Resiliente Führung im Alltag: So schaffen Sie Routinen

Im letzten Teil ihrer Beitragsreihe über resiliente Führung gibt Katja Nettesheim Tipps, die Sie sofort in Alltag und Unternehmen integrieren können.
© gettyimages / Nimba Lab

Im letzten Teil ihrer Beitragsreihe über resiliente Führung gibt Katja Nettesheim Tipps, die Sie sofort in Alltag und Unternehmen integrieren können.

Hohe Arbeitsbelastung, schlechte Planbarkeit, aktuell vielleicht sogar Kurzarbeit – Resilienz ist in diesem besonderen Jahr so aktuell wie nie. Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, unsere dreiteilige Reihe zum Thema um einen Bonusartikel zu erweitern. Denn die Frage, die uns wiederkehrend begegnet, ist, wie man resilientes Management in den Arbeitsalltag einbauen und dauerhaft trainieren kann. Kein Wunder: Genauso wie nach Trainings die Abbruchkante der Wiedereintritt in den Arbeitsalltag ist, ist es beim Lesen oder Lernen der Moment, in dem man sich von der Lektüre ab- und den „normalen“ Aufgaben wieder zuwendet. Daher sind Fragen nach Umsetzungsroutinen offline wie online sehr berechtigt.

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Von der Anerkennung und dem Annehmen sich verändernder Umweltbedingungen, über das Labeln aufkeimender Emotionen, dem Lenken der Aufmerksamkeit auf Positives, dem Feiern von Erfolgen, dem Übertragen von Kontrolle und dem Einrichten von autonomen „Ecken für die Mitarbeitenden“ bis hin zu altbewährten Klassikern, wie der klaren, konsistenten Kommunikation und der Übertragung von Aufgaben, die nicht nur fordern, sondern gelegentlich auch (leicht) überfordern.

Kleine Nudges für mehr Resilienz

All diese Ansätze auf einmal umzusetzen ist sicher etwas zu ambitioniert. Machen Sie es sich also so einfach wie möglich und suchen Sie sich zum Start einen Ansatz aus, der Ihnen besonders zusagt. Denn auch hier gilt: Suchen und „schaffen“ Sie sich Erfolgserlebnisse! Und lassen Sie nicht nach – unsere Gewohnheiten sind wie Spurrinnen in unserem Gehirn, es braucht Fokus und Konsistenz, um uns nachhaltig „umzuleiten“.

Hinsichtlich der Verstetigung im Arbeitsalltag gibt es viele Tricks. So simpel, wie erfolgversprechend: Fangen Sie einfach mit einer Aufgabe an. Liegengelassenes prägt sich unserem Gehirn nämlich viel eher ein als noch nicht Begonnenes. So können Sie es also nicht so leicht vergessen.

Oder: Reflektieren Sie bei einer wiederkehrenden Aufgabe darüber, was gut oder was schlecht lief. Im Sinne der Verstetigung tragen Sie sich dafür am besten einen wiederkehrenden Termin ein und setzen Sie all Ihre aktuelle Initiativen auf die Agenda. Nicht nur ergeben sich daraus Verbesserungsmöglichkeiten für das nächste Mal, auch verfestigen sich so die Erfahrung und das neue Verhalten besser im Gehirn. Stetige Reflexion macht zudem aufgeräumter und gleichzeitig auch neugieriger aufs nächste Mal.

Und kennen Sie das Prinzip des „Accountability Buddies“? Suchen Sie sich jemanden, mit dem Sie sich zusammentun. Arbeiten Sie beide an einer Sache, die ihnen jeweils am Herzen liegt – es muss nicht die gleiche sein. Pingen Sie sich gegenseitig an und fragen Sie sich nach Ihren Erfahrungen und Fortschritten! Das spornt an, hilft zu fokussieren und dranzubleiben.

Ein letzter Tipp: Machen Sie sich die Umsetzung so leicht wie möglich. Sport ist das klassische Beispiel: Man legt sich die Sportklamotten abends schon direkt neben das Bett – oder schläft sogar schon darin! Das Prinzip ist klar: Je niedrigschwelliger die Umsetzung, desto eher gelingt Ihnen die Verhaltensänderung

Auf resiliente Führung angewendet: Vielleicht „testen“ Sie erstmal an einem Mitarbeiter, den sie etwas mehr schätzen? Fragen Sie ihn dann zu seinem Feedback – so erhalten Sie positive Bestätigung für den nächsten, vielleicht etwas schwereren Fall.

Nehmen Sie sich für den Start nicht zu viel vor und proben Sie das neue Verhalten am besten in einer Umgebung, die dieser Verhaltensweise gegenüber aufgeschlossen ist. Daher empfehlen wir auch, sich Verbündete mit ins Boot zu holen. So dass das neue Verhalten Sie nicht zum Außenseiter macht. Oder setzen Sie gleich mit dem Team einen Serientermin zu dem Thema, das Sie angehen wollen, auf. So braucht es weniger Energie, es zu tun, als zu lassen.

All dies kann man natürlich online wie offline selbst auf den Weg bringen: Sie können ein Meeting einberufen, sie können sich Zettel schreiben zur Erinnerung, Sie können sich einen Wecker stellen. Das Gleiche können Sie auch mit digitalen Mitteln abdecken: Sie können eine Slack-Gruppe zusammenstellen, sie können sich digitale Notizen schreiben oder einen Reminder in den Kalender stellen, der sie automatisch erinnert.

Genau diese und weitere Mechanismen sind es, die wir auch bei Culcha nutzen: Aus der Gruppe wird Ihre Kohorte, mit der sie gemeinsam zur gleichen Zeit in eines der Programme starten. Ihre eigenen digitalen Notizen werden ersetzt durch Selbstverpflichtungen, die Sie wöchentlich in einem Modul aus Vorschlägen auswählen und einfach anklicken können. Per Push und Mail werden Sie dann daran erinnert. Anstatt eines Termins im Kalendernutzen wir zielgerichtete und personalisierte Nudges zur richtigen Zeit als Impuls. Ein Hack zu zum Beispiel resilienter Führung, der so nah an der Situation ist, in der Sie ihn brauchen, dass er nicht direkt aus dem Gedächtnis verschwindet. Und nicht zu vergessen: Die Erwartungshaltung der Kollegen, namentlich der Mitarbeitenden, die Fortschrittsmessungen und eine gewisse Dosis Vergleichbarkeit führen dazu, dass die durch ein digitales Tool angeregte Verhaltensänderung dann auch im echten Leben verstetigt wird.

Weitere Beiträge aus der Reihe:

Erfolgsfaktor resiliente Führung: Was macht sie aus?

Wie Sie als Führungkraft resilienter werden

Wie Mitarbeitende von resilienter Führung profitieren