Lidl will Azubi-Gehalt auf 1.000 Euro im Monat aufstocken

21.10.2019  |  Deidre Rath
Zur Arbeitgeberattraktivität gehöre auch ein faires Gehalt, so Personalchef Urich.
© Wikimedia Commons / Santeri Viinamäki

Lidl kritisiert die Niedriglohnpolitik im Einzelhandel und hebt die Mindestvergütung von Auszubildenden auf 1.000 Euro im Monat an.

Der Discounter Lidl will die Mindestvergütung für Azubis auf 1.000 Euro im Monat anheben. Das kündigte Personalchef Jens Urich im Gespräch mit Welt am Sonntag an. Die Änderung soll Anfang kommenden Jahres in Kraft treten und für die gesamte Schwarz-Gruppe gelten. Das Unternehmen will so attraktiv für die Fach- und Führungskräfte von morgen werden: „Wir glauben fest daran, dass wir durch faire Bezahlung die besseren Mitarbeiter bekommen“, so Urich.

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Nicht alle in der Branche teilen diese Einstellung. Lediglich 36 Prozent der Arbeitnehmer im Einzelhandel waren im Jahr 2018 in einem tarifgebundenen Unternehmen beschäftigt. Mit Real und Kaufhof verabschiedeten sich erst kürzlich zwei Einzelhandelsketten aus der Tarifbindung, um finanzielle Spielräume für ihre Sanierung zu gewinnen. Urich hingegen plädiert für die Allgemeinverbindlichkeit von Tarifverträgen. Das Geheimnis erfolgreicher Unternehmen sei Effizienz, nicht Lohndumping.

Erst im Frühjahr hatte das Bundeskabinett eine Anhebung der gesetzlichen Mindestvergütung für Auszubildende auf 515 Euro monatlich beschlossen. Die neue Regelung wurde vom Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) scharf kritisiert. Sie greife empfindlich in die Betriebs- und Tarifautonomie ein und wirke sich vor allem auf Betriebe in strukturschwachen Regionen negativ aus.