Nachgefragt bei… Stefan Niggemeier

Stefan Niggemeier und sein Team haben die Medien fest im Blick: Sie kritisieren fehlerhafte Berichterstattung, ungenaue Recherchen und Schleichwerbung.
Stefan Niggemeier © Jan Zappner

Stefan Niggemeier und sein Team haben die Medien fest im Blick: Sie kritisieren fehlerhafte Berichterstattung, ungenaue Recherchen und Schleichwerbung. Damit rebellieren sie gegen falsche Rücksichtnahme in Bezug auf etablierte Medien.

Den Weg als Medienkritiker habe ich eingeschlagen, weil …
Medien unseren Blick auf die Welt prägen und deshalb eine kritische Auseinandersetzung genauso verdienen wie etwa Politik oder Wirtschaft. Außerdem habe ich schon als Kind lieber vor dem Fernseher gesessen, als draußen zu spielen.

HRM Ausgabe Rebellion 2021

+++ Dieser Beitrag erschien zuerst in unserem Printmagazin Human Resources Manager. Eine Übersicht der Ausgaben erhalten Sie hier. +++

Medienkritik aus den eigenen Reihen ist verpönt, weil …
leider immer noch für viele, die im Journalismus arbeiten, die Redensart gilt: Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.

Ich kann jedoch mit Gegenwind umgehen, weil ich …
selbst oft genug Wind mache und weiß, dass ich mich genauso der Kritik stellen muss, wie ich es von anderen erwarte.

Den größten Ärger handelte ich mir ein mit …
einem spontanen, fassungslosen Tweet über die Aktion #allesdichtmachen von mehreren Schauspielerinnen und Schauspielern, die ich als extrem zynisch empfand.

Wir werden auf Ungereimtheiten aufmerksam, indem wir …
mit kritischem Blick andere Medien wahrnehmen. Außerdem bekommen wir sehr oft gute Hinweise.

Den interessantesten anonymen Hinweis bekam ich über …
eine sehr zweifelhafte Veröffentlichung des Spiegel-Investigativreporters Rafael Buschmann über ein angeblich verschobenes Spiel bei der Fußball-WM.

Wenn wir kritisch berichten, wird dies von den Medien meist …
verflucht, wenn sie selbst betroffen sind, und begrüßt, wenn es um ­andere geht.

Einen kritischen Blick auf meine Arbeit …
werfen nicht zuletzt alle, die uns abonniert haben, da sie unsere Arbeit komplett finanzieren.

Zu Beginn meines Arbeitstages muss ich als Erstes …
auf Twitter gucken, was passiert ist. Okay, vielleicht muss ich das nicht, aber Twitter ist für mich eine wichtige Informationsquelle.

Mein Lieblingsmagazin ist …
die internationale Wochenzeitung Economist.

Ich habe mein erstes Geld ­verdient als …
Hilfskraft in einer Papierfabrik in den Sommerferien.

Wäre ich nicht Medienjournalist geworden, wäre auch …
Auslandskorrespondent denkbar gewesen.

Ein Buch, das mich nachhaltig beeindruckt hat, …
Es waren gleich mehrere. Natürlich die Bild-Enthüllungsbücher von Günter Wallraff, aber auch die Discworld-Reihe von Terry Pratchett.

Ein Rat, den ich immer befolge, …
gab mir meine Mutter.

Er lautet: …
„Hör auf deine Mutter!“

Der Medienjournalist Stefan Niggemeier ist Gründer und Herausgeber des medienkritischen Watchblogs Bildblog sowie des Online-Magazins Übermedien, das er 2016 mit Boris Rosenkranz ins Leben rief. Bildblog ist mittlerweile zum Watchblog für deutsche Medien avanciert. Der preisgekrönte Diplom-Journalist hat für diverse Print- und Fernsehredaktionen gearbeitet und redet mit Sarah Kuttner in dem Podcast Das kleine Fernsehballett über Serien.