Sieben Fragen für jeden

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Die österreichische Plattform Whatchado ist Karriere-Storytelling der etwas anderen Art – via Video und ohne Unternehmenswerbung. Ein Interview mit Gründer und Chefgeschichtenerzähler Ali Mahlodji.

Als Whatchado im Sommer 2011 als gemeinnütziges Projekt in Österreich online ging, gab es auf der Seite nur ein paar wenige Videos zu sehen. Sieben Fragen stellten Ali Mahlodji und Mitbegründer Jubin Honarfar den Interviewten zu ihrem Job, ihrem Werdegang, ihrem Leben. Heute steht das Team, seit Anfang 2012 als Firma organisiert und mit nunmehr 21 Mitarbeitern, kurz vor dem 1000. Videodreh und monatlich rund 100.000 Besuchern auf der Webseite. Gut die Hälfte der Videos ist inzwischen von Unternehmen finanziert, die anderen 50 Prozent dreht das Team auf eigene Kosten. Etwas ist dabei immer gleich geblieben – die sieben Fragen, die jeder Interviewte beantworten muss.

Neben dem eigentlichen Dreh bekommt jeder Interviewte zudem einen gesonderten Fragenkatalog zu seinen eigenen Interessen und Neigungen. Die Idee dahinter: Jeder Besucher der Seite kann diesen Katalog ebenfalls ausfüllen und dank eines Interessen-Matchings Videos von Menschen finden, die so denken wie er – und damit auch Jobs und Unternehmen, die zu ihm passen.

 

Herr Mahlodji, derzeit stehen auf Whatchado rund 4.540 Minuten Videomaterial online. Soll das Portal eine Plattform für Unternehmen sein, sich zu präsentieren, oder wollen Sie Orientierung geben?

Wir wollen definitiv eine Plattform für User sein, die bei uns Orientierung finden, aber eben auch die richtigen Unternehmen und die richtigen Jobs für sich. Jeder, der da draußen auf dem Jobmarkt ist, soll bei uns schauen und für sich sehen, welches in Bezug auf seine Interessen und Neigungen die richtigen Jobs für ihn sind. Wir sind in erster Linie für die User da, aber einem User haben wir eben dann am besten geholfen, wenn wir ihn mit dem richtigen Unternehmen zusammenbringen. So ist unsere Lösung für beide Seiten gemacht. Wir werden sicherlich nicht eine Seite nur für Unternehmen bauen, damit sie sich präsentieren können. Aber wir haben auch gesehen, dass Unternehmen oft nicht wissen, wie sie authentisch und ehrlich rüberkommen. Wir wollen beide Seiten zusammenbringen.

Was unterscheidet die Videos von den klassischen Testimonials, die man von Unternehmensseiten kennt?

Bei den Videos ist es erst einmal der Punkt, dass wir jedem die selben sieben Fragen stellen, die wir mit mehreren hundert Leuten zusammen entwickelt haben. Außerdem dürfen die Unternehmen bei uns nicht mitbestimmen, was in die Videos kommt. Wir hatten zu Anfang einige Drehs, in die die Unternehmen reinreden wollten. Diese Drehs haben wir damals abgebrochen. Wir stellen diese sieben Fragen und wenn jemand die Fragen nicht beantwortet, geht das Video nicht online. Wenn ein Unternehmen sagt, dass sie nur Leute aus dem Management wollen, dann kommt es auch zu keiner Zusammenarbeit. Wenn wir fragen: „Was ist das Coolste an deinem Job?“, würde die Person sagen: „Das Coolste an meiner Firma ist…“ – so etwas wollen wir nicht. Das Zweite ist, dass wir Vier-Augen-Gespräche führen, die man normalerweise so nicht führen kann. Bei Testimonial-Videos kommt immer zuerst das Unternehmen. Bei uns kommt zuerst der Mitarbeiter, dessen Interessen und Neigungen, dann erst das Unternehmen. Das sind zwei komplett unterschiedliche Ansätze, wie man kommuniziert.

Wie entstehen Eure Filme? Kommen die Unternehmen auf Euch zu?

Rund 60 Prozent der Unternehmen, die bei uns online sind, haben sich selber gemeldet. Die anderen haben wir kontaktiert, weil wir zufällig in der Stadt waren. Wir haben sie dann gefragt, ob sie Zeit hätten, dass wir vorbei kommen und das Ganze vorstellen. Zehn Prozent kommen über Partner, Social-Media-Agenturen oder HR-Beratungen, die es als Lösung für ihre Kunden haben wollen.

Und dann fahren Sie hin und drehen?

Wenn Unternehmen uns beauftragen, dann sind das meistens 10 bis 15 Videos, oder auch mal 50 oder 60. Wir sprechen dann mit den Unternehmen, erklären unser Konzept und machen auch klar, dass jeder gleich behandelt wird, dass es uns egal ist, ob es der CEO ist oder die Assistentin. Dann werden Drehtermine ausgemacht. Jedes Unternehmen hat die Möglichkeit, auszuwählen, wer interviewt wird.

Wie lässt sich Euer Ansatz für Personalmarketing nutzen – welchen Vorteil hat er für Unternehmen?

Ein Vorteil ist, dass sich die Unternehmen nicht selbst in den Videosdarstellen. Wir als Whatchado kommen von außen und fragen im Namen der Generation Y. Dies ist eine Sache, bei der Unternehmen oft sagen, dass sie einen Imagefilm gemacht haben, authentisch sind, aber keiner es ihnen glaubt. Bei uns ist es eben so, wir stellen die Fragen und wenn jemand bei uns nicht mitspielen will, dann halt nicht. Die Unternehmen können also sagen: „Die Informationen, die ihr hier seht, sind von jemandem anderes aufgenommen, jemandem, dem man vertrauen kann.“ Das Zweite ist, dass es bei den Fragen, die wir stellen, ja nicht nur um den Job geht, sondern ganz stark auch um den Menschen. Beispielsweise setzt uns ein österreichischer Energiekonzern gleich auf mehreren Kanälen ein. Sie sagen einerseits: „Wir haben viele coole Jobs, von denen aber keiner etwas weiß, da ist das Matching super.“ Auf der anderen Seite nutzen sie es auch zur internen Kommunikation. Wenn zum Beispiel jemand Neues anfängt, hat er oft kaum eine Ahnung, wie das Unternehmen denkt, welche Abteilungen es gibt.

Wie erklären Sie sich die Resonanz, die das Portal bekommen hat?

Ich denke, das liegt daran, dass viele Menschen noch diesen Bedarf haben, dass etwas authentisch passiert. Uns war von Anfang an klar, dass alle gleich behandelt werden, oder gar nicht. Wir holen die Leute vor die Linse, wir fragen nach und wir reden mit dem CEO genauso auf Augenhöhe wie mit einem Lehrling. Was noch gefällt, ist sicherlich, dass es eine Lösung ist, die direkt aus der Zielgruppe kommt. Ich selber habe meine Jobs alle drei, vier Jahre gewechselt. Und wenn man sich anschaut, dass jeder, der in Europa jetzt einen Abschluss macht, über zehn Anstellungsverhältnisse bis zur Pension haben wird und häufig freiwillig den Job wechselt, dann ist das etwas, dem die Unternehmen sich stellen müssen. Aber auf der anderen Seiten haben auch die Bewerber die Herausforderung, dass sie wissen, sie werden in so und so vielen Jahren den Job wechseln, aber sie wissen nicht wohin. Und mit dem Interessen-Matching haben wir eine Sache geschaffen, mit der wir die User nicht überfluten, sondern gesagt haben: „Findet die Videos, die genau zu euch passen.“ Ich glaube, jedes Mal, wenn man hinter die Kulissen schauen kann und sieht, dass der