Mitarbeiter-Austausch als Win-win-Situation

Um die negativen Auswirkungen der Corona-Krise abzufedern, kann ein branchenübergreifender Austausch von Mitarbeitern allen Beteiligten Vorteile bringen.
© gettyimages / Danilova Liliia lilechik

Um die negativen Auswirkungen der Corona-Krise abzufedern, kann ein branchenübergreifender Austausch von Mitarbeitern allen Beteiligten Vorteile bringen.

Die Geschwindigkeit und das Ausmaß der Veränderungen, die durch das Corona-Virus entstanden sind, führen zu erheblichen Nachfrageverschiebungen in allen Industriezweigen. Während der Gastronomie- und der Tourismussektor dramatische Rückgänge erlebten, stieg die Nachfrage im Gesundheitswesen, in der Logistik und in einzelnen Bereichen des Einzelhandels massiv an. Diese Verschiebungen erfordern innovative Ideen und kooperative Konzepte beim Einsatz von Arbeitskräften. Maßnahmen wie Kurzarbeit, Entlassungen sowie die Einstellung einzelner Vollzeitbeschäftigter oder Freelancer sind oft für alle Beteiligten problematisch – sie sind für Unternehmen sowie die Regierung teuer und zeitaufwändig, während Beschäftigte dadurch teils in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Eine sinnvolle Alternative ist dabei in vielen Fällen der branchenübergreifende Mitarbeiter-Austausch. In Deutschland haben McDonald’s und die Lebensmittelketten Aldi Süd und Aldi Nord dieses kooperative Konzept in die Tat umgesetzt. Durch ein Verständnis von Arbeit, das ein Überschreiten von organisatorischen Grenzen erlaubt, lässt sich die allgemeine Widerstandsfähigkeit der Wirtschaft gegenüber exogenen Schocks wie dem Coronavirus in Zukunft erhöhen.

Das ist die Idee des Mitarbeitertauschs:

  • Ausgewählte Mitarbeiter mit vergleichbaren Fähigkeiten aus Industrien, die sich einer geringeren Nachfrage gegenübersehen (Sender-Organisationen), für einen befristeten Zeitraum an solche, die eine gestiegene Nachfrage bedienen müssen (Empfänger-Organisationen), auszuleihen
  • Den Austausch umzusetzen und gleichzeitig friktionelle Kosten und Zeitaufwand zu minimieren, mit denen traditionelle Beschäftigungsübergänge verbunden sind (Stellenabbau/ Beurlaubung, Beantragung von Arbeitslosengeld, Bewerbung auf neue Stellen und so weiter)

Wie läuft das ab? Die Empfänger-Unternehmen (zum Beispiel im Gesundheitswesen, in einzelnen Bereichen des Einzelhandels oder in der Logistik) ermitteln die Art und die Anforderungen der benötigten Fähigkeiten und suchen danach die geeigneten Quellen für die erforderlichen Kompetenzen bei potentiellen Sender-Unternehmen (zum Beispiel einer Fluggesellschaft). Das aufnehmende und das entsendende Unternehmen legen dann die Bedingungen des Austauschs fest (Dauer, Vergütung, Leistungen und Versicherung, rechtliche Erwägungen).

+++Sie bekommen von HR nicht genug? (heart) Dann melden Sie sich jetzt für unsere Newsletter an. Hier geht es zur Anmeldung!+++

Ein kritischer Erfolgsfaktor des Mitarbeitertausches ist die Vergleichbarkeit von Arbeit, sodass sich die Fähigkeiten der Arbeitskräfte übertragen lassen. Dadurch werden die Mitarbeiter, die an dem Austausch teilnehmen, in ihrer neuen Rolle schneller produktiv. Es folgt ein Beispiel:

Wilis Towers Watson Beispiel für branchenübergreifenden Talente-Austausch

Die Vorteile eines Tauschs von Mitarbeitern können sowohl für die Organisationen als auch für Mitarbeiter von Bedeutung sein, wie die folgende Tabelle zeigt. Darüber hinaus kann ein solcher Austausch die Belastung der staatlichen sozialen Sicherheitsnetze verringern.

Willis Towers Watson Vorteiler des Branchenübergreifenden Mitarbeiteraustauschs

Ein solcher Austausch ist nicht nur in dieser Krisenzeit von Bedeutung. Als meine Kollegen und ich diese Idee vor etwa sechs Jahren ursprünglich mit einer großen europäischen Versicherungsgesellschaft konzipiert und umgesetzt haben, war die Intention eine andere. Es ging nicht darum, Ungleichgewichte bei den Kosten oder Kapazitäten zu beseitigen, sondern den Mangel an spezifischen Fähigkeiten zu beheben. In diesem Fall lieh sich die Versicherungsgesellschaft digitale Talente von einem großen Technologieunternehmen aus. Dadurch konnte der Versicherer seine digitale Präsenz und sein kundenorientiertes Modell weiterentwickeln und teilte gleichzeitig die Kompetenz im Bereich des Risikomanagements mit dem Technologieunternehmen, sodass dieses den Lebenszyklus der eigenen Produkte besser verwalten konnte. Eine Win-win-Situation: Die Mitarbeiter beider Unternehmen gewannen neue Erfahrungen und Fertigkeiten, die sie nach ihrer Rückkehr für ihre Arbeitgeber wertvoller machten – und die Unternehmen erwarben selbst Kompetenzen, zu denen sie möglicherweise keinen Zugang gehabt hätten, wenn sie ihren Blick auf Mitarbeiter am eigenen Arbeitsplatz beschränkt hätten.

Diese Krise ist eine Herausforderung für jede Facette des persönlichen und geschäftlichen Lebens. Nur durch Zusammenarbeit werden wir sie durchstehen können.