Mitarbeiterempfehlungen: Ein Radar für HR

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Foto: Getty Images / Anthony Rakusen
Foto: Getty Images / Anthony Rakusen

Die richtigen Mitarbeiter zu finden, ist essenziell, um als Unternehmen wettbewerbsfähig und innovationsstark zu sein. Ohne Mitarbeiterempfehlungsprogramme geht das kaum noch – doch die wollen richtig eingesetzt werden.

Auf der ganzen Welt tobt ein heftiger Sturm, der keinen Stein auf dem anderen lässt. Auch über die deutsche Wirtschaft fegt er hinweg. Die Rede ist von der Digitalisierung, die alle Branchen zwingt ihr Geschäftsmodell zu überdenken. Neue Kompetenzen braucht das Land, um die Turbulenzen nicht nur zu überstehen, sondern gestärkt hervorzugehen. Ausgerechnet die Personalabteilungen erfasste das Unwetter zum Schluss. Nun befinden sich die HR-Verantwortlichen mitten im Zentrum und es herrscht schlechte Sicht auf das, was wirklich zählt: Die richtigen Mitarbeiter zu finden, um auch morgen noch wettbewerbsfähig zu sein. Mitarbeiterempfehlungen können als Wegweiser dienen, nur werden sie meist nicht richtig eingesetzt.

Rettungsboot mit Platzmangel

Viele deutsche HR-Abteilungen klammern sich derweil an den Rettungsring Stellenanzeigen – und lassen sich das Manöver ordentlich was kosten. Laut Statista haben sie 2017 beachtliche 60 Prozent ihrer Recruiting-Budgets in diesen Kanal investiert. Weit abgeschlagen kommen Headhunter, Messen und die Website. So richtig ziehen die Methoden aber nicht mehr: Job-Portale haben 2017 spürbar an Reichweite verloren, genauer 26 Prozent. Acht von zehn Arbeitskräften unternehmen keinerlei Anstrengung, einen neuen Job zu finden und tauchen so erst gar nicht auf dem Schirm von Personalern auf. Wie lassen sie sich aufspüren?

Ein präziser Kompass

Die eigenen Mitarbeiter sind die perfekten Partner bei der Ansprache potenzieller Talente. Sie sind glaubwürdig, schließlich müssen sie vom Arbeitgeber überzeugt sein, um ihn einem Bekannten zu empfehlen. Umgekehrt erhält auch der Bewerber einen Vertrauensvorschuss, weil ein Angestellter ihn für geeignet hält. Das Problem: Die meisten Unternehmen haben keine digitale Plattform dafür.

Ein Blick auf die Reichweiten zeigt, dass sich Social Media als Kanal anbieten. Jeder Mitarbeiter hat im Schnitt 341 Kontakte auf mehr als zwei private oder berufliche Netzwerke verteilt. Ein Unternehmen mit 1.000 Angestellten umspannt somit schon einen Aktionsradius von mehr als 341.000 potentiellen Kandidaten. Eine digitale Plattform für Mitarbeiterempfehlungen kann es den Angestellten erleichtern, angebotene Stellen mit nur wenigen Finger-Tipps am Smartphone zu teilen – etwa per Facebook, WhatsApp oder LinkedIn. Die empfohlenen Bewerber klicken nur auf den Link und bewerben sich zum Beispiel mit ihrem LinkedIn-Profil. Ein gutes Tool richtet sich immer zuerst am Mensch aus, dann an den Prozessen und der Unternehmensstrategie.

Durchblick ist alles

Unternehmen loben mittlerweile beträchtliche Summen für Empfehlungen aus. Um die Methode aber wirklich erfolgreich zu machen, braucht es mehr als nur satte Prämien. Nur zufriedene Mitarbeiter werben für den eigenen Arbeitgeber. Und Spaß an der Arbeit ist nur möglich, wenn die Unternehmenskultur zu den eigenen Wertvorstellungen passt. In vielen Fällen hängt das damit zusammen, ob Mitarbeiter bei wichtigen Entscheidungen mitbestimmen dürfen.

Außerdem müssen Arbeitgeber Aufklärungsarbeit leisten: Mitarbeiter wissen oft nicht, welche Stellen ausgeschrieben sind. Die Bedeutung qualifizierter Kollegen für den gesamten Unternehmenserfolg ist unklar. Unternehmen, die ihre Angestellten gezielt dafür sensibilisieren, verzeichnen höhere Empfehlungsraten. Events, Newsletter und interne Plakatkampagnen sind nur Beispiele für die Möglichkeiten, Mitarbeiterempfehlungen ins Gedächtnis zu rufen.

Freie Sicht auf Mitarbeiter

Wenn die Empfehlungsraten ein gutes Niveau erreicht haben, ist noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Die Belegschaft kann ohne jeglichen Mehraufwand alle erdenklichen Inhalte wie Whitepaper oder einen Blog-Post über ihre sozialen Kanäle teilen. So werden die Leute zu echten Fürsprechern, also Markenbotschaftern. Der Content existiert in der Regel schon, so muss auch die Marketing-Abteilung keinen Mehraufwand fürchten. Auch hier wieder der Hinweis: Ohne eine digitale Lösung geraten die Prozesse zur Geduldsprobe. Mit entsprechender Software jedoch lassen sich Studien, Videos oder eben Stellenanzeigen im Handumdrehen posten. Idealerweise verknüpft die Software diese Inhalte gleich automatisiert mit offenen Stellen. Weil die Mitarbeiter das nur aus Überzeugung tun, wirken sie glaubwürdig – schließlich stehen sie gegenüber Freunden und Geschäftspartnern mit ihrem Namen dafür. Betriebe, die solche Markenbotschafter unterstützen, geben ihrer Arbeitgebermarke mehr Strahlkraft. Und so schließt sich der Kreis, denn das unterstützt wiederum indirekt das Recruiting.

Der Autor Carl Hoffmann referiert zu diesem Thema auch in einer Expert Session auf dem diesjährigen Personalmanagementkongress – Diestag, 26. Juni, 15:30 bis 16:30 Uhr.

Weiterbildungen zum Thema Recruiting und Personalmanagement