Mit einem Fotokalender auf Stellensuche

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Gerade bei solchen Berufsfeldern wie der PR ist die Konkurrenz groß. Die Bewerberflut zwingt zur Kreativität, um aus der Menge hervorzustechen. Diese Erfahrung machte auch der Politologe Alexander Hauk und drückte seinen Initiativbewerbungen einen ganz besonderen Stempel auf. Der 39-Jährige legte Anschreiben, Lebenslauf und Zeugnissen einen eigens erstellten Wandkalender bei.

Auf jedem Monatsblatt tritt Hauk als „Protestonaut“ in Erscheinung – also als Astronaut, der zu einem gesellschaftspolitischen Thema wie Armut oder Bildung in Form von kurzen Texten gespickt mit Statistiken Stellung bezieht. Passend zum Kalender ging Hauk auch mit einer Webseite und einem Making-of-Video online. Im Interview erzählt er, welche Reaktionen er auf seine außergewöhnliche Eigen-PR bisher bekommen hat.

Herr Hauk, wie sind Sie auf die Idee gekommen, sich mit einem Fotokalender auf PR- und Public Affairs-Stellen zu bewerben?
Zum Ende des Jahres lief meine Stelle bei einer mittelständischen Kommunikationsagentur im Team Politische Kommunikation aus. Wer eine befristete Stelle hat, ist natürlich in Daueralarmbereitschaft. Als ich mich nach Stellen umschaute, wurde mir klar, wie wenige es im Vergleich zur großen Zahl an Bewerbern gibt. Ich habe mich gefragt, wie man sich bei oft mehr als 300 qualifizierten Interessenten überhaupt noch abheben will. Meine Verlobte, Sophia Lukasch, ist Werbefotografin. Jedes Jahr zu Weihnachten macht sie für ihre Eltern einen Fotokalender. Ich hatte dann die Idee, einen Kalender mit politischen Themen zu machen, den sie als Referenz für Ihre Arbeit und ich als Alleinstellungsmerkmal für meine Bewerbungen verwenden kann.

Wie viele Kalender haben Sie produziert und auf den Weg gebracht?
Wir haben insgesamt 500 Stück drucken lassen. Einige haben wir an Freunde weitergegeben, überraschenderweise konnten wir aber auch viele verkaufen. Bisher habe ich circa 30 Kalender zusammen mit Initiativbewerbungen verschickt und auf rund ein Drittel davon bereits Reaktionen erhalten. Aber wie das bei Initiativbewerbungen nun einmal so ist: Obwohl auf den Kalender positive Reaktionen kamen, haben viele Unternehmen im Moment keine passende Stelle frei oder aber kein Budget für eine Pressestelle eingeplant. Aber ich spekuliere natürlich darauf, dass der Kalender für ein Jahr bei ihnen an der Wand hängt und sie an mich erinnert, falls dann doch etwas frei wird ….

Was wäre denn Ihr Traumjob?
Ich suche in Berlin eine Stelle als Pressesprecher oder Manager Public Affairs in den Branchen Energie, Automobil, Gesundheitswesen, Politik oder bei Banken.

Durch den Kalender und die Pressemitteilung bekommen Sie momentan viel Aufmerksamkeit. Worauf kommt es an in Sachen Eigen-PR, wenn man in diesem Bereich auf Jobsuche ist?
Ich denke, alle die in der Branche tätig sind, können erfolgreich für die verschiedensten Produkte, Dienstleistungen oder Standpunkte kommunizieren. Was die Profis dabei manchmal vergessen, ist, Werbung für sich selbst zu machen. Worauf es ankommt, ist es, eine kreative Idee zu haben, diese umzusetzen und sich auch zu trauen, damit an die Öffentlichkeit zu gehen.

Falls es mit der PR-Stelle nichts wird, könnten Sie doch auch im großen Stil in die Kalenderproduktion einsteigen…
Wir haben da tatsächlich eine Lücke gefunden: Es gibt zwar jede Menge Fotokalender mit freizügigen Bäuerinnen, Sportlern und Skilehrern oder mit Landschafts- und Tiermotiven – aber welche mit unterschiedlichen politischen Motiven und objektiven Texten haben wir trotz intensiver Recherche nicht entdeckt. Je länger meine Stellensuche dauert, desto wahrscheinlicher wird ein Nachfolge-Kalender. Die Themen gehen uns so schnell nicht aus.