Mit Langzeitarbeitskonten in die Altersteilzeit

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Foto: Thinkstock / monkeybusinessimages
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Die fehlende Förderung von Altersteilzeit-Verträgen macht es für Arbeitgeber schwer, Mitarbeitern attraktive Angebote anzubieten, die nicht bis zur Regelaltersgrenze arbeiten können. Langzeitarbeitskonten können helfen. Ein Praxisbericht zum Modell AGE 60.

Nachdem Altersteilzeit-Arbeitsverträge nicht mehr von der Bundesagentur für Arbeit gefördert werden, hat diese Form des gleitenden Übergangs in den Ruhestand aufgrund der damit einhergehenden Kosten für Arbeitgeber an Attraktivität verloren. Insbesondere aufgrund der steigenden Regelaltersgrenze und der daraus resultierenden stärkeren Rentenminderung bei vorzeitigem Rentenbezug, sind Arbeitgeber weiterhin interessiert Arbeitnehmern in körperlich belastenden Berufen oder mit Tätigkeiten, die aufgrund gesetzlicher Verbote nicht bis zur Regelaltersgrenze ausgeübt werden können, Alternativen anzubieten. Der Fokus liegt hier auf Lebensarbeitszeitkonten, die von den Arbeitnehmern während ihrer aktiven Beschäftigung aus dem Bruttoeinkommen bespart werden. Im Unterschied zur Altersteilzeit müssen die Arbeitnehmer die Freistellung somit meist überwiegend durch Einkommensverzicht finanzieren. Ihre Eigenleistung erhöht sich regelmäßig durch eine auf das Lebensarbeitszeitkonto erzielte Verzinsung und gegebenenfalls um freiwillige Arbeitgeberbeiträge.

Beiden Modellen gleich ist, dass der Arbeitnehmer während der Freistellung im Rahmen eines Altersteilzeit-Blockmodells oder aus einem Lebensarbeitszeitkonto auch bei vollständiger Freistellung von der Arbeitsleistung weiterhin sozialversicherungspflichtig beschäftigt ist. Damit erhöht sich der Rentenanspruch in der Freistellungsphase weiter und aufgrund des hinausgeschobenen Rentenbeginns lassen sich die Abschläge wegen vorgezogener Inanspruchnahme der Rente vermeiden oder zumindest verringern. Arbeitgebern ermöglicht es von betriebsbedingten Kündigungen Abstand zu nehmen und verdiente Mitarbeiter bis zum Ruhestand in Beschäftigung zu halten.

Durch Kombination der für den Arbeitgeber kostenintensiven Altersteilzeit mit einem Lebensarbeitszeitkonto werden Arbeitnehmer im vertretbaren Rahmen an der Finanzierung ihrer rentennahen Freistellung beteiligt. Im Gegenzug kann der Arbeitgeber in diesem Kombinationsmodell die weiterhin steuerfreien Aufstockungszahlungen zum Gehalt und zur Rentenversicherung nutzen.

Arbeitnehmer, die ein ausreichendes Lebensarbeitszeitkonto ansparen, werden mit Abschluss des Altersteilzeitvertrages belohnt, da sie nun noch die der Altersteilzeit immanenten steuerfreien Aufstockungszahlungen erhalten.

Je früher der Sparprozess einsetzt, umso geringer können die monatlichen Sparraten. Es erfordert Maßnahmen, die Arbeitnehmer frühzeitig zur Teilnahme zu motivieren. Regelmäßige Informationen sind für eine Zukunftsplanung unabdingbar. Einfache Online-Rechner geben Auskunft über Kontostand, Freistellungsgehalt und -dauer und stehen den Teilnehmern am Modell jederzeit zur Eigennutzung zur Verfügung. Auch Prognoseberechnungen über die erzielbare Freistellungsdauer lassen sich leicht umsetzen.

Um die individuellen Erwartungen der Arbeitnehmer zu kennen und diesen weitgehend entsprechen zu können, wurden von Anfang an sachkundige Arbeitnehmer in die Verhandlungen mit dem Betriebsrat eingebunden.

Schon heute realisiert das Kombinationsmodell die gemeinsamen Interessen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern und bietet ihnen eine verlässliche Zukunftsplanung.

Die Autor Heide Engelstädter und Martin Felten referieren zu diesem Thema in ihrer Expert Session „Praxisbericht Modell AGE 60: Einsatz von Lebensarbeitszeitkonten und Altersteilzeit zur Weiterbeschäftigung gewerblicher Piloten nach dem 60. Lebensjahr“ auf dem diesjährigen Personalmanagementkongress. Die Session findet im Panel II von 12:15 bis 13:15 Uhr am zweiten Kongresstag (Freitag, 30. Juni 2017) statt.