New Consulting: Wie New Work die Consulting­branche verändert

Eigene Projekte aufziehen, agil arbeiten, Leaves of Absence einlegen: Die leistungsorientierte Consultingbranche ist flexibel geworden – auch „dank“ Corona.
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Eigene Projekte aufziehen, agil arbeiten, Leaves of Absence einlegen: Die leistungsorientierte Consultingbranche ist flexibel geworden – auch „dank“ Corona.

Die Pandemie hat die Arbeitswelt massiv erschüttert, doch für die Entwicklung von New-Work-Modellen kann sie ein Fast-Forward-Button sein. Plötzlich ist Homeoffice möglich, wo vorher Präsenzkultur herrschte. Meetings und Lunch-Dates wurden digital, Pausen flexibel und das Arbeiten von überall aus möglich. Agiles Arbeiten statt nine-to-five im Büro, Sprints statt starrer Prozesse: so wollen viele Unternehmen und Beratungshäuser auch zukünftig arbeiten.

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Und in Zeiten von New Work und der top ausgebildeten und digitalen Millenial-Generation scheint dies nachhaltig möglich. Denn die junge Beratergeneration von heute schaut nicht mehr nur auf Dienstwagen, Boni und Jobtitel: Die richtige Unternehmenskultur, inspirierende Beziehungen zu Kollegen und attraktive Karrierechancen werden immer wichtiger.

Bis zur Erschöpfung aufopfern als Grundprinzip? Das war einmal

Gerade weil gute Consultants gefragt sind, bieten ihnen attraktive Beratungshäuser moderne Arbeitsmodelle, statt sie im Megatempo Richtung Burnout hetzen zu lassen. Der geeignete Weg, um nachhaltig Top-Ergebnisse zu erzielen, ist, und das ist keine Überraschung, der alte Weg nicht gewesen: Arbeiten bis in die frühen Morgenstunden, bis an die körperlichen Belastungsgrenzen – viele Beratungshäuser haben mittlerweile erkannt, dass das am Ende weder eine langfristig angelegte Strategie sein kann noch dazu beiträgt, junge Talente für sich zu gewinnen und vor allem auch lange zu binden.

Echte Auszeiten dank Sabbatical oder Leaves

Ein echtes Umdenken musste stattfinden, Maßnahmen gefunden und neue Wege beschritten werden. Denn flexible Arbeitszeiten bedeuten eben nicht nur, im Homeoffice zu arbeiten oder mittags ins Gym zu gehen: Freie Zeitmodelle, Sabbaticals oder Leaves of Absence machen nun echte Auszeiten möglich.

Das Turnaround-Beratungshaus Struktur Management Partner setzt solche Maßnahmen schon seit einiger Zeit bewusst um – beispielsweise das 80-Prozent- oder 90-Prozent-Modell. Mitarbeiter verzichten hier auf 20 Prozent oder 10 Prozent des Gehalts, gleichzeitig werden aber dieser Anteil der Jahresarbeitszeit zusätzlich als Urlaubstage ausgegeben, um zu entspannen oder die potenzielle Freizeit für eigene Ideen und Projekte zu nutzen.

Next Level Auszeit

Neben den individuellen Modellen werden auch längere Auszeiten immer attraktiver: neben dem Vollzeit-Consultingjob beispielsweise eine Surfschule auf Bali gründen? Kein Problem! Und auch bereits Realität. Senior Manager Jan Stange verbrachte so sechs Monate auf Bali. Er hat die Zeit nicht nur zum Surfen genutzt, sondern für die Planung seines eigenen Unternehmens. Zusammen mit zwei Freunden gründete er Surf Schools mit internationalem Fußabdruck und Franchisestrategie. Vor den Reisebeschränkungen nutzte er seine Urlaube für Reisen nach Bali und den Aufbau des eigenen Unternehmens – zeitweise mit bis zu 14 freien Mitarbeitern.

Unter den aktuellen eingeschränkten Bedingungen spielen die digitalen Möglichkeiten Teilzeit-Gründern wie Jan Stange in die Karten: Telefonkonferenzen und Videocalls mit Mitarbeitern über den ganzen Globus verteilt – easy möglich, wie die Surfer sagen würden.

Die Beratererfahrung kommt ihm zusätzlich zu Gute. Neben den Freiräumen haben die gelernte Methodik und Ausbildung seines Arbeitgebers ihm sehr geholfen, Fehler bei der Geschäftsmodell-Gestaltung zu vermeiden und Fallstricke, die andere Gründer vielleicht übersehen hätten, von vornherein zu umgehen.

Flexibilität und Vertrauen

Ein wichtiger Punkt, um als Unternehmen diese flexiblen Modelle ermöglichen zu können, sind Vertrauen und Flexibilität. Wer den eigenen Mitarbeitern gerne über die Schulter schaut und Probleme damit hat, ein Stück weit Kontrolle abzugeben, wird mit solchen Modellen, wie sie bei Struktur Management Partner gelebt werden, wohl eher scheitern. Und natürlich müssen dafür auch die entsprechenden Ressourcen bereitgestellt werden: Struktur Management Partner hat deshalb in den vergangenen Jahren eine enorme Digital-Offensive gefahren und so die Basis für ein agil aufgestelltes Unternehmen geschaffen. Das Beratungshaus arbeitet von sämtlichen Standorten vernetzt miteinander und hat die Chancen von Homeoffice und Video-Konferenzen nicht nur erkannt, sondern zu zielführenden Alternativen im Projektgeschäft mit den Kunden ausgebaut. Das hilft, weiterhin hohe Qualität, gute Klientenbeziehungen und ausgeglichene Arbeitszeiten zu gewährleisten.

Für Turnaround-Manager und Surfer Jan Stange ist die Kombination aus festem Beraterjob und eigenen freien Projekten der Erfolgsfaktor. Durch die Chance, sein Unternehmertum neben dem Job verfolgen zu dürfen, ist er als Mitarbeiter motivierter. Gleichzeitig fühlt er sich frei und bleibt aus Überzeugung und Eigenantrieb seinem Arbeitgeber treu. Und genau das ist es, was viele Berater aus der Generation Y antreibt: New Work bringt ein neues Work-Life-Feeling hervor, das am Ende auf allen Seiten zu Top-Ergebnissen führt.