Personaler als Entwicklungsbegleiter der Mitarbeiter

Das Lernen wird in den Unternehmen zukünftig stärker selbstgesteuert stattfinden. Auch in den Unternehmen wird es sich individualisieren – dank technologischer Möglichkeiten. Karlheinz Pape, Gründer der Unkonferenz CorporateLearningCamp, über die Rolle der Learning Professionals im digitalen Zeitalter.

Herr Pape, Sie bewegen sich seit vielen Jahren in der Learning-Community. Was fasziniert Sie am Thema Lernen so?
Mich treibt die Überzeugung, dass Lernen immer ein selbstgesteuerter Prozess der Lernenden ist. In fast allen bisherigen Lernsettings gestalten wir dieses Lernen aber von außen. Deshalb bemühe ich mich, die Corporate Learning Professionals selbst in Lern-Settings zu bringen, die ihnen die Erfahrung ganz anderen Lernens ermöglichen. BarCamps oder konnektivistische MOOC sind 2 Beispiele für Lernumgebungen, die selbstgesteuertes Lernen anregen und intensiv unterstützen.

E-Learning, Social Media, Gamification, Virtual Reality – technologische Möglichkeiten haben großen Einfluss auf das Lernen. Was sehen Sie derzeit als nachhaltigsten Trend?
Durch Technik verändert sich das Lernen nicht, das findet nach wie vor im Kopf der Lernenden statt. Nur die Zugangswege zu fürs Lernen benötigten Informationen werden durch Technik erheblich einfacher. Damit meine ich alle Informationsquellen, von Dokumenten bis zu Experten, die jetzt über soziale Netzwerke viel einfacher zu erreichen sind. Und wenn bereitgestellte Informationen auch noch gut aufbereitet sind, werden die natürlich am meisten nachgefragt. Also Social Learning und Virtual beziehungsweise Augmented Reality erscheinen mir als die wichtigsten Trends fürs Corporate Learning.

Hilft Technologie das Lernen zu individualisieren?
Ja, und das ist aus meiner Sicht auch dringend nötig. Das bisher aus wirtschaftlichen Gründen nötige Zusammenfassen in „Zielgruppen“ führt ja dazu, dass eigentlich kein Lernender optimal bedient wird. Wenn wir selbstgesteuertes Lernen zulassen, dann werden sich Lernende aus dem zugänglichen Angebot das nehmen, was sie für ihre Problemlösung benötigen. Das wird passgenauer sein, als es ein Learning Professional jemals zusammenstellen könnte. Die künftige Dienstleistung von Learning Professionals wird eher aus einem interessierten Beobachten von Lernenden entstehen: „Andere sind auf diesem Weg erfolgreich zum Ziel gekommen“. Die Darstellung verschiedener Wege zum Ziel und das Kuratieren der dafür notwendigen Informationen werden hilfreiche Dienstleistungen für Lernende sein.

Wir lernen zunehmend auch in Communities, in der täglichen Zusammenarbeit. Welche Aufgabe bleibt da eigentlich für einen Personaler beziehungsweise Learning Officer?
Lernen in Netzwerken ist ja keine neue Erscheinung. Wenn wir von 90 Prozent informellem Lernen in Organisationen ausgehen, ist das schon heute weitgehend das Nutzen des eigenen Netzwerkes. Man fragt Kollegen oder andere Experten, oder liest deren Beiträge. Personaler und Learning Officer sind künftig die „Entwicklungsbegleiter“ der Mitarbeiter. Einerseits gilt es die individuell passenden Herausforderungen zu setzen, an denen Mitarbeiter wachsen können, und andererseits gilt es, unterstützende Dienstleistungen anzubieten, die die persönliche Entwicklung erleichtern. Da gibt es eine breite Leistungs-Palette, vom Kuratieren von hilfreichem Material bis zu persönlichem Coaching – und dem Bestätigen der Zielerreichung am Ende. In jedem Falle sollten die Lernenden wählen (und abwählen) können, was sie selbst als hilfreich empfinden.

Am 13. und 14. Oktober findet das sechste CorporateLearningCamp statt. Was wird der diesjährige Schwerpunkt sein?
Das CLC16 ist so eine besondere Lernumgebung für Corporate Learning Professionals. Man kann dort nur selbstgesteuert lernen. Und das auch noch ausschließlich von Kolleginnen und Kollegen. Die Agenda entsteht erst am Morgen eines jeden Tages – aus dem Plenum. Deshalb fällt es den Veranstaltern immer schwer zu sagen, welche Themen es wohl diesmal auf die Agenda schaffen. Im Vorfeld gibt es allerdings schon etliche Ankündigungen, so dass wir dieses Jahr von 3 Schwerpunkt-Themen ausgehen:

  • Kompetenzentwicklung, also „Handeln können“ als Ziel für Weiterbildung
  • „Lernen in Netzwerken“ und was wir Learning Professionals dafür tun können
  • Virtual und Augmented Reality: Was das fürs Lernen bedeutet, kann man in einem ganzen Sessiontrack erkunden, mit Equipment zum Ausprobieren.

Heißt Camp automatisch, dass es interaktiv wird? Meine Erfahrung ist, dass viele Teilnehmer auf Camps recht passiv sind.
Jeder entscheidet immer selbst, ob und wie weit er sich aktiv einbringen will bei einem BarCamp. Aus meiner Erfahrung entscheiden sich fast alle für eine aktive Rolle. Die höchste Aktivitätsstufe ist die Gestaltung einer Session. Davon wird es wieder um die 60 geben. Bei 200 Teilnehmenden heißt das ja nichts anderes, als das etwa jeder dritte diese höchste Aktivitätsstufe wählt. Von so einer freiwilligen Aktivitäts-Quote träumen wir bei klassischen Lern-Settings immer.