Klimafreundliche Arbeitgeber bleiben gefragt

Eine Studie zeigt: Obwohl die Klimakrise seit Corona oft vernachlässigt wird, spielt Umweltbewusstsein nach wie vor eine wichtige Bedeutung im Recruiting.
© gettyimages / EloisaConti

Eine Studie zeigt: Obwohl die Klimakrise seit Corona oft vernachlässigt wird, spielt Umweltbewusstsein nach wie vor eine wichtige Bedeutung im Recruiting.

Während die Corona-Krise derzeit alle Schlagzeilen beherrscht, geraten andere Themen leider etwas in den Hintergrund. Bestes Beispiel dafür: die Klimaproblematik. Doch es ist absehbar, dass auch dieses Thema schon bald wieder an Bedeutung gewinnt – auch und gerade für Arbeitgeber. Die Königssteiner Gruppe hat nicht zuletzt deswegen eine sehr umfangreiche Studie zur Bedeutung des Umweltbewusstseins in der Arbeitswelt durchgeführt. Dafür wurden im April 2020 bundesweit mehr als 3.000 Arbeitnehmer aus unterschiedlichen Branchen genau dazu befragt. Aus den Ergebnissen ergeben sich spannende Handlungsempfehlungen für Arbeitgeber:

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#1 Wichtig für alle Kandidatengruppen

Insgesamt ist es fast zwei Dritteln der deutschen Arbeitnehmer wichtig, wie ihr Arbeitgeber zu Klimafragen steht. Die „Fridays for Future“-Bewegung und die Aufmerksamkeit, die sich vor allem junge Leute für ihre Sache erstritten haben, legt manchmal den Schluss nahe, es handele sich um ein Thema der jungen Generation. Unsere Studie zeigt, dass das Interesse am Thema und das Interesse an nachhaltig agierenden Arbeitgebern durch alle Altersklassen und durch alle Branchen geht. Recruiter sollten das Thema also nicht nur als ein Attraktivitätsmerkmal für junge Bewerber verstehen. Vielmehr ist es eine Wertethema für alle Kandidaten und erfordert so von Arbeitgebern auch eine ganzheitliche Positionierung, die zu mehr Differenzierung im arbeitgeberseitigen Wettbewerb führt.

#2 Werte sind nach wie vor wichtig

Die Wertedimension in Employer Branding Kampagnen sollte auch in Zukunft nicht vernachlässigt werden. Für mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer, denen das Umweltbewusstsein eines Arbeitgebers wichtig ist, gehört dieses zu den Top-3-Anreizen bei der Jobsuche. Wir sehen also: Viele Bewerber schauen nach wie vor auf die Haltung eines Unternehmens. Das kann das Thema Diversity betreffen. Das ist aber auch sehr oft das Umweltbewusstsein eines Unternehmens – vor allem dann, wenn dieses Thema parallel medial gepusht wird.

#3 Die Neubewertung von Mitarbeiter-Benefits

Attraktive Zusatzleistungen – darunter wurden früher vielfach Benefits verstanden, die das Gehalt um ihren spezifischen Wert noch einmal aufpäppelten. Der Dienstwagen zu freier privaten Nutzung, der Firmen-Laptop oder das Firmen-Handy galten lange als Faustpfand wenn es darum ging, Kandidaten davon zu überzeugen einen Arbeitsvertrag zu unterschreiben. Gerade diese Dinge werden allerdings zunehmend vor einem ökologischen Hintergrund heraus betrachtet. Immer mehr Kandidaten fragen sich, ob ein Firmenwagen mit ihrem ökologischen Fußabdruck vereinbar ist und ob es wirklich zwei Handys braucht. Auch hierzu sollten Arbeitgeber Alternativen finden, um argumentativ ein nachhaltiges Ass im Ärmel zu haben, wenn es zu Vertragsverhandlungen mit interessanten Kandidaten kommt.

#4 Chancen nutzen

Unsere Studie zeigt: Viele Unternehmen in Deutschland werden von ihren Mitarbeitern als durchaus umweltbewusst bezeichnet. Der entsprechende Anteil liegt bei über 60 Prozent. Und trotzdem bleibt das eigentlich doch besetzte und in den Unternehmen verankerte Thema ein tabuisiertes. In Vorstellungsgesprächen wird es nicht besprochen. In Stellenanzeigen und Karrierewebseiten sucht man es ebenfalls vergebens. 59 Prozent der Studienteilnehmer würden sich dort mehr Hinweise auf das Umweltbewusstsein wünschen. Das bedeutet eine Verschwendung einer wichtigen Ressource im Recruiting-Prozess. Denn Arbeitgeber, die ihre Positionierung offensiv thematisieren, differenzieren sich von anderen und das in einem Bereich, der Kandidaten nachweisbar wichtig ist. Die Devise sollte also lauten: Gehen Sie offensiver mit dem Thema um. Kandidaten wollen es.

#5 Was Chefsache ist, auch zur Chefsache machen

Die Hälfte der Vorstände und Mitglieder der Geschäftsführung leben Nachhaltigkeit in ihrem Unternehmen täglich vor. Unabhängig davon, ob mit diesem Anteil das Glas halbvoll oder halbleer ist – in jedem zweiten Unternehmen kann das Thema glaubwürdig als Chefsache vermittelt werden. Geschieht dies, leben es auch Mitarbeiter noch intensiver und die nachhaltige Arbeitgebermarke profitiert in vielen Bereichen davon. Wer also die „Chefsache Klima“ zum einem Thema der Mitarbeitersuche macht, verfügt über ein Argument mehr mit dem Talente zu überzeugen sind, die sich sonst vielleicht für den arbeitgeberseitigen Wettbewerb entscheiden.