Mit Workhacks nachhaltig die Teamarbeit verändern

|
(c) gettyimages / bernardbodo
(c) gettyimages / bernardbodo

Auch kleine Änderungen können viel bewirken. Warum das so ist, erzählt Céline Iding, Referentin bei der Tagung Personalentwicklung.

Was sind die schwierigsten Herausforderungen für Teams, wenn es um Transformation geht?

Etwas, das wir immer wieder hören, ist: Wir sollen anders arbeiten, New Work, Change, Transformation – das ist alles so viel und so abstrakt und wir wissen gar nicht, wo wir anfangen sollen. Viele Change-Prozesse gehen von planbaren Prozessen aus. Man analysiert die Situation, macht einen Plan, setzt ihn um und dann evaluiert man das Ergebnis. Das ist häufig nicht kleinschrittig genug. Wirklich erreichen und nachhaltig verändern kann man damit wenig.

Neue Erlebnisse müssen in den Teams erfahrbar gemacht werden und zwar freiwillig. Teams müssen selbst entscheiden, was sie konkret in ihrer Zusammenarbeit verändern wollen. Ist die Entscheidung gefallen, wird das die folgenden zwei Monate ganz konsequent getestet. Dadurch lernen sie Veränderung selbst zu gestalten. Die große Herausforderung dabei: Veränderung ist verdammt anstrengend! Wir von #workhacks begleiten den Prozess und bezeichnen uns daher auch gerne mal als die Personal Trainer für Teams. Die Teams gestalten ihre Veränderung selbst und wir sind dazu da, dass sie das durchhalten.

+++Sie bekommen von HR nicht genug? (heart) Dann melden Sie sich jetzt für unsere Newsletter an. Hier geht es zur Anmeldung!+++

Wie schaffen es Führungskräfte Ihrer Erfahrung nach, die Balance zu halten zwischen Teamlead sein und Arbeiten auf Augenhöhe?

Viele Teamleads würden heute häufig gerne mehr auf Augenhöhe mit ihren Teammitgliedern arbeiten, mehr Eigeninitiative erleben und Verantwortung ins Team abgeben. Manchmal sogar mehr als die Teammitglieder selbst. Es gibt da meiner Meinung nach nicht die “richtige” Balance, sondern hängt stark vom Team ab.

Eine Grundvoraussetzung für die Einführung von neuen Workhacks ist daher auch Freiwilligkeit: Nur, wenn mindestens 80% des Teams dafür stimmen, macht es Sinn, optimierende Arbeitsprozesse einzuführen. Es gibt auch Teams, in denen die Teamleads Feuer und Flamme waren, die Teammitglieder aber vor dieser neuen Eigenverantwortung zurückscheuten und lieber alles wie gewohnt und “von oben serviert” bekommen möchten. Für Teams, in denen die Kolleginnen und Kollegen aber Lust haben, aktiv mitzugestalten, sich einzubringen und ihre Zusammenarbeit zu verbessern, sehe ich riesige Chancen darin, auf mehr Augenhöhe zusammenzuarbeiten.

Neulich hat sich zum Beispiel ein Team in einer sehr hierarchisch-organisierten Behörde für unseren Workhack Timeboxing entschieden und damit ein Meeting bei sich neu strukturiert. Teil des Hacks ist es, dass es eine Person gibt, die auf die Einhaltung der Regeln achtet. Nach kurzem Zögern meldete sich die Sekretärin des Teams – aber fragte erstmal an die Chefin gewandt: “Ist das ok, wenn ich diese Aufgabe übernehme? Ich bin ja nur die Sekretärin, dürfte ich also jeden unterbrechen, der länger redet – auch Sie? ” Von der Chefin und dem gesamten Team kam ein herzliches: “Ja!” und es war ein toller Moment für das Team. Jemand hat sich nach vorne gewagt, will Verantwortung übernehmen und wird dafür vom ganzen Team bekräftigt.

Natürlich funktioniert das Arbeiten auf Augenhöhe auch nur, wenn die Führungskraft das auch ehrlich und aus Überzeugung mitmacht. Auch Führungskräften muss es ermöglicht werden neue Erfahrungen zu machen, indem sie das Team mal machen lassen und sich nicht einmischen. Wenn das gut klappt, dann ändert sich auch die Haltung und es wird Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mehr Raum gegeben für Vorschläge und Meinungen.

Was ist Ihr persönliches Lieblings-Workhack?

Oh, das ist nicht so leicht, das ist wie die Frage nach dem Lieblingskind! Ich persönlich habe in eigener Erfahrung die Fokuszeit sehr zu schätzen gelernt, in der alle im Team für eine Stunde still arbeiten – ohne Gespräche, Meetings, Telefonate. Es ist unglaublich, wie viel man auf einmal geschafft bekommt! Aber auch unsere Retrospektive liebe ich, weil Sie die Reflektion über die bisherige Zusammenarbeit mit ganz konkreten Verbesserungsmaßnahmen für die Zukunft verbindet und rhythmisiert. Mehr dazu verrate ich dann in unserem Workshop.

(c) privat
(c) privat

Céline Iding ist #workhacks Co-Autorin und Beraterin und bewegt sich daneben in der Berliner Startup Szene. Damit ist sie konstant dem Wandel ausgesetzt – denn Stillstand kann hier das Ende der ganzen Unternehmung bedeuten. In ihrem Team in einem Internet-Startup moderiert sie interne Veränderungen, setzt dabei aktiv Workhacks ein und entdeckt neue. Auf der Tagung Personalentwicklung wird sie in einem Workshop erklären, wie man schnell und minimalinvasiv zu einer besseren Arbeitsweise im Team kommt.