„Scheitern gehört zum Geschäft“

Wer Probleme mit seinem Startup hat, kann sich zu einer Beratungs-Session in einer Startup Clinic von Stefan Groß-Selbeck anmelden. Darin verbindet er die Forschung mit der konkreten Hilfe.

Herr Professor Groß-Selbeck, gibt es hierzulande genügend Unterstützung für Gründer?
Es gibt inzwischen ein ziemlich breites Angebot an Unterstützungsleistungen, was Gründern hilft, die größtmöglichen Probleme zu erkennen. Aber ich glaube, dass es immer noch nicht einfach ist, aus Deutschland heraus ein erfolgreiches Startup zu gründen. Denn es ist nach wie vor so, dass die Unternehmen sich schwertun, ein Geschäftsmodell mit Potenzial zu entwickeln, das auch die entsprechende Finanzierung anzieht und auf dieser Basis groß werden kann.

Die Zahl der Startups, die das nicht schaffen, ist groß. Warum?
Ehrlich gesagt, ist das völlig normal. Wir reden von Innovation, also von einem Ausprobieren von Dingen, die es noch nicht gibt. Scheitern gehört da zum Geschäft. Das beunruhigt mich auch gar nicht. Ich würde es auch gern sehen, wenn es noch mehr Gründer gäbe. Aber wir kriegen nach wie vor zu wenige unserer besten Leute dazu, ins unternehmerische Risiko zu gehen. Da kommt aber langsam Bewegung rein.

Sie haben am „Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft“ in Berlin die Startup Clinics ins Leben gerufen. Gründer können sich dort bei Problemen melden. Inwieweit können Sie denen helfen?
Uns ist klar, dass wir die Probleme nicht beim ersten Treffen lösen können. Das ist nicht realistisch und erwartet auch niemand. Auch wenn durch die Diskussion und das Feedback schon ein Mehrwert entsteht. Was wir nach der Bestandsaufnahme aber machen, ist, die Gründer an einen Mentor weiterzuleiten, der eine kostenlose Beratungs-Session durchführt. Wir verfügen über ein gutes Netzwerk, zu dem Gründer, Investoren, aber auch Experten wie Rechtsanwälte und Steuerberater gehören.

Und was bringt dieses Angebot Ihrer Forschung?
Indem wir den Gründern bei ihren Problemen helfen, generieren wir Daten für unsere Forschung, die ja als wissenschaftliches Institut unser primäres Interesse ist. Aber wir wollen diese sehr eng zusammen mit denen durchführen, die wir erforschen. Und das sind die Gründer.
Bei unserem Projekt geht es ganz grundsätzlich um fördernde und hindernde Faktoren im Unternehmertum. Die gucken wir uns unter unterschiedlichen Aspekten an. Daher bieten wir die Startup Clinics momentan zum Thema Recht, HR-Management und Finance an.

Warum diese drei Bereiche?
Wir haben uns dabei an dem orientiert, was nach unserer Einschätzung, unserer Erfahrung und unseren Daten die drängendsten Themen sind. Denn natürlich sind die Finanzen für ein Startup ein sehr wichtiges Thema: Wo bekomme ich Geld her und wie funktioniert das? Auch rechtliche Fragen, die beispielsweise die Gründung der Firma oder den Datenschutz betreffen, spielen eine Rolle. Und Personalthemen sind ganz zentral: Wie stelle ich mein Gründungsteam so zusammen, dass es gut funktioniert? Wie gewinne ich neues Personal und halte es? Und wie kann ich eine Unternehmenskultur entwickeln, die dem Erfolg meines Startups zuträglich ist?
Wir als Forscher haben natürlich noch einen etwas weiteren Blick darauf und versuchen darüber hinaus Erkenntnisse dazuzugewinnen, wo dieses Startup steht und was die größte Herausforderung ist.

Konnten Sie schon Startups vor dem Scheitern bewahren?
Das ist schwer einzuschätzen. Es ist aber ganz sicher, und das Feedback bekommen wir auch, dass die gemeinsamen Analysen konkret weitergeholfen haben und Denkanstöße vermitteln konnten. Es ist ja immer ein Prozess des ständigen Austarierens und Dazulernens. In diesem Prozess können wir eine positive Rolle spielen, von daher maße ich mir schon an zu sagen, dass wir viele Startups ein Stück besser gemacht haben.