Meine liebsten TED Talks

Für eine moderne Personalentwicklung ist es wichtig, auch in der Wissensvermittlung auf Höhe der Zeit zu sein. Ein interessantes Format sind die Online-Konferenzen TED-Talks. HR-Experte Frank Edelkraut stellt seine Favoriten vor und erläutert, warum sie für HR interessant sind.

Es ist nur wenige Wochen her, dass ich hier auf der Website des Human Resources Manager die TED Talks als ein Positivbeispiel für moderne Formate der Personalentwicklung angesprochen habe. In der Folge kam die Frage auf, was denn meine Favoriten unter den TED Talks sind und welchen Nutzen diese generell für HR haben könnten. Lassen Sie uns also eine kurze Reise durch die Welt der TED Talks unternehmen und schauen, was für HR darin stecken mag.

Zunächst noch eine kurze Einführung in die Logik der TED Talks, falls Sie dieses Format noch nicht kennen. Was ist TED? TED ist eine Nonprofit-Organisation, die sich der Verbreitung innovativer Konzepte und Initiativen aus den Bereichen Technologie, Unterhaltung und Design verschrieben hat. Es werden „exklusive Konferenzen“ (heute finden jeden Tag rund 20 TEDx-Konferenzen weltweit statt) organisiert und Präsentationen aus diesen Konferenzen als Webvideo veröffentlicht. Jeder TED Talk findet vor Live-Publikum statt und darf maximal 18 Minuten dauern. Die weltweit erfolgreichsten Gründer, brilliante Wissenschaftler und berühmte Pop Stars haben TED Talks gehalten, aber auch Tausende von unbekannten aber hart arbeitenden Personen. Jeder kann seine inspirierende Geschichte bei TED – oder überall sonst – erzählen, wenn man in der Lage ist, die eigenen Emotionen in einer überzeugenden Geschichte zu zeigen und zu teilen.

Wie diese Mischung aus Idee, persönlicher Begeisterung und hoher Qualität aussieht, kann einer der bekanntesten TED Talks zeigen. Sir Ken Robinson erläutert, warum er das aktuelle Schulsystem für ungeeignet hält, Kinder auf die Zukunft vorzubereiten.

 

Und was hat Schule mit unserer Personalarbeit zu tun? Na ja, wahrscheinlich werden die meisten Leser automatisch überlegt haben, wie ihre Personalentwicklung aufgebaut ist. Wie viele Grundannahmen und Strukturen des öffentlichen Bildungssystems haben wir Personaler eigentlich (automatisch) übernommen? Wieso halten wir noch immer an Seminaren als bevorzugtem Format des betrieblichen Lernens fest, obwohl wir wissen, dass dieses Format nur schlechte Umsetzungsergebnisse bringt und besser geeignete Formate verfügbar sind? Ach ja, wenn wir schon bei anderen Formaten sind, hier ein weiterer TED Talk von Ken Robinson, der eigentlich kein TED Talk ist aber bei TED werden andere Vorgehensweisen nicht ausgeschlossen.

Nun zeigt der Erfolg vieler Menschen, dass unser Bildungssystem nicht so schlecht ist, wie man nach dem ersten Talk möglicherweise annehmen könnte. Vielleicht ist es aber gar nicht das Bildungssystem selbst, sondern eine menschliche Fähigkeit, die für Erfolg verantwortlich ist? Ein Indikator dafür könnte der Talk von Angela Duckworth sein, die über die Bedeutung des Durchhaltevermögens spricht.

 

Für Personaler könnte eine Konsequenz des Talks sein, die erfolgreichsten Mitarbeiter im eigenen Unternehmen einmal genauer anzusehen und herauszufinden, was ihre individuelle Lernkarriere ist und welche Werte, Verhaltensweisen etc. für den Erfolg mitverantwortlich waren. Ist es Durchhaltevermögen, wie von Angela Duckworth vorgestellt oder sind es andere Kompetenzen? Je nach Branche, Funktionsbereich etc. könnte das durchaus der Fall sein. Aber welche Kompetenzen sind es nun?

Weiterhin wäre eine derartige Betrachtung eine gute Gelegenheit, die vielfach vorhandenen Kompetenzmodelle kritisch zu hinterfragen. Haben wir die richtigen Kompetenzen in den Fokus gestellt oder sind Kompetenzen aufgenommen worden, die einem Modell oder einer Wunschvorstellung entsprechen, mit den wirklichen Erfolgsfaktoren aber nicht vollständig deckungsgleich sind? Gegebenenfalls ergeben sich auch Konsequenzen für die Personalentwicklung und Führungspraxis. Die erfolgskritischen Kompetenzen sollten schließlich in den Qualifizierungen und im Arbeitsalltag besonders gefördert und evaluiert werden.

Haben Sie aus den bisher diskutierten TED Talks den Verdacht, dass Sie etwas verändern wollen? Dann wird sich sicher die Frage stellen, wie diese Veränderung gestaltet werden kann. Schließlich haben wir Menschen eine Präferenz zum Status Quo und Veränderungen zu starten fällt eher in die Kategorie „harte Arbeit“. Im folgenden TED Talk könnte ein hilfreicher Ansatz stecken:

 

Unabhängig davon, dass die vorgestellte Idee in der Personal- und Führungsarbeit helfen kann (zumindest in der Selbstführung), zeigt dieser 3-Minuten-Talk, dass gute Ideen nicht viel Zeit beanspruchen, es umgekehrt sogar hilfreich ist, nur eine Idee zu präsentieren. Wenn dies dann durch eine persönliche Geschichte nachvollziehbar geschieht, stellt sich automatisch eine Wirkung ein. Welche eigenen Ideen wollen Sie als Personaler im Unternehmen verbreiten, wie würde Ihr 3-Minuten-Talk aussehen, wenn Sie beispielsweise die nächste Umstrukturierung auf einer Betriebsversammlung vorstellen müssen?

OK, das letzte Bild mag beim ein oder anderen eher furchteinflößend sein, daher hier noch ein kurzes Beispiel für das E in TED. Es steht für Entertainment und in jeder Konferenz sind Künstler eingeladen, mit ihrer Kunst eine andere Form der Inspiration einzubringen. Mein Favorit ist der Folgende:

Mit Musik geht alles leichter, könnte die erste Reaktion sein, aber auch, dass es ein Weltstar wie Bobby McFerrin leichter hat, eine Gruppe von Menschen zu führen. Das mag stimmen, ist aber nicht die einzige Möglichkeit, Führung wahrzunehmen. Eine gute Idee ist noch immer die beste Grundlage. Hier ein Beispiel, das Sie vielleicht inspiriert, über die Möglichkeiten nachzudenken, größere Gruppen von Mitarbeitern in einem Projekt zu vereinen.

Da wir gerade über Sinnstiftung und ihre Bedeutung für erfolgreiche Führung sprechen, kommt zum Abschluss mein absoluter Favorit der bisherigen TED Talks. Technisch gehört er nicht zu den Besten, aber die Idee ist so inspirierend dargestellt, dass dieser Talk immer eine Wirkung erzeugt. Ich habe ihn in der Zusammenarbeit mit Führungskräften schon mehrfach eingesetzt und er hat immer zu einer intensiven Diskussion darüber geführt, was denn das “Wozu” des jeweiligen Unternehmens(bereiches) ist.

 

Seien wir ehrlich, das Wozu, dass heißt der Unternehmenszweck beziehungsweise die Sinnhaftigkeit der eigenen Tätigkeit, ist viel zu vielen Mitarbeitern, aber auch Führungskräften nicht wirklich klar und präsent. Im operativen Alltag geht die Sinnfrage einfach unter und wird zu selten wieder auf die Agenda gesetzt. Hier besteht für die Personalabteilung eine wichtige Aufgabe darin, immer wieder zu prüfen, wie klar und aktuell der Sinn definiert und kommuniziert ist.

Zugegeben, viele Führungskräfte scheuen die Auseinandersetzung damit, nicht zuletzt weil sie wissen, dass eine präzise Definition harte Arbeit ist. TED Talks im Allgemeinen und der obige von Simon Sinek im Besonderen können ihnen jedoch helfen, das Thema zu adressieren. Bauen Sie das Video einfach mal in eine Führungskonferenz ein, es wird funktionieren.