„Diversity ist bei uns Chefsache“

Marcus Herrmann, CEO von Arcadis, erklärt, warum er in seinem Unternehmen auf Vielfalt setzt und welche Herausforderungen es dabei zu meistern gilt.
Marcus Herrmann © Arcadis

Marcus Herrmann, CEO von Arcadis, erklärt, warum er in seinem Unternehmen auf Vielfalt setzt und welche Herausforderungen es dabei zu meistern gilt.

Als ich vor sieben Jahren die Leitung von Arcadis übernommen habe, war das Managementteam eine reine Männerdomäne. Das wollte ich ändern. Zum einen aus ganz persönlichen Gründen: Mir selbst macht die Arbeit in einem Umfeld mehr Spaß, in dem alle Teile unserer Gesellschaft repräsentiert sind. Das hat auch damit zu tun, dass ich im frankophonen Afrika aufgewachsen bin und so schon früh Menschen vieler verschiedener Kulturen kennengelernt habe. Zum anderen spielen wirtschaftliche Gründe eine Rolle. Ich bin überzeugt davon, dass in Zukunft nur diejenigen Unternehmen wirklich erfolgreich sein werden, die Diversity als zentrales Element ihrer Arbeitskultur erkannt haben und sie konsequent fördern. Divers aufgestellte Firmen profitieren zum Beispiel durch eine höhere Innovationskraft. Wenn verschiedene Perspektiven und Backgrounds zusammenkommen, entstehen kreativere und besser durchdachte Lösungen.

Zufriedenere Mitarbeiter, bessere Arbeitsergebnisse und spürbar höhere Arbeitgeberattraktivität

Außerdem sind Menschen produktiver und innovativer, wenn sie sich am Arbeitsplatz wohlfühlen. Dies stellen wir sicher, indem wir allen Mitarbeiter:innen ermöglichen, ihre Arbeit an ihre individuellen Lebensumstände und Bedürfnisse anzupassen. Dazu braucht es maximal flexible und digitale Strukturen, die das Unternehmen auch insgesamt nach vorn bringen auf dem Weg zu mehr Digitalisierung und Resilienz.

+++Sie bekommen von HR nicht genug? (heart) Dann melden Sie sich jetzt für unsere Newsletter an. Hier geht es zur Anmeldung!+++

Diversität trägt aber auch selbst zu mehr Zufriedenheit im Job bei. Vor allem junge Talente legen heute großen Wert auf vielfältige Teams. Eine der ersten Fragen junger Bewerber:innen ist inzwischen: Wie sieht es bei Arcadis mit Diversität aus, was tut das Unternehmen dafür?

Die Antwort darauf ist: Auch wenn wir noch lange nicht am Ziel sind, haben wir schon vieles auf dem Weg in Gang gebracht. Und ganz wichtig: Wir bekennen uns klar zu Vielfalt. Dazu haben wir beispielsweise die Charta der Vielfalt unterschrieben, mit der wir uns zur Förderung der Chancengleichheit im Betrieb verpflichten. Wir bieten Programme und Initiativen, mit denen die Bedeutung und Umsetzung von Diversität praxisnah vermittelt wird, damit sich auch in den Köpfen etwas ändert. Dazu gehören Frauen- und LGBTQ-Netzwerke, in denen Arcadis sich engagiert, ein Mentoring-Programm oder auch Unconscious-Bias-Trainings, die alle Führungskräfte durchlaufen müssen, um sich unbewusster Vorurteile bewusst zu werden.

Konflikte gehören zum Transformationsprozess dazu

Wir wollen weiterhin Fortschritte beim Thema Diversity machen. Dabei ist mir wichtig, dass wir unsere Entscheidungen nicht aus ideologischen Gründen treffen. So kann ich mir für die Zukunft durchaus eine Quotenregelung vorstellen, die wir aktuell nicht haben. Ich möchte aber keine Quote, ohne dass nicht zuerst ein grundsätzlicher Bewusstseinswandel in der Führungsriege vonstattengeht. Sonst besteht die Gefahr, dass diejenigen, die die Bedeutung von Diversity noch nicht verinnerlicht haben, jegliche möglichen Negativentwicklungen des Unternehmens auf die Quote schieben und sich aus der Verantwortung ziehen.

Deshalb steht bei mir aktuell ganz oben: Wir müssen über Führungspositionen in Teilzeit und Doppelbesetzung sprechen, ganz unabhängig vom Geschlecht. Wir müssen über das Dogma der 24/7-Erreichbarkeit sprechen. Wir müssen uns fragen, warum wir jemanden schief anschauen, der aus privaten Gründen, zum Beispiel, um ein krankes Kind aus Kita oder Schule abzuholen, ein Meeting vorzeitig verlassen muss.

Auf unserem Weg zu einem vielfältigeren und toleranteren Unternehmen wird es selbstverständlich auch Konflikte geben. Eine meiner größten Herausforderungen ist es, eine Kommunikationskultur zu etablieren, in der Beschäftigte konträre Positionen angstfrei austauschen können. Denn damit Diversity mehr als nur ein Lippenbekenntnis ist, müssen wir Diskussionen führen, Meinungen zulassen und diese mit vernünftigen Argumenten und positiven Beispielen entkräften. An diesem Austausch führt kein Weg vorbei, wenn ich alle Mitarbeitenden mitnehmen möchte. Was mir Hoffnung macht, sind die vielen positiven Reaktionen von Mitarbeiter:innen und Kund:innen auf die bereits angestoßenen Veränderungen bei Arcadis. Das zeigt mir, dass wir in die richtige Richtung unterwegs sind.

Corona darf Diversity-Förderung nicht ausbremsen

Gerade jetzt in der Corona-Krise müssen wir zeigen, dass wir es ernst meinen mit der Diversität. Hier sehe ich die Gefahr, dass wir in Sachen Familienorganisation und Kinderbetreuung sonst in alte Muster zurückfallen – beispielsweise Frauen ihren Wiedereinstieg nach der Elternzeit verschieben, um Kinder zu Hause zu betreuen. Hier werden wir gegensteuern, auch aus Eigeninteresse, denn wir brauchen unsere engagierten Mitarbeiter:innen mit ihren unterschiedlichen Kompetenzen. Diversität macht Unternehmen in Krisen auch widerstandsfähiger. Mit einer offenen Kommunikationskultur funktioniert auch internes Krisenmanagement besser und die Solidarität untereinander ist höher. Zum anderen hilft uns die Vielfalt unserer Belegschaft dabei, für unsere Kundenkreative und innovative Lösungen zu entwickeln, die im aktuell dynamischen wirtschaftlichen Umfeld funktionieren und sie auch in Zukunftsthemen voranzubringen.