„Ich bin ein sehr glücklicher Arbeitsminister“

(c) Quadriga / Jana Legler
(c) Quadriga / Jana Legler

Hubertus Heil appelliert auf dem PMK 2019 an die Zusammenarbeit von Politik und Wirtschaft – muss aber zuerst eine Spitze einstecken.

Nachdem Hajo Schumacher den „PMK of Love“ ausgerufen hatte, richtete der Moderator gleich eine Spitze gegen die krisengeplagte Sozialdemokratie: „Wie kommen wir jetzt von Liebe und Zusammenhalt zur SPD …?“ Der so angekündigte Bundesminister für Arbeit und Soziales gab sich selbstironisch mit Verweis auf die Ablösung von Elke Eller als BPM-Präsidentin durch Inga Dransfeld-Haase: „Ich habe mich sehr über die Einladung zum Personalmanagementkongress gefreut und bin gekommen, um auch mal eine gelungene Staffelstabsübergabe zu sehen.“

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In seine Eröffnungs-Keynote am ersten Kongresstag steigt Heil mit einem Zitat des früheren US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt ein: „Das Einzige, was wir zu fürchten haben, ist die Furcht selbst“. Das gelte auch für die Zeiten der digitalen Transformation. Politische Scharlatane fingen an, aus Ängsten ein Geschäft zu machen, sagt Heil und nimmt Bezug auf den mutmaßlich von einem Neonazi ermordeten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke. Seine „herzliche Bitte“ an die Anwesenden: „Wir alle tragen Verantwortung, dass wir eine offene und demokratische Gesellschaft bleiben, die sich das nicht bieten lässt“. Das beste Mittel gegen die Furcht sei eine Haltung realistischer Zuversicht, einen Umgang mit dem Wandel zu finden, von dem nicht nur einige wenige profitieren.

Qualifizierung als Zukunftsthema Nummer eins

Trotz der Herausforderungen, des Tempos, der politischen Unruhe, wähnt sich Heil als „ein sehr glücklicher Arbeitsminister“, der in einer Lage sei, die sich viele seiner Amtsvorgänger wohl gewünscht hätten. Die Arbeitslosigkeit ist gering, im internationalen Vergleich ist Deutschland dem Minister zufolge „in einer wunderbaren Lage“.

Heils „gute Nachricht“, wird die anwesenden HRler kaum überraschen: Die Arbeit wird uns nicht ausgehen. Die schlechte: Es wird eine andere Arbeit sein. Die Zahlen dazu liefert Heil gleich mit: In den nächsten sechs Jahren fielen deutschlandweit 1,3 Millionen Arbeitsplätze weg, 2,1 Millionen entstünden zeitgleich neu. Damit benennt er eine der zentralen Aufgaben der HR, Menschen für veränderte Tätigkeitsprofile zu qualifizieren. Eine Steilvorlage, um für das von der SPD teils gegen Unionswiderstand durchgesetzte „Qualifizierungschancengesetz“ zu werben (Heil selbstkritisch über das Wortungetüm: „Wenn ich zu diesem Zeitpunkt schon von Franziska Giffey gelernt hätte, dass man Gesetzen auch knackigere Namen geben kann, hätte ich es das „Arbeit von morgen“-Gesetz genannt.“) Die Essenz: „Wenn Unternehmen in Weiterbildung ihrer Mitarbeiter investieren, unterstützen und finanzieren wir das mit.“ So könnten die Beschäftigten von heute die Arbeit von morgen machen, schließt er sein Plädoyer für eine präventive Arbeitsmarktpolitik, die auf Chancen und Schutz in Zeiten des Wandels setze. Einen Appell, mit besseren Anwerbestrategien Arbeitskräfte aus dem Ausland zu gewinnen, schließt er an – die Politik wolle ihr Übriges dazu tun (Gemurmel im Publikum).

Verhandeln statt verordnen

Zum Ende der Keynote – Heil hat es eilig, muss weiter ins Bundeskanzleramt – greift er noch einmal das Roosevelt-Zitat auf und geht auf die Anstrengungen ein, die da kommen (und ja eigentlich längst da sind). Bei aller Transformation, was bleibt, sei, dass Menschen auch weiterhin unterschiedliche Interessen hätten. Dass es in Deutschland aber keine Gelbwestensituation wie in Frankreich gibt, liegt laut Heil daran, dass wir hierzulande in der Lage seien, Interessen auszugleichen. Und doch bleiben die Gefahren von prekärer Arbeit, Scheinselbstständigkeiten und Unsicherheit in der Vuca-Welt. Heils Rat: „Verhandeln Sie mit Ihren Leuten und verordnen Sie nicht.“ So funktioniere auch Politik. Und, tja, das mit der SPD, das sei dann auch noch zu beantworten.