Stasi-Methoden bei Zalando?

20.11.2019  |  Deidre Rath
Die Arbeitsbedingungen beim Onlineversandhändler Zalando stehen erneut in der Kritik. Mitarbeiter beklagen ein System der Überwachung und ständigen Kontrolle. Schuld ist die Software
© unsplash / Claudio Schwarz

Mitarbeiter von Zalando beklagen ein System der permanenten Überwachung. Schuld ist eine Software zur internen Personalbewertung.

Die Arbeitsbedingungen beim Online-Versandhändler Zalando sind erneut in die Kritik geraten. Die Mitarbeiter des Unternehmens sehen sich einem System der ständigen Überwachung und des Leistungsdrucks ausgesetzt. Das geht aus einer Studie der Berliner Humboldt-Universität (HU) hervor, die von der Hans-Böckler- Stiftung herausgegeben wurde und die der Süddeutschen Zeitung vorliegt.

+++Sie bekommen von HR nicht genug? (heart) Dann melden Sie sich jetzt für unsere Newsletter an. Hier geht es zur Anmeldung!+++

Schuld ist die Software „Zonar“, mit der derzeit 5.000 der insgesamt 14.000 Mitarbeiter ihren Kollegen Feedback geben. Die Beschäftigten würden dadurch allerdings nicht nur permanent bewertet, sondern auch kontrolliert und sanktioniert, kritisieren die Forscher Sascha-Christopher Geschke und Philipp Staab. Sie arbeiten seit zwei Jahren an der Studie. Durch die Software habe sich ein Klima von Stress und Leistungsdruck entwickelt. Sie ermögliche es, die Mitarbeiter in drei Gruppen einzuteilen, die unter den Bezeichnungen „herausragend“, „stark“ und „verbesserungsfähig“ laufen. Zalando halte die Gruppe der Topleister jedoch systematisch klein, in manchen Abteilungen läge sie lediglich bei zwei bis drei Prozent. Da sich die Bewertungen auch auf die Gehälter auswirken, drücke Zalando so die Löhne.

Talentmanagement durch ständige Bewertung?

Personalchefin Astrid Arndt wehrt sich gegen die Vorwürfe: „Zonar ist ein wichtiger Bestandteil unseres Talentmanagements, mit dem wir Mitarbeitern und Führungskräften gleichermaßen die Möglichkeit geben, sich 360-Grad-Feedback einzuholen und zu geben.“ Im Gesamtbild sei Feedback mit Zonar objektiver, da nicht mehr allein die Führungskraft entscheide, ob jemand befördert werde oder mehr Gehalt bekomme. Kolleginnen und Kollegen neigten der Personalchefin zufolge außerdem dazu, sich gegenseitig bessere Bewertungen auszustellen.

Mitarbeiter berichteten der Süddeutschen Zeitung jedoch, dass die anonym abgegebenen Bewertungen alles andere als objektiv seien. Ganz im Gegenteil: Beschäftigte sprächen sich nicht nur untereinander ab, sie seien sogar unter Druck gesetzt worden, negative Bewertungen abzugeben. „Eigentlich sind es Stasi-Methoden“, so ein Befragter gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Durch Zonar werde jeder dazu angehalten, sich ständig Notizen über das Verhalten, aber auch die Stärken und Schwächen der Kolleginnen und Kollegen zu machen.