"Personaler sollten als Treiber auftreten"

Careerdate ist eine neue Plattform, über die persönliche Treffen von Mitarbeitern eines Unternehmens mit Jobkandidaten organisiert werden können. „Triff deine zukünftigen Kollegen“ lautet der Slogan. Das Tool ist ein weiteres Indiz dafür, in welche Richtung sich das Recruiting verändert. Gründer und CEO Christoph Skrobol sagt, warum Netzwerke im Rahmen des Recruitings wichtiger werden.

Herr Skrobol, was ist die Idee hinter Careerdate?
Die Idee hinter Careerdate ist recht simpel. Wir sind der Meinung, dass ein persönliches Treffen der beste Weg ist, sich wirklich kennenzulernen. Mit Careerdate haben wir eine Plattform geschaffen, über die sich Kandidaten und Mitarbeiter zu einem solchen Treffen verabreden können. Damit stehen die Mitarbeiter und nicht das Unternehmen selbst im Mittelpunkt.

Können Sie mal ein konkretes Beispiel nennen?
Es ist den Mitarbeitern frei überlassen, zu welchen Treffen sie Kandidaten einladen wollen. Gut angekommen sind bislang Einladungen zum Lunch, After-Work oder Sportveranstaltungen wie Kartfahren. Dabei müssen es gar keine lang geplanten Veranstaltungen sein. Ich kann mir zum Beispiel gut vorstellen, dass man sich während einer Bahnfahrt trifft und über den Arbeitgeber austauscht. Man darf in jedem Fall gespannt sein, was sich die Unternehmen in den nächsten Monaten einfallen lassen.

Warum braucht die Recruiting-Welt Ihre Plattform? Bauen die Unternehmen nicht mittlerweile selbst Beziehungen zu Talenten auf? Über soziale Netzwerke oder Hochschul-Events?
Diese Entwicklung ist auch absolut begrüßenswert. In meinen Augen wird der langfristig angelegte Beziehungsaufbau mit potenziellen Kandidaten immens an Wichtigkeit gewinnen. Immer mehr Unternehmen stellen fest, dass die zeitpunktbezogene Besetzung von Stellen schwieriger wird. Ein gut gepflegtes Netzwerk ist dann Gold wert. Careerdate nimmt den Unternehmen diesen Beziehungsaufbau zwar nicht ab. Allerdings stellen wir ihnen ein Tool zur Verfügung, mit dessen Hilfe solche Beziehungen auf simple Art und Weise initiiert werden können.

Man bekommt den Eindruck, dass das Recruiting einem grundsätzlichen Wandel durchmacht. Nähern wir uns einem Recruiting auf Augenhöhe?
Ein Wandel ist durchaus spürbar. Allerdings ist dieser bei weitem noch nicht in der Breite angekommen. Es gibt einige mutige und innovative HRler, die mit guten Beispielen die Branche wachrütteln und Neues vorantreiben. Bleibt zu hoffen, dass möglichst viele folgen werden. Unabhängig davon, erfolgt in meinen Augen ein Wandel in der Wahrnehmung von Recruiting und Employer Branding. Beide Bereiche werden zusehends als kritisch für den Unternehmenserfolg gesehen. Dadurch ändert sich auch der Stellenwert jedes einzelnen Kandidaten. Ähnlich wie im Vertrieb und Marketing, wird aktiver auf die Bedürfnisse des Kandidaten eingegangen und der Dialog gesucht.

Ist Careerdate auch ein Indiz dafür, dass sich HR zunehmend aus dem Recruiting zurückzieht?
Nicht zurückzieht, aber vielleicht die eigene Rolle im Unternehmen anders interpretiert. HRler sind in meinen Augen keine Verwalter oder Sachbearbeiter. Vielmehr sollten sie als Projektmanager, Treiber und Initiatoren auftreten. Als jemand, der Mitarbeiter der Fachabteilungen frühzeitig in den Recruiting-Prozess mit einbezieht und sie als Markenbotschafter einsetzt. HR hat Expertenwissen im Bereich Tools, Kanäle und Kandidatenpräferenzen. Fachabteilungen kennen die eigenen Anforderungen, die Kultur im Team und wissen welche Persönlichkeiten passen. Ein offenes Zusammenspiel dieser beiden Gruppen ist meiner Meinung nach der Schlüssel zum Erfolg. HR darf dabei ruhig selbstbewusst die Initiative ergreifen und entsprechende Projekte anstoßen.