Studie zu Karriereseiten: Mobil stark, Reichweite schwach

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Die Karriereseiten großer Unternehmen sind zwar mobiltauglich, aber ihre Reichweite könnte besser sein; das hat eine Studie von Wollmilchsau ergeben.
© gettyimages / m-gucci

Eine Wollmilchsau-Studie zeigt: Mit ihren Karriereseiten erreichen große Unternehmen verhältnismäßig wenig Bewerber-Kontakte. Wie kann man das ändern?

Lange Zeit verleitete das Thema „Mobiltauglichkeit von Karriereseiten und Stellenanzeigen“ zu HR-Bashing. Denn selbst Konzerne schienen nur widerwillig geneigt, auf die Wünsche der Bewerber einzugehen. Das ist Vergangenheit, zumindest in der DAX-Indexfamilie. 91 Prozent der Karriereseiten der 160 untersuchten börsennotierten Unternehmen sind mobiltauglich, vermeldet die „Wollmilchsau Online Recruiting Studie 2019“. Auch die Jobbörsen lassen sich bei 88 Prozent mobil sichten, die Stellenanzeigen immerhin bei 84 Prozent. Kritisch wird es mit deren Reichweite – die Besucherzahlen reichen für eine erfolgreiche Stellenbesetzung oft nicht aus.

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Lediglich 113 Bewerber-Kontakte erreicht eine Stellenanzeige im Durchschnitt. Das sei zu wenig, meinen die Verfasser der Studie. „Erfahrungsbasiert“ müssen für die erfolgreiche Besetzung einer Position je nach Berufsbild etwa 500 bis 1.000 Besucher die Stellenanzeige aufrufen, erklären sie. Hier stellt sich allerdings die Frage, wie Wollmilchsau auf diesen Wert kommt. Denn je nach Targeting-Ansatz des Unternehmens kann dieser deutlich niedriger liegen.

Die Reichweiten-Analyse von Wollmilchsau zeigt, dass nur 14 der untersuchten Unternehmen monatlich mehr als 300 Kontakte pro Stellenausschreibung erreichen. Es gibt immer weniger Bewerber, lautet dann erfahrungsgemäß gerne die Klage in so manchen Unternehmen. Doch dieser Mangel ist oft hausgemacht. Denn daran lässt sich mit einfachen Mitteln etwas ändern.

Wie Unternehmen Bewerber auf der Karriereseite halten können

Was können Unternehmen tun, um Bewerber auf der Webseite zu halten und die Reichweite zu erhöhen? Ganz einfach: Diese schnell zu den entscheidenden Informationen auf der Webseite führen, dort alle wichtigen Fragen beantworten und den Bewerbungsprozess so einfach wie möglich gestalten. Sprich: Vom User aus denken. Wie das in der Praxis funktioniert? Hier kommen einige der vielen Tipps aus der Studie:

  • deutlicher Hinweis auf den Karrierebereich auf der Startseite der Corporate Page
  • eigener Navigationspunkt für den Karrierebereich (immer sichtbar)
  • schneller Zugang zu den offenen Stellen des Unternehmens (maximal 2 Klicks)
  • kein automatischer PDF-Download bei Klick auf die Stellenanzeige
  • Bewerbungsformulare mobiltauglich anbieten und möglichst kurz halten
  • Und: Verzicht auf obligatorisch anzulegende Bewerber-Accounts

Medienbruch im Bewerbungsverfahren vergrault Interessenten

Unternehmen machen es nach wie vor den Bewerbern nicht leicht. Trotz geringer Reichweiten vergrätzen sie so manche interessierte Kandidaten. Stichwort: Bewerbungsformulare. Hier endet meist das mobile Bewerbungsvergnügen. Denn nur etwa die Hälfte von ihnen ist mobiltauglich – und mit durchschnittlich zehn Pflichtfeldern überfrachtet. One-Klick-Bewerbungen sind immer noch selten möglich. Stichwort „Conversion Tracking“: Immerhin 70 Prozent der Unternehmen messen die Interaktion auf ihrer Webseite. Sie könnten theoretisch dann auch präzise verfolgen, wie viele Bewerber aufgrund dieses Medienbruchs ausgestiegen sind. Da scheint bei vielen die Schmerzgrenze noch nicht erreicht zu sein.

Über die Studie

Die Wollmilchsäue hatten bereits zum siebten Mal in Folge die Karriere-Webseiten von 160 Unternehmen aus DAX, TecDAX, MDAX und SDAX auf Reichweite untersucht und ihre Online Candidate Experience getestet. Im Fokus standen Karriereseite, Jobbörse, Stellenanzeigen und Bewerbungsformular. Erfassungszeitraum war Mai bis Juni 2019.

Der Human Resources Manager hatte die Studie vorab erhalten. Offiziell erscheint sie erst am 16. September. Man kann sie aber bereits hier vorbestellen.