thrillers gewählt haben. Das hätte man doch auch in einem Fachbuch sagen können.
Das Fachbuch lag seit drei, vier Jahren bei mir in der Schublade und dümpelte vor sich hin. Ich dachte, dass liest eh keiner. Aber ich wollte wachrütteln, dazu aufrufen, neue Wege in der Unternehmenskultur zu gehen. Mit einem Fachbuch kann man aber nicht wachrütteln.

Braucht es heute andere, neue Ideen, um überhaupt zum Leser durchzudringen?
Das hängt davon ab auf welcher Ebene man agiert. Wenn man aufgrund eines festgestellten Defizits im Employer Branding aktiv werden will, dann ist es sicherlich hilfreich, ein „Kochrezept“ zu haben, gern in Form eines Fachbuchs. Aber dieser erste große Schritt, ein Unternehmen am Menschen auszurichten, das muss erst einmal bewusst gemacht werden.

Ihre Hauptfigur hat nicht nur mit beruflichen, sondern auch mit privaten Problemen wie der kriselnden Ehe und der kaputten Beziehung zur Tochter zu kämpfen. Alle werden am Ende gelöst. Ist das nicht ein bisschen übertrieben positiv dargestellt und hätte der Fokus aufs Berufliche nicht auch genügt?
Ich denke nicht, denn ich glaube jeder von uns kennt ähnliche Situationen. Wenn Sie sich in Ihrem Bekannten- und Freundeskreis umschauen, bekommen es da sicherlich einige richtig hart eingeschenkt, auch auf der privaten Ebene. Das heißt, in der Situation in der sich der Protagonist befindet, befinden wir alle uns irgendwann mal. Mir geht es auch darum, dass der Leser sich selbst mehr reflektiert. Das beginnt im privaten Umfeld. Deswegen habe ich in das Buch viele Themen und Beispiele eingebaut, die jeden von uns betreffen können. Die Frage, die sich daran anschließt, ist auch, was ich an mir, an meinem Verhalten ändern kann.

Dabei kommen Sie immer wieder auf den Dreiklang von Körper, Geist und Seele zurück. Was genau meinen Sie damit?
Mit Körper meine ich schlicht und einfach die physische Gesundheit. Wenn die nicht da ist, ist die Leistungsfähigkeit eines Mitarbeiters gleich null. Das Zweite ist die Psyche, die seelische Gesundheit. Da spielen Aspekte rein wie Motivation, Engagement und Sinn. Und der dritte Punkt meint den Geist im Sinne der Innovationskraft, des Wissens. Wie oft sitzen Menschen an den falschen Stellen oder werden nicht weitergebildet? Albert Einstein hat einmal sinngemäß gesagt: Wenn du einem Fisch erklärst, dass er auf einen Baum klettern soll, wird er sich sein Leben lang als Idiot fühlen, weil das eine Aufgabe ist, die nicht zu seinen Fähigkeiten passt. Die Frage ist also, wie man die Menschen von ihrer Qualifikation, aber auch von ihren Interessen und Fähigkeiten an die richtigen Positionen kriegt. Das ist auch für jeden Einzelnen ein entscheidender Punkt.

Sehen Sie diese Aufgabe denn primär bei HR oder auch beim Arbeitnehmer selbst?
Da sind immer beide Seiten gefragt. Aber vielen fehlt auch das Bewusstsein dafür, wo die eigenen Stärken und Leidenschaften liegen.

Was sollen denn die Personaler vor allem aus Ihrem Buch mitnehmen?
Da sehe ich zwei Aspekte: Einmal den Menschen und das Unternehmen als Ganzes zu sehen und den Dreiklang von Körper, Geist und Seele zu einem Einklang zu bringen. Und dann ist es essentiell – bevor irgendwelche Aktivitäten gestartet werden – diese Felder zu analysieren und herauszubekommen, wo der größte Handlungsbedarf liegt. Momentan ist es so, dass alle Unternehmen etwas machen, nur weil es die anderen auch machen und es gerade en vogue ist. Dieses Alles-über-einen-Kamm-scheren ist aber nicht zielführend.