Warum Mitarbeitende 2022 weniger produktiv sein werden

Laut einer Prognose von International SOS wird die Produktivität von Beschäftigten 2022 zurückgehen. Corona ist nur einer von fünf wichtigen Störfaktoren.
© gettyimages / PhanuwatNandee

Laut einer Prognose von International SOS wird die Produktivität von Beschäftigten 2022 zurückgehen. Corona ist nur einer von fünf wichtigen Störfaktoren.

Unternehmen geben an, weltweit verstärkt in die Mitarbeitergesundheit zu investieren. Das ist das Ergebnis der „Risk-Outlook“-Studie von International SOS, einem Anbieter von Gesundheits- und Sicherheitsdienstleistungen, für das Jahr 2022. Der jährliche erscheinende Risikoausblick von International SOS und die Abbildung der globalen Risiken in der Weltkarte „Risk Map“ zeigen auch, dass Unternehmen mit einer zunehmend komplexen Risikolandschaft konfrontiert sind.

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Das Marktforschungsunternehmen Ipsos Mori hat im Auftrag von International SOS weltweit fast 1.000 Fachkräfte für Mitarbeitergesundheit und -sicherheit in 75 Ländern befragt. Experteninterviews und eigene Daten des Unternehmens runden die Befragung ab. Im Ergebnis lassen sich fünf Ursachen für einen befürchteten Rückgang der Produktivität von Beschäftigten im Jahr 2022 offenlegen:

  • Covid-19
  • Psychische Gesundheitsprobleme
  • Naturkatastrophen einschließlich extremer Wetterbedingungen
  • Verkehrsprobleme sowie
  • Sicherheitsbedrohungen und zivile Unruhen.

Nach Covid-19 waren psychische Probleme der größte Störfaktor für die Mitarbeiterproduktivität im Jahr 2021 – und dieser Trend wird sich voraussichtlich 2022 fortsetzen, so die Befragten. Naturkatastrophen sind der drittwahrscheinlichste Störfaktor, der für das nächste Jahr vorhergesagt wird. Dies steht im Zusammenhang mit der Sorge um den Klimawandel und seine Auswirkungen auf die Wirtschaft. Gefolgt von den immer bestehenden Risiken wie Verkehr, Sicherheitsbedrohungen und zivile Unruhen.

Die Unternehmen stehen vor einer doppelten Herausforderung beim Thema Gesundheit. Neben den physischen Aspekten zum Schutz gegen das Corona-Virus hat die Pandemie erheblich zu einer Krise der psychischen Gesundheit beigetragen. Mehr als ein Drittel der Befragten (36 Prozent) geht davon aus, dass die psychische Gesundheit 2022 einen erheblichen Produktivitätsrückgang verursachen könnte. So ist es auch nicht verwunderlich, dass laut der Studie Unternehmen angeben, verstärkt in die psychische als auch physische Gesundheit investieren zu wollen. Mehr als die Hälfte der Unternehmen (56 Prozent) beabsichtigt sogar, die Ausgaben für beide Bereiche zu erhöhen.

Die Notwendigkeit erhöhter Investitionen ergibt sich aus der Tatsache, dass die Unternehmen im Jahr 2022 mit erhöhten Risiken rechnen. Mehr als zwei Drittel der Unternehmen gehen davon aus, dass die Risiken im nächsten Jahr steigen oder gleich hoch bleiben werden. Insbesondere Entscheidungsträger, die für Geschäftsreisen und international Entsandte verantwortlich sind, erwarten, dass das Risikoniveau im Jahr 2022 steigen oder gleichbleiben wird.

Die Pandemie führt die Liste der Sorgen an. Dennoch werden andere Risiken, zum Beispiel im Bereich der Sicherheit, nicht verschwinden. Ein großer Teil der Unternehmen macht sich zunehmend Sorgen um den Klimawandel und den daraus resultierenden Risiken für ihr Geschäft und ihre Mitarbeitende. 21 Prozent der Befragten befürchten, dass Naturkatastrophen, einschließlich extremer Wetterverhältnisse, im Jahr 2022 zu Störungen führen werden, dicht gefolgt von Verkehrsproblemen – sowohl für den lokalen, nationalen und internationalen Reiseverkehr (19 Prozent) – sowie Sicherheitsbedrohungen und innere Unruhen (16 Prozent).

HR-Abteilung gewinnt an Bedeutung

Die HR-Abteilung hat im Zuge der Pandemie eine Aufwertung erhalten. Zum einen gehören die Entscheidungsträger aus der Personalabteilung inzwischen zum festen Bestandteil der Krisenmanagement-Teams. Zum anderen haben die Verantwortlichkeiten der HR-Fachkräfte laut der Befragung um 60 Prozent zugenommen. Aber auch bei der Entscheidungsfindung hat die Personalabteilung profitiert: 78 % der Unternehmen sagen, dass die Entscheidungsfindung schneller geworden sei.

2022 – Jahr der großen Kündigungswelle?

Im Jahr 2022 sind wir mit einer vielschichtigen Gefährdungslage konfrontiert. Wir gehen in das dritte Jahr der Pandemie, und obwohl Covid-19 und die Auswirkungen der Lockdowns weiterhin große Störungen verursachen, werden auch andere Risiken durch die Rückkehr zum Reisen wieder präsenter. Viele Expertinnen und Experten sagen voraus, dass im Jahr 2022 eine große Kündigungswelle anstehen könnte.

Unternehmen sollten daher sicherstellen, dass sie ihren Angestellten die notwendige Unterstützung bieten, um den Arbeitsplatz attraktiv zu gestalten. Investitionen in die psychische Gesundheit und das körperliche Wohlbefinden sind für die Mitarbeiterbindung unerlässlich. Wirksame, attraktive und gut kommunizierte Maßnahmen können dazu beitragen, Produktivitätsprobleme zu vermeiden. Die Unternehmen, die ihre Mitarbeitenden am besten dabei unterstützen, sich in einem veränderten Arbeitsumfeld zurechtzufinden, sollten mit einer höheren Resilienz, Loyalität und Produktivität belohnt werden.

Gesundheit und Sicherheit gleichermaßen im Auge behalten

Neben der Gesundheit sollten Unternehmen gleichermaßen die Sicherheit ihrer Beschäftigten im Blick behalten. Im Jahr 2022 sind Sicherheitsbedenken wie Kriminalität, Unruhen, Terrorismus oder andere geopolitische Probleme durch die Pandemie nicht verschwunden. Spannungen im Zusammenhang mit Lockdowns, der Einführung von Impfstoffen und vermeintlichen Eingriffen in die bürgerlichen Freiheiten haben zu Unruhen und Gewalt geführt. Neben den Covid-19-bedingten Auslösern werden Naturkatastrophen, geopolitische Ereignisse, innerstaatliche Konflikte und Kriminalität nach wie vor Auswirkungen auf Unternehmen haben.

Als Reaktion darauf müssen Unternehmen die Schwachstellen ihres Sicherheits- und Krisenmanagements erkennen und schnell handeln, um wirksame Entscheidungen zu treffen, Risiken zu minimieren und ihre Resilienz zu stärken. Dazu gehört, Beschäftigte, die berufsbedingt reisen, ebenso wie die lokale Belegschaft mit zuverlässigen und standortspezifischen Gesundheits- und Sicherheitsinformationen auf dem Laufenden zu halten. Entscheidend ist auch, dass Unternehmen mit den Änderungen der Rechtsvorschriften Schritt halten und sicherstellen, dass sie ihre Fürsorgepflichten erfüllen.

5 Prognosen für das Jahr 2022

Basierend auf den Ergebnissen der Risk-Outlook-Umfrage, Experteninterviews und eigenen Daten hat International SOS die fünf wichtigsten Prognosen für das nächste Jahr aufgestellt:

  1. Covid-19, Long Covid und die psychische Gesundheit werden im Jahr 2022 die wichtigsten Störfaktoren für die Mitarbeiterproduktivität sein und für zunehmende Fehlzeiten und Kontinuitätsprobleme sorgen.
  2. Die Infodemie wird die Komplexität beim Mitarbeiterschutz weiter verschärfen. Gleichzeitig werden Fürsorgepflichten durch neue Gesundheits- und Sicherheitsmaßnahmen, Erwartungen der Mitarbeiter und die Einhaltung von Vorschriften neugestaltet.
  3. Die durch die Pandemie unterbrochenen Aktivitäten werden bis 2023 stabiler, da die Unternehmen das Gesundheits- und Sicherheitsrisikomanagement als Wettbewerbsvorteil Mit einem verbesserten Risikomanagement unterstützen sie die Mitarbeiterbindung und die Bereitschaft, zu Aktivitäten wie zum Beispiel Geschäftsreisen zurückzukehren.
  4. Unternehmen laufen Gefahr, von sich schnell verändernden Sicherheitsumgebungen überrascht zu werden, da zivile Unruhen und geopolitische Volatilität über das Niveau vor der Pandemie hinaus ansteigen werden.
  5. Der Klimawandel wird die Häufigkeit und die Auswirkungen von klimasensiblen Gefahren wie Infektionskrankheiten, extremen Wetterereignissen und sozioökonomischen Spannungen erhöhen.

Sehen Sie hier sich den Risikoausblick 2022 an. Die globalen Gesundheits- und Sicherheitsrisiken sowie den Einfluss von Covid-19 auf Reisen und die Geschäftstätigkeit zeigt die interaktive Weltkarte „Risk Map“.