Mitarbeiterbindung ist Auf­gabe der Führungskräfte

Mitarbeiterbindung ist auch Aufgabe der Führungskräfte.
© gettyimages / Matt_Gibson

Gehen oder bleiben? Oft geben die Führungskräfte den Ausschlag. HR kann ihnen als Sparringspartner helfen, sagt Goran Barić, Geschäftsführer der Page Group.

„Ich bin ja sowieso bald weg“ – das denken sich laut dem aktuellen Engagement Index 2019 des Meinungsforschungsinstituts Gallup fast sechs Millionen Angestellte in Deutschland. Sie sind mit ihrer derzeitigen Jobsituation unzufrieden und haben bereits innerlich gekündigt. Was fehlt, ist die emotionale Bindung zu ihrem Arbeitgeber. Viele Kandidaten, die sich bei uns als Personalberatung melden, bestätigen das. Sie fühlen sich in ihrem Job nicht genügend gefördert und sind von ihren Chefs enttäuscht. Um Mitarbeiter emotional und langfristig an ihr Unternehmen zu binden, müssen Personalverantwortliche und Führungskräfte das Thema ernst nehmen und selbst mit ganzem Herzen dabei sein. Denn egal wie viel Unternehmen bereits in Mitarbeiterbindung investieren, es ist in Zeiten von Fachkräfte- und Personalmangel nicht genug.

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Mitarbeiterbindung ist mehr als gutes Gehalt und Lob

Zunächst einmal ist es wichtig zu begreifen, dass Mitarbeiterbindung vielschichtig ist. Mit einem überdurchschnittlichen Gehalt ist es nicht getan. Ebenso wenig kompensieren Zusatzleistungen wie ein Jobticket oder eine Mitgliedschaft fürs Fitnessstudio ein schlechtes Verhältnis zum Vorgesetzten. In Summe ist es das Zusammenspiel der verschiedenen harten und weichen Faktoren, das einen Mitarbeiter zum Gehen oder Bleiben bewegt. Der ausschlaggebende Punkt ist für mich jedoch die emotionale Bindung. Sie ist der stärkste Treiber für die eigene Motivation, die innere Zuwendung zum Arbeitgeber und der Kitt für eine langfristige Beziehung zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Dabei geht es um die Identifikation des Mitarbeiters mit den Werten und Normen einer Organisation. Aspekte wie die Unternehmenskultur, der Führungsstil sowie der Zusammenhalt unter Kollegen zahlen darauf ein.

Führungskräfte müssen den Lead übernehmen

Kümmert sich das Management nicht um die Mitarbeiterbindung und schiebt das Thema allein der HR-Abteilung zu, lässt die nächste Kündigungswelle nicht lange auf sich warten. Führungskräfte müssen selbst aktiv werden und sich mit konkreten Ideen zur Stärkung der Mitarbeiterbindung auseinandersetzen. Im Idealfall agiert das Personalmanagement hier nur als Coach oder Sparringspartner, indem es der Führungsebene Schulungen zur Mitarbeiterführung anbietet, Gesprächsleitfäden entwickelt und die nötigen Prozesse zur Verfügung stellt.

Dazu gehört es auch, Führungskräfte daran zu erinnern, regelmäßig Personalgespräche mit ihren Mitarbeitern zu führen und die Stimmung im Team abzufangen. Sind Aufgaben und Workload gerecht verteilt? Wer fühlt sich über- und wer unterfordert? Herrscht dicke Luft zwischen den Kollegen? Sind Ziele und Karriereperspektiven deutlich kommuniziert? Auf das müssen Chefs achten. Dafür braucht es Vorgesetzte, die empathisch sind, sich und ihren Führungsstil selbst reflektieren und authentisch agieren. Nur so gewinnen sie das ehrliche Vertrauen und die Sympathie ihrer Mitarbeiter.

Wertschätzung ist für die Bindung ans Unternehmen zentral

Verschiedene Studien belegen, dass gerade für die junge Generation neben finanziellen Anreizen die persönliche Anerkennung und Wertschätzung an erster Stelle stehen, wenn es um die Wahl des Arbeitgebers geht. Damit sich qualifizierte Mitarbeiter wertgeschätzt fühlen, ist es wichtig, ihre Stärken zu unterstützen, sowohl fachlich als auch persönlich. Bei der PageGroup bieten wir unseren Mitarbeitern auf allen Ebenen Weiterbildungsmaßnahmen an. Wir verstehen Lernen als einen kontinuierlichen Prozess. Zudem fördern wir Mitarbeiter individuell und legen darüber hinaus großen Wert auf das Thema Vielfalt.

So haben wir unter anderem ein eigenes Förderprogramm für weibliche Führungskräfte, eine Initiative für multikulturelle Teams sowie für unsere LGBT Mitarbeiter. Zu Letzterer zählen ein eigenes internes Netzwerk sowie die regelmäßige Veranstaltung von Workshops für Management und Mitarbeiter, um diese für das Thema zu sensibilisieren. Vielfalt wirkt sich positiv auf die allgemeine Arbeitsatmosphäre und die Zusammenarbeit in Teams aus. Studien, wie auch unsere Diversity Management Studie von 2015 und 2018, zeigen, dass vielfältig aufgestellte Unternehmen agiler und erfolgreicher sind. Die Mitarbeiter lernen voneinander, haben mehr Spaß und sind produktiver, wenn sie in gemischten Teams arbeiten. Nach diesem Ansatz halten wir auch nach Talenten für unsere Kunden Ausschau.

Ehrlichkeit zahlt sich aus

Alle Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung bringen jedoch nichts, wenn sie von Management und Führung nicht getragen werden. Auf einem guten Weg sind Arbeitgeber, die konsistent sind und in ihrem Auftreten nichts nach außen versprechen, was sie nach innen nicht halten können. Die Wechselbereitschaft von Arbeitnehmern wird in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Ich kann daher nur jedem raten, besser früher als später in seine Mitarbeiter zu investieren. Es lohnt sich. Und zwar immer. Denn einem Unternehmen kann nichts Besseres passieren, als Mitarbeiter zu haben, die motiviert und gerne zur Arbeit kommen und gemeinsam mit dem Unternehmen wachsen.