Muss Daimler mehr als 10.000 Stellen streichen?

11.02.2020  |  HRM-Online-Redaktion
Das Jahresergebnis des Automobilherstellers ist schlechter als erwartet.
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Das Jahresergebnis des Automobilherstellers ist schlechter als erwartet. Wie viele Mitarbeiter:innen müssen gehen?

Hält der Autohersteller Daimler an seinen Plänen fest, bis zum Jahr 2022 rund 10.000 Arbeitsplätze einzusparen? Darauf wollte sich der Konzern in der Bilanzpressekonferenz am heutigen Dienstag nicht festlegen: Man baue weltweit eine „niedrige fünfstellige Zahl“ an Stellen vor allem in der Verwaltung ab – davon 1.100 Führungsposten, so Daimler-Chef Ola Källenius gegenüber der Presse. Wie das Handelsblatt zuvor berichtete, könnten allerdings weit mehr Mitarbeiter:innen betroffen sein als angekündigt. Mit Berufung auf Konzernkreise ist dort von bis zu 15.000 Stellenstreichungen die Rede. Grund ist das schlechte Jahresergebnis des Konzerns. Wie das Unternehmen heute mitteilte, sind die Gewinne im Jahr 2019 um fast zwei Drittel auf 2,7 Milliarden Euro eingebrochen. Der Börsenkurs hat sich in den letzten fünf Jahren halbiert. Bereits im November letzten Jahres hatte der Konzern deshalb einen drastischen Sparkurs angekündigt: Bis Ende 2022 wolle man rund 1,4 Milliarden Euro an Personalkosten einsparen.

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Dieselaffäre, E-Autos, Klimaauflagen

Daimler wurde erst im letzten Jahr von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PWC zum weltweit innovativsten Automobilkonzern gekürt. Geholfen hat das augenscheinlich nicht. Dem Konzern machen gleich mehrere Baustellen zu schaffen: Daimler hinkt bei der Umstellung auf Elektroantriebe hinterher. Das ist nicht nur mit Blick auf die zukünftigen Absatzmärkte riskant, dem Unternehmen drohen hierdurch auch Bußgelder von bis zu drei Milliarden Euro, weil es die CO2-Vorgaben der EU nicht erfüllt. Auch die Strafzahlungen, die sich aus der Dieselaffäre ergeben, machen Daimler weiterhin zu schaffen.

China ist einer der wichtigsten Absatz- und Produktionsmärkte

Kaum einzuschätzen ist bislang, wie sich die ungebrochene Ausbreitung des Coronavirus auf den Autobauer auswirken wird. Die Lage in China spitzt sich zu. Für Daimler ist das aus zwei Gründen problematisch: Einerseits sind die Lieferketten schon jetzt stark strapaziert oder sogar ganz gekappt, weil Produktionsstätten schließen mussten. Daimler beschäftigt über das Gemeinschaftsunternehmen Beijing Benz Automotive Co. Ltd. (BBAC) in China zudem mehr als 11.500 Mitarbeiter:innen. Anderseits gilt das Land als einer der wichtigsten Absatzmärkte. Mehr als jeder zweite Mercedes wird mittlerweile in China verkauft.