Personalsuche nach XY ungelöst

Ob Design-Thinker, Datenanalytiker oder Cloud-Analyzer: In den nächsten fünf Jahren werden sich die Berufsbilder und die dafür benötigten Kompetenzen grundlegend verändern. Personaler müssen heute schon die Rekrutierung der Kandidaten von morgen vorbereiten können.

Die große Digitalisierungswelle setzt den Arbeitsmarkt gewaltig unter Druck: Unternehmen möchten Stellen besetzen, für die es derzeit weder entsprechende Kandidaten mit den ausreichenden Kompetenzen noch ein klares Jobprofil gibt.

Was das genau für die Anforderungsprofile von IT-Spezialisten bedeutet, hat Hays in einer aktuellen Online-Umfrage „IT Skills 2015“ unter 411 Entscheidern aus Geschäftsführung, IT- sowie Personal-Bereich herausgefunden. So ist knapp die Hälfte der Befragten überzeugt davon, dass für die kommenden fünf Jahre mit einer permanenten Veränderung von Berufsbildern zu rechnen ist, die in hohem Maße von neuen Technologietrends beeinflusst werden. Das heißt, gerade der Job-Markt für IT-Speziallisten wird sich erheblich umkrempeln. Daher müssen selbst sicher geglaubte Kompetenzen in angestammten Berufsfeldern bei der künftigen Suche nach geeigneten Mitarbeitern systematisch auf den Prüfstand gestellt werden. Das gilt übrigens auch für alle anderen Fachbereiche wie Marketing und Vertrieb. Denn das rasante Tempo der technologischen Entwicklung verkürzt automatisch auch die Haltbarkeit von Wissen und damit die notwendigen Fertigkeiten, die man für ein bestimmtes Berufsbild braucht.

Weg von der Suche ohne Profil

Für die Personalsuche ist dieser Zustand alles andere als erfreulich. HRlern stehen damit die größten Herausforderungen bevor: heute schon Kandidaten zu identifizieren, die fähig sind, das eigene Unternehmen ins digitale Zeitalter zu führen. Und das auf Basis von Qualifikationen, die überhaupt noch nicht eindeutig sind. Vom klaren Anforderungsprofil oder Ausbildungsgang ganz zu schweigen. Ist beispielsweise bei der Suche nach einem Data Scientist eher ein technisch versierter ITler, ein Statistiker, ein Business Developer oder eine Mischung aus allem gefragt? Um diese Frage zu beantworten, tut der permanente Austausch mit dem Fachbereich not. Nur dieser Dialog gibt dem Personaler eine Idee davon, welche Kompetenzen für einen neuen Job derzeit gefragt sind, und welchem neuen Anforderungsmuster das entsprechen könnte.

Eigene Mitarbeiter qualifizieren

Ganz lässt sich der personelle Engpass zwischen der geringen Anzahl an Experten und der Vielzahl der anstehenden digitalen Aufgaben zwar nicht lösen, aber einige pragmatische Ansätze können dabei helfen, den Leidensdruck der Personaler zu lindern. Gemeinsam mit den Fachbereichen sollte analysiert werden, ob und welche Mitarbeiter aus den eigenen Reihen bereits über die gefragten Kompetenzen verfügen. Aussichtsreiche Kandidaten sollten dann in-house gefördert werden, um sich dem vorgesehenen Berufsbild zu nähern. Das kann über eigene Schulungsangebote, in denen Experten zu den neuen Themen eingebunden werden, geschehen. Bei Bedarf auch in enger Kooperation mit Bildungsträgern, die in der Lage sind, innovative Themen schnell aufzugreifen und in didaktische Konzepte zu transferieren.

Kollaborativ werden

Ein alternativer vielversprechender Weg für die Personaler wäre es, fehlende Kompetenzen regelmäßig in einer sozialen Interaktion mit ganz unterschiedlichen Fachbereichen zu identifizieren. Zum Beispiel im Community-Ansatz: Fachbereiche tauschen sich hier regelmäßig über Projektfortschritte und neue Aufgabenstellungen aus, die sie bewältigen müssen. Eine gute Gelegenheit für den Personalverantwortlichen, sich einzuklinken und aus den Aufgabenspektren gefragte Kompetenzen abzuleiten. Voraussetzung dafür: keine Silodenke und vernetzte Arbeits- und Denkweisen.

Netzwerke aufbauen

Parallel zu den internen Kooperationen sollten enge Wertschöpfungsnetzwerke mit externen Partnern aufgebaut und gepflegt werden. Bisher wird diese Aufgabe aber meist vom Fachbereich oder dem Business Development übernommen, HR ist hier weniger vertreten.

Externe hinzuziehen

Und wer weder die passenden Mitarbeiter im eigenen Hause hat noch Wertschöpfungspartner in die digitalen Welten integrieren möchte, dem bleibt die Option, neue Aufgaben mit Freiberuflern zu lösen. Eine Berufsgruppe, deren Stunde immer dann schlägt, wenn fachliche Engpässe entstehen. Sie verfügen meist über sehr gefragte Kompetenzen, die sie aus aktuellen, innovativen Projekten entwickelt haben. Hinzu kommt, dass sie flexibel einsetzbar sind und über Erfahrung verfügen, sich schnell in Teams zu integrieren.