The Great Reshuffle: Ich bin dann mal weg

Jörg Staff, Mitglied des Vorstands und Arbeitsdirektor bei Atruvia, schreibt in seiner Kolumne
© Quadriga / Maria Navas Carrillo

Amerika und Asien erleben gerade eine der größten Umschichtungen des Arbeitsmarkts in ihrer Geschichte. Schwappt diese bedrohliche Welle auch nach Deutschland?

Zu den schönen Seiten meines Jobs gehört, dass ich jeden Tag interessante Menschen kennenlerne und dazulerne. Vor ein paar Wochen habe ich im Rahmen eines Treffens mit globalen CPOs/CHROs beispielsweise Ryan Roslansky kennengelernt, den CEO von Linkedin. Er hat brandneue Daten zur Entwicklung des weltweiten Arbeitsmarkts vorgelegt – und die waren wirklich elektrisierend. Amerika und APAC (Asien-Pazifik) erleben gerade die größte Umschichtung des Personalmarkts in der Geschichte. Das Problem treibt aktuell CHROs weltweit um. Wir nennen es: The Great Reshuffle.

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Immer mehr Beschäftigte sagen dort gerade zu ihren Vorgesetzten: Ich bin dann mal weg! Dabei waren nach eineinhalb Jahren des Pandemie Ausnahmezustands in diesem Sommer viele Menschen gerade erst wieder zu einem Stück Arbeitsnormalität zurückgekehrt. Die Corona-Krise hat aber offensichtlich bei vielen zu einem Umdenken geführt: Will ich überhaupt wieder in die Vor-Corona-Routine? Oder gibt es Aspekte, die für mich während der Krise sogar besser waren? Wie stelle ich mir mein Leben vor und welche Rolle spielt Arbeit überhaupt dabei?

The Great Reshuffle zeigt sich an einer gigantischen Welle an Jobwechseln. In Amerika haben allein im September 6,2 Millionen Menschen ihre Jobs aufgegeben – das sind 4,2 Prozent der Beschäftigten! Nur ein kleiner Teil davon sind sogenannte Layoffs, also Entlassungen. Nach aktuellen Zahlen von Linkedin lag die Zahl der Menschen, die den Job gewechselt haben, Ende September 54 Prozent über dem Vorjahr. In der APAC-Region fällt die Entwicklung noch deutlicher aus. (Quelle: Linkedin)

Hier gerät also deutlich etwas in Bewegung. In Deutschland und Europa sehen wir The Great Reshuffle aktuell in deutlich abgeschwächter Form. Aber auch hier ist die Wechselstimmung erkennbar und es ist davon auszugehen, dass diese Entwicklung weiter gehen und sich im nächsten Frühjahr sogar verstärken gewinnen könnte.

Ursachen dieser Entwicklung

Die Ursachen sind vielfältig und einige habe ich dieser Kolumne bereits angesprochen: Wertewandel, demographischer Wandel, technologischer Wandel: Die Menschen setzen ihre (Lebens-)Prioritäten neu. Insbesondere bei der Generation Z und den Millennials wird das deutlich.

Für sie ist Arbeit längst nur ein Teil ihrer Lebenswelt – und die Anforderungen an Arbeitgeber steigen. Neue Werte und Themen wie Selbstbestimmung, Purpose und Inspiration treten stärker als Arbeitsmotivatoren in den Vordergrund. Da wirkt sich auch ein kleiner Dip im Bereich der Arbeitszufriedenheit schnell aus. Was manche Menschen früher wohl oder übel am Arbeitsplatz ausgesessen hätten, führt heute schnell zur Kündigung. Dieser Wandel des Arbeitsmarkts sollte auch unsere CHRO-Kolleginnen und -Kollegen in Deutschland nachdenklich machen.

Prognosen und Konsequenzen für Unternehmen

Den Reshuffle gibt es nicht nur bei den Beschäftigten. Auch die Unternehmen haben erkannt, dass sie dringend etwas tun müssen. Talente zu gewinnen und zu halten – das ist heute eine zentrale Aufgabe, die viel Energie und Mühe kostet. Diese Aufgabe ist von absoluter strategischer Bedeutung; gerade um Gen Z und MIllenials zu gewinnen und zu halten. Von der Diversität und dem Engagement der Mitarbeitenden hängt die Kreativität und Zukunftsfähigkeit der Unternehmen ab.

Zum Glück stellen wir hier rechtzeitig die Weichen. Atruvia gilt als Top-Ausbildungsadresse und die Menschen arbeiten gerne und lange bei uns. Wir ermöglichen durch unser neues, flexibles Arbeitsmodell und die Einführung flacher Hierarchien und neuer Rollen ein selbstbestimmteres Arbeiten. Jeder Mensch kann sich in die Unternehmens- und Produktentwicklung auf Augenhöhe einbringen. Angesichts der dramatischen Corona-Entwicklung werden wir in diesem Winter noch weiter an der Flexibilisierung arbeiten – etwa durch neue Arbeitsplatzstrukturen an unseren Standorten: activity based working. Die Arbeitsplätze passen sich an die Aufgaben der Mitarbeitenden an und berücksichtigen ein neues hybrides Arbeitsmoell. Außerdem treiben wir die Digitalisierung der Arbeitsplätze weiter voran und versuchen Lernen als Bestandteil unserer Unternehmens DNA zu verankern. Ich bin sicher, dass sich das weiter auszahlen wird.

Für uns steckt im Reshuflle eine Chance: Wir haben uns früh mit Transformation und Flexibilisierung beschäftigt und die Grundlagen für ein modernes und selbstbestimmtes Arbeitsumfeld gelegt. Klar: Auch bei uns gibt es Fluktuation (circa ein Prozent!). Aber wenn sich die Menschen im kommenden Frühjahr wieder verstärkt nach neuen Aufgaben umsehen, wird Atruvia als attraktiver Arbeitgeber in einer noch stärkeren Position sein, Menschen anzuziehen und zu binden.

Weitere Beiträge aus der Kolumne:

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