Menschliche Intuition kann man nicht automatisieren

21.05.2019  |  HRM Online-Redaktion
(c) Quadriga Media
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Wir stellen die Keynote-Speaker des PMK vor. Heute: Miriam Meckel über Datenethik und notwendige Regeln bei der Zusammenarbeit von Mensch und Maschine.

Frau Prof. Meckel, was kann eine künstliche Intelligenz, was ein Mensch nicht kann?
Miriam Meckel: Künstliche Intelligenz (KI) entwickelt sich rasant. Sie kann einfache kognitive Aufgaben längst schneller lösen als der Mensch. Aber im Feld der Intuition oder auch der Verbindung von Denken und Handeln sind wir Menschen besser. Es gibt noch keine KI-Maschine, die einen Tennisball retournieren kann, wenn der mit 140 Kilometer pro Stunde über das Netz geflogen kommt. Die Verbindung von Bewusstsein und Physis ist bislang unser Vorteil.

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Kann die Digitalisierung womöglich auch eine Chance für die Demokratisierung der Arbeitswelt darstellen?
Ja, durchaus! Niemand macht gerne eintönige oder körperlich anstrengende Arbeit. Das nehmen uns Schritt für Schritt die intelligenten Maschinen ab. Ist das nicht großartig? Jetzt gilt es, etwas daraus zu machen und die frei werdenden Kapazitäten für den menschlichen Vorteil zu nutzen. Es entstehen Räume für mehr Kreativität, mehr Innovationen und mehr menschliche Zuwendung, zum Beispiel in der Pflege. Darin sehe ich eine große Chance.

Wie sieht der Einsatz von künstlicher Intelligenz in Unternehmen derzeit aus?
Gerade im Recruiting kann KI hervorragend eingesetzt werden. Algorithmen erleichtern uns die Auswahl, beschleunigen die komplexen Prozesse und können sogar dafür sorgen, dass wir nicht Opfer unserer eigenen menschlichen Vorurteile werden. Allerdings muss man dabei vorsichtig sein, denn Algorithmen trainieren können sich durchaus ebenfalls Vorurteile antrainieren, denn die stecken in den Datensätzen, mit denen sie lernen. Ich denke, es wird immer eine Kombination aus künstlicher und menschlicher Intelligenz sein, die Personalauswahl und -entwicklung gelingen lässt. Wer einen Vorgeschmack auf die kommenden Trends bekommen möchte, sollte übrigens nach Asien schauen. Dort ist die KI in den Human Resources längst Standard.

Welche Rolle wird Datenethik in Zukunft spielen?
Eine ganz erhebliche. Die Frage nach den ethischen Bewertungen und Rahmenbedingungen für den Einsatz von KI wird aus meiner Sicht eine Kernfrage der Zukunft sein. Nicht im Sinne einer Technikphobie, sondern im Sinne einer neuen Zivilisationskultur, die datengetrieben sein wird. Wir müssen sie entlang unserer Wertesysteme gestalten. Dabei entstehen ein paar ganz neue Fragen, die jetzt noch futuristisch erscheinen mögen. Behandele ich eine Maschine künftig wie einen Arbeitskollegen? Hat sie Rechte? Welche Regeln gibt es für die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine, und wie stellen wir sicher, dass wir Menschen entscheiden, was die Maschinen machen, und nicht umgekehrt. Da gibt es reichlich Diskussionsstoff.

Prof. Dr. Miriam Meckel ist Publizistin, Autorin und die Gründungsverlegerin von Ada, der Plattform für das digitale Leben und die Wirtschaft der Zukunft, bei der Handelsblatt Media Group. In ihrer Keynote beim PMK am 26. Juni erklärt sie, wie künstliche Intelligenz unser Wirtschafts- und Arbeitsleben verändert und was das für die Personalentwicklung der Zukunft bedeutet.

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