Neue Erwartungshaltung von Vätern

Auch Väter wollen Familie und Beruf unter einen Hut bekommen und fragen diesbezügliche Angebote bei ihren Arbeitgebern immer häufiger nach. Die Unternehmen reagieren darauf, wenn auch nur langsam.

Aktivitäten zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf beziehen sich zu oft noch zuvorderst auf weibliche Mitarbeiter. Dabei wollen sich auch die Väter immer häufiger stärker in die Kinderbetreuung einbringen. Das merken auch die Unternehmen: So beobachteten 83 Prozent in den vergangenen fünf Jahren eine gestiegene Erwartungshaltung von Vätern in Bezug auf die Realisierung flexibler Arbeitswünsche und 84 Prozent erwarten, dass Väter Angebote für die Vereinbarkeit zukünftig noch stärker nachfragen werden. Zu dem Ergebnis kommt eine Befragung des Bundesverbands der Personalmanager (BPM) und des Bundesfamilienministeriums von mehr als 1700 Personalmanagern.

Mütter nutzen Angebote häufiger

Insgesamt bieten aktuell bereits 69 Prozent der Unternehmen familienfreundliche Maßnahmen an. Dabei achten zwar nach eigener Aussage 62 Prozent darauf, Väter genauso anzusprechen wie Mütter. Allerdings werden die Maßnahmen nur in 38 Prozent auch gleichermaßen in Anspruch genommen. Interessant ist auch, dass mehr als die Hälfte der Unternehmen nicht weiß, wie viele der männlichen Beschäftigten Kinder haben. KMU sind dabei deutlich besser informiert als Großunternehmen.

Dabei sind den Personalmanagern die positiven Seiten davon, dass sich Väter mehr in die Familie einbringen, deutlich bewusst: 64 Prozent beobachten, dass Väter, die sich mehr Zeit für die Familie nehmen, besonders motiviert und zufrieden sind. Außerdem sieht eine Mehrheit der Befragten durch eine aktive Vaterschaft die Entwicklung zusätzlicher sozialer Kompetenzen und 88 Prozent sehen positive Auswirkungen auf die Produktivität. Und vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels wird eine bessere Vereinbarkeit als positives Signal für die Arbeitgeberattraktivität verstanden. Doch trotz alledem ermutigen nur 38 Prozent der Unternehmen die Väter auch dazu, sich aktiv und partnerschaftlich in das Familienleben einzubringen.

Realität hinkt hinterher

Diese Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit zeigt sich auch an anderer Stelle: So halten beispielsweise 93 Prozent vollzeitnahe Arbeitsmodelle für beide Elternteile für wichtig, es bieten aber nur 58 Prozent diese an. Ein anderes Beispiel: 86 Prozent halten es für relevant, männliche Führungskräfte dazu zu ermutigen, familienunterstützende Angebote in Anspruch zu nehmen – auch aus Gründen der Vorbildfunktion – doch Realität ist dies nur in 41 Prozent der Fälle. Allerdings sehen sich die Unternehmen insgesamt auf einem guten Weg: Fast zwei Drittel möchte zukünftig Vätern vermehrt individuelle, flexible und mobile Arbeitsmodelle anbieten.