Schnell nach oben

| |

Im April ist Gabriele Fanta neuer Personalvorstand bei McDonald’s Deutschland geworden – im Alter von 39 Jahren. Das wichtigste Ziel der Managerin: das Unternehmen als attraktiven Arbeitgeber zu positionieren. Ein Porträt.

Mit ein bisschen Glück kann man Gabriele Fanta in einem der rund anderthalbtausend deutschen McDonald’s-Restaurants dabei zuschauen, wie sie Pommes brutzelt und Hamburger zusammenbaut. Mindestens zwei Mal pro Jahr binden sich sämtliche Führungskräfte der Burger-Kette die Kochschürze um und arbeiten einen Tag lang in einem Restaurant, um das Geschäft nicht aus den Augen zu verlieren und die Stimmung an der Basis mitzubekommen. „Ich versuche, solche Tage eher noch öfter einzubauen, um mir selbst ein Bild vor Ort zu machen“, sagt die Personalchefin.

Gabriele Fanta ist seit Anfang April Personalvorstand bei McDonald’s Deutschland. Vor ihrem Wechsel zu dem Fastfood-Konzern arbeitete die Betriebswirtin in verschiedenen Positionen bei den Energieversorgern EnBW und Eon sowie bei Daimler. Zuletzt war sie bei EnBW verantwortlich für die Interne Kommunikation.  Im Sommer 2013 kam sie als Director Human Resources zu McDonald’s Deutschland nach München. Der Aufstieg ging schnell, Fanta ist gerade einmal 39 Jahre alt. Ihr Erfolgsrezept: schnelle Auffassungsgabe, Spaß an Veränderungen. Und das nötige Selbstvertrauen, Gelegenheiten beim Schopf zu packen und nicht lange zu zögern. „Ich lerne gern, das ist gerade in der heutigen Zeit ein wichtiger Faktor, um schnell voranzukommen.“

Gerne mal einen Tag an der Friteuse

Weiteres Erfolgskriterium: Begeisterung für den eigenen Job und die Fähigkeit, diese Begeisterung zu kommunizieren. Die Personalchefin bloggt auch. Man nimmt Fanta ab, dass sie tatsächlich gerne mal einen Tag an der Friteuse steht, um mit den Kollegen an der Basis zu reden. Die oberste HR-Managerin kann genau das, womit sich viele Personaler im zunehmenden Wettbewerb um Arbeitskräfte noch immer schwer tun: verkaufen. Wenn die Personalchefin zum Beispiel die Vorzüge der Restaurant-Schichtarbeit für teilzeitbeschäftigte Mütter aufzählt, klingt das überaus überzeugend – auch wenn Schichtdienste und Wochenendarbeit wahrlich keinen guten Ruf haben. „Wir müssen die Vorzüge der Tätigkeiten bei uns noch mehr in den Mittelpunkt stellen“, sagt Fanta. „Für viele Menschen ohne Schulabschluss ist ein Job bei uns die Eintrittskarte in den Arbeitsmarkt. Daran ist nichts auszusetzen.“

Fanta arbeitet auf mehreren Baustellen gleichzeitig. Jüngst ist die neue Karriere-Seite von McDonald’s samt direkter Facebook-Einbettung online gegangen: „Wir beschäftigen überwiegend junge Menschen, und die erreicht man nun mal am besten auf digitalen Kanälen“, erklärt Fanta. Zudem hat die Managerin Mitte Mai die neue Arbeitgeber-Imagekampagne von McDonald’s in Berlin vorgestellt und dafür auch an einer Podiumsdiskussion teilgenommen. Mit auf dem Podium: Raimund Becker, Vorstand der Bundesagentur für Arbeit, und die Berliner Arbeitssenatorin Dilek Kolat. Das Signal ist klar: McDonald’s will weg vom schlechten McJob-Image. In den vergangenen Jahren hat die Burger-Kette deshalb bereits die Arbeitsbedingungen verbessert. Die Franchise-Nehmer sind zum Beispiel zu 100 Prozent tariflich gebunden, in der Fastfood-Branche keine Selbstverständlichkeit. „Es ist wichtig, dass wir auch halten, was wir versprechen“, sagt Fanta.

Ebenfalls ganz oben auf Fantas Agenda: Der Ausbau der digitalen Strategie, etwa in der Aus- und Fortbildung. 12.000 der insgesamt rund 58.000 McDonald’s-Beschäftigten in Deutschland durchlaufen jährlich Weiterbildungen, mehr als 1.300 Auszubildende absolvieren einen der drei Ausbildungsgänge, 120 Bachelor-Studenten besuchen den firmeneigenen dualen BWL-Studiengang. „Wir beschäftigen Menschen aus 125 Nationen, mit Hauptschulabschluss, ganz ohne schulischen Abschluss oder mit Hochschulabschluss. Um die alle unter einen Hut zu bekommen, pflegen wir eine Unternehmenskultur, die offen mit Unterschieden umgeht und den Menschen auch dann Entwicklungsperspektiven gibt, wenn ihre Noten nicht die besten waren.“ Zu dieser Philosophie passt auch, dass McDonald’s Frauen fördert,  zum Beispiel in Seminaren zur Kommunikation zwischen Männern und Frauen. Fanta selbst hat damit offenbar nie Probleme gehabt und in männerdominierten Unternehmen Karriere gemacht: „Ich habe mir nie groß Gedanken darüber gemacht, ob ich als Frau anders führe“, sagt sie. „Ich glaube eigentlich nicht. Ich führe partizipativ, das ist heute schlicht der notwendige und richtige Weg, um Mitarbeiter zu motivieren. Wenn Führungskräfte erklären können, warum sie eine Entscheidung wie treffen, ist die Akzeptanz einfach größer.“

Große Bedeutung des HR-Bereichs

Mit ihren drei Vorstandskollegen tauscht Fanta sich regelmäßig aus, der HR-Bereich hat im personalintensiven Gastronomiegeschäft traditionell eine große Bedeutung. Dass sie als Frau in ihrer Vorstandsfunktion eine Exotin ist, bemerkt die Personalchefin vor allem außerhalb der eigenen Firma – und hat dafür wenig Verständnis: „Ich werde immer wieder gefragt, wie ich Job und Privatleben unter einen Hut bekomme. Ich finde das ärgerlich. Bei einem männlichen Vorstand kommt schließlich auch niemand auf diese Frage, weil man das für selbstverständlich hält. Und weil es eigentlich auch niemanden etwas angeht.“

Haltung zu zeigen, zählt zu Fantas Job dazu. Mit Übernahme des Vorstandspostens ist sie Präsidentin des Bundesverbands der Systemgastronomie (BdS) geworden, wo sie gemeinsam mit der Konkurrenz in Berlin Lobbyarbeit betreibt. „Wir arbeiten in einem stark regulierten Bereich. Entsprechend ist es wichtig, dass wir gemeinsam unsere Interessen vertreten, auch wenn wir am Markt als Konkurrenten auftreten.“ Das Gleiche gilt, wenn in diesem Jahr die nächsten Tarifverhandlungen anstehen und die Branchenunternehmen gemeinsam mit der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) in den Ring steigen. „Ich bin schon bei der Einführung des Mindestlohns bei McDonald’s in dem Team dabei gewesen, dass die Verhandlungen vorbereitet und umgesetzt hat“, sagt Fanta. „Von daher weiß ich, was auf mich zukommt.“