Diese Arbeitnehmer sind am neugierigsten

21.02.2019  |  Senta Gekeler
(c) gettyimages / gpointstudio
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Neugier bringt Innovation. Eine aktuelle Studie hat nun ermittelt, in welchen Ländern und Altersgruppen Arbeitnehmer am neugierigsten sind.

Deutsche Arbeitnehmer sind am neugierigsten und Generationen X und Y sind wesentlich neugieriger als ihre jüngeren Kollegen – das sind die Ergebnisse der kürzlich veröffentlichten Neugier-Studie 2018 des Wissenschafts- und Technologiekonzerns Merck. Dazu wurden 3.000 Arbeitnehmer in Deutschland, China und den USA dazu befragt, wie neugierig sie sich einschätzen, welche Faktoren ihre Neugierde verstärken oder blockieren und ob ihr Arbeitgeber Neugier und Innovation fördert.

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Neugier als Zukunftskompetenz

Die Studie definiert Neugier als die Fähigkeit, mit dem Neuen und Komplexen umzugehen und auch weiterzumachen, wenn es unangenehme Gefühle hervorruft. Dazu hat Merck einen Neugier-Index entworfen, der sich aus den Faktoren „Antrieb durch Wissenslücken“, „Entdeckerfreude“, „Anspannungstoleranz“ und „Offenheit für Ideen anderer“ zusammensetzt.

All das sind laut Andreas Steinle, CEO des Zukunftsinstituts Workshop GmbH, wichtige Zukunftskompetenzen: „Wir stehen vor der ständigen Herausforderung, neues Wissen anzusammeln und uns an neue Prozesse anzupassen. Damit das alles nicht zu viel wird, brauchen wir mehr Neugier.“

Deutsche Arbeitnehmer sind am neugierigsten

Die Befragten in Deutschland sind mit einem Neugier-Index von 71,9 im internationalen Vergleich am neugierigsten. Die USA liegen mit 70,4 nur knapp dahinter, während die Chinesen mit 68,8 am wenigsten neugierig sind.

Der hohe Wert in Deutschland ist möglicherweise darauf zurückzuführen, dass die Arbeitnehmer sich verantwortlich fühlen: Ganze 48 Prozent der Deutschen gaben an, Verantwortung für ihre Projekte zu tragen, während es in den USA nur 38 Prozent und in China nur 33 Prozent sind. Zudem fühlen sich deutsche Arbeitnehmer von ihrem Arbeitgeber weniger stark überwacht und eingeschränkt als die Amerikaner und Chinesen.

Die Befragten in den USA kamen zwar bei Entdeckerfreude, Antrieb durch Wissenslücken und Offenheit für Ideen anderer auf hohe Werte, wiesen aber eine auffällig niedrige Anspannungstoleranz auf. Das heißt, dass sie aus Angst vor negativen Konsequenzen seltener neue Ideen erforschen – angesichts der innovativen Kultur des Silicon Valley ein überraschendes Ergebnis. Bei den Chinesen sind die Werte durchweg eher niedrig.

Generation Y vor Z

Im Generationenvergleich zeigten sich junge Beschäftigte generell neugieriger als ältere. Während der Neugier-Index bei den Baby-Boomern 69,9 betrug, kam die ab 1966 geborene Generation X auf 70,1 und die Generation Y, auch Millenials genannt, sogar auf 72,2. Am wenigsten neugierig ist allerdings die jüngste Generation, die ab 1995 geborene Generation Z, mit einem Index von 66,5.

Nur 23 der Generation Z fanden, dass sie die Zeit haben, neuen Ideen nachzugehen. Außerdem gaben nur 31 Prozent an, dass man ihnen Verantwortung für ihre Projekte gibt. Die jüngsten Arbeitnehmer wiesen zudem die niedrigste Anspannungstoleranz auf.

Das Geschlecht hatte übrigens keine signifikanten Auswirkungen – Männer und Frauen zeigten sich als gleichermaßen neugierig.

Neugier-Potenzial wird nicht ausreichend genutzt

Fördern Unternehmen nun aber die Neugier ihrer Mitarbeiter? Hier besteht laut der Studie noch Nachholbedarf: Nur 40 Prozent der Befragten gaben an, dass Innovation in ihrem Unternehmen wirklich gelebt wird. Die Probleme sehen die Studienteilnehmer direkt im Arbeitsumfeld. So behindere ein Mangel an Kommunikation mit Kollegen außerhalb des eigenen Teams oder das Arbeiten unter starker Aufsicht ihre Neugier und damit ihr Innovationspotenzial.

33 Prozent der befragten Mitarbeiter aus allen drei Ländern sehen es als größte Barriere, dass die meisten Initiativen von oben nach unten gesteuert werden, so dass eigene Ideen selten umgesetzt werden. „Damit Unternehmen ihr volles Potential nutzen können, braucht es eine neue Arbeitskultur“, so Andreas Steinle. Man müsse die Möglichkeit schaffen, auf die Ideen der anderen aufzubauen und eine Kultur zu etablieren, in der Fragen zu stellen wichtiger ist, als Antworten zu geben. „Kurz gesagt: Eine Kultur der Neugier.“

Weitere Informationen und Ergebnisse der Merck Neugier-Studie finden Sie auch im interaktiven Report.