Faulheit oder Statussymbol? 6 Fakten zum Thema Schlaf

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(c) gettyimages/Paul Bradbury
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Schlafen ist Zeitverschwendung? Keineswegs! Guter Schlaf ist Grundlage für ein gesundes Leben – und für motivierte, leistungsfähige Mitarbeiter.

Sechs bemerkenswerte Fakten zum Thema Schlaf und wie man sie in die Personalpolitik einbringen kann.

1. Benötigte Schlafdauer und Chronotyp sind angeboren

Wer viel schläft oder morgens schlecht aus dem Bett kommt, gilt schnell als faul. Doch wenn man sich nicht gerade beim Feiern die Nächte um die Ohren schlägt, kann man meist gar nichts dafür. Denn wie viel Schlaf man braucht und um welche Uhrzeit man am liebsten schläft, ist angeboren und kann auch nicht „abtrainiert“ werden. Der durchschnittliche Erwachsene braucht sieben bis acht Stunden Schlaf pro Nacht, aber manche fühlen sich vielleicht auch schon nach sechs Stunden ausgeschlafen, während andere neun oder mehr Stunden brauchen. Fakt ist: Das individuelle Schlafbedürfnis zu missachten, geht auf Dauer schief.

Gleiche gilt für den sogenannten „Chronotyp“ – das ist der Fachbegriff für die innere Uhr. So unterscheidet man zwischen „Eulen“, die eher nachtaktiv und „Lerchen“, die leidenschaftliche Frühaufsteher sind. Natürlich gibt es auch noch einiges dazwischen. Den individuellen Chronotyp findet man heraus, wenn man im Urlaub mal einige Tage keine Verpflichtungen hat. Dann kann man beobachten, wann man sich abends müde fühlt und wie lange man morgens schläft, wenn der Wecker mal nicht klingelt. Junge Menschen haben oft einen eher späten Chronotyp, der sich manchmal mit dem Alter etwas nach vorne verschiebt.

Bewusst beeinflussen kann man den Chronotyp allerdings nicht. Dass eine Eule durch ständiges frühes Aufstehen zur Lerche wird, ist demnach ein Gerücht – alles, was die Eule davon bekommt, ist ein „sozialer Jetlag“. Und da laut Spiegel Online 65 Prozent der Bevölkerung zum „Eulentum“ neigen, die meisten Firmen aber eher auf Frühaufsteher ausgelegt sind, leiden ganz schön viele Menschen darunter. Um das zu verhindern, können Unternehmen ihren Mitarbeitern mit flexiblen Arbeitszeiten entgegenkommen.

2. Eine Nacht mit zu wenig Schlaf ist wie 1,0 Promille Alkohol

Das ist leider nicht so spaßig, wie es klingt: Zu wenig Schlaf beeinträchtigt die Reaktionsfähigkeit und Konzentration ähnlich stark wie 1,0 Promille Alkohol. Darunter leidet nicht nur Produktivität im Job – auch der Weg zur Arbeit kann gefährlich werden, denn mit einer Flasche Wein im Blut würde man ja auch nicht mehr Auto fahren.

Auch sonst ähneln Langzeitfolgen von chronischem Schlafmangel denen von zu hohem Alkoholkonsum: Es drohen Gewichtszunahme und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, das Immunsystem und das Erinnerungsvermögen leiden. Auch schlechte Laune bis hin zur Aggressivität sind Symptome von Schlafmangel – damit kann schon ein einziger unausgeschlafener Mitarbeiter das ganze Team herunterziehen.

Weniger zu schlafen, um mehr Lebens- oder Arbeitszeit zu gewinnen, ist demnach eine Rechnung, die nicht aufgeht. Dafür sollte man auch unter den Mitarbeitern im Unternehmen ein Bewusstsein schaffen – zum Beispiel mit Workshops zum Thema Schlafhygiene.

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3. In China ist Schlafen am Arbeitsplatz normal

In China sind, gerade in Start-ups, 72-Stunden-Schichten durchaus normal – entsprechend akzeptiert oder sogar angesehen ist es, wenn Mitarbeiter im Büro schlafen. Viele Arbeitgeber legen deshalb Matratzen aus, stellen Betten auf oder richten sogar Schlafsäle ein, die an Jugendherbergen erinnern. Privatleben? Kann man sich für die Rente aufheben.

Wie absurd und ungesund dieser Trend auch ist – gelegentliche Powernaps im Büro steigern tatsächlich die Leistungsfähigkeit. Auch wenn die Mitarbeiter ihren Nachtschlaf lieber in den eigenen vier Wänden bekommen sollten, ist es sinnvoll, ihnen die Möglichkeit zu kleinen Ruhephasen während der Arbeitszeit zu geben. Wer die Ressourcen dafür hat, kann im Büro Schlafsessel aufstellen oder Ruheräume einrichten. Was nichts kostet, aber auch schon helfen kann: Den Mitarbeitern klar kommunizieren, dass ein kleines Nickerchen auf dem Schreibtischstuhl vollkommen in Ordnung ist.

4. Schlaf kann ein Statussymbol sein

Wie in China ist es auch in Japan völlig normal, am Arbeitsplatz zu schlafen. Es gibt sogar ein Wort dafür: inemuri. Hier wird Schlaf allerdings auch zum Statussymbol, denn nicht jeder darf inemuri gleichermaßen praktizieren. Wer zum Beispiel im Meeting einschlafen darf, muss schon eine gewisse Stellung in der Hierarchie des Unternehmens innehaben. Generell schlafen die Japaner viel in Bussen, Bahnen oder auch mal am Schreibtisch. Grund dafür ist ein zu kurzer Nachtschlaf, denn wer nachts möglichst wenig schläft, gilt als fleißig.

Auch in vielen Unternehmen in der westlichen Welt ist Schlafmangel en vogue – wer müde ist, signalisiert „Ich arbeite viel, ich bin viel unterwegs, ich setze mich für mein Unternehmen ein.“ Zum Glück ist das gerade dabei, sich umzukehren. In ein paar Jahren wird eine frische, ausgeschlafene Ausstrahlung vielleicht genauso Wohlstand und Status vermitteln wie die Rolex und der Jobtitel, der das Wort „Chief“ enthält. Denn die Ausgeschlafenheit wird signalisieren: „Ich kann es mir leisten, acht Stunden pro Nacht im Bett zu liegen, statt von Termin zu Termin zu hetzen.“ Damit die Mitarbeiter diese gesunde Einstellung übernehmen, sollten HR und Führungskräfte hier als gutes Beispiel vorangehen.

5. Prominente Schläfer: Napoleon ist ein gefährliches Vorbild

Legenden zufolge schlief Napoleon Bonaparte nur vier Stunden pro Nacht. „Vier Stunden schläft der Mann, fünf die Frau, sechs ein Idiot“, hat der französische Feldherr angeblich gesagt. Damit wird er zum gefährlichen Vorbild für viele Start-ups und Workoholics. Gefährlich, nicht nur, weil es diskutabel ist, ob Napoleon die geringe Schlafdauer so gutgetan hat, sondern auch weil man, siehe Punkt 1, die individuell benötigte Schlafdauer nicht umtrainieren kann, und die meisten Menschen brauchen nun mal mehr als vier Stunden Schlaf. Dem Körper ist es dabei herzlich egal, welche fragwürdigen Vorbilder man hat.

Außerdem beruhigend: Albert Einstein soll bis zu zwölf Stunden pro Nacht geschlafen haben und sein Lebenswerk ist sehr viel eindrucksvoller als das von Napoleon. Warum also nicht mal ein Foto vom Entdecker der Relativitätstheorie im Büro aufhängen? Ergänzt werden könnte es von dem Schenkelklopfer-Spruch: „Egal wie gut du schläfst, Albert schläft wie ein Stein.“

6. Schlaf im Tierreich: Okapis sind gute Vorbilder

Von Eulen und Lerchen war schon die Rede, aber wie sieht es in der Tierwelt sonst mit Schlafbedürfnis und –gewohnheiten aus? Die Tiere, die am meisten Schlaf brauchen sind die Braune Fledermaus mit 20 Stunden und – was wenig überrascht – das Faultier mit 15 bis 20 Stunden pro Tag.

Am wenigsten schläft das Okapi mit einer Tiefschlafphase von gerade mal 30 Sekunden. Aus der Ruhe bringen lässt sich die in Kongo beheimatete Waldgiraffe dennoch nicht; sie schlägt trotzdem ein Nachtlager auf, in dem sie um die sechs Stunden herumliegt. Was wir davon lernen können? Egal, ob wir viel oder wenig Schlaf brauchen, ausführliche Ruhezeiten gönnen sollten wir uns auf jeden Fall!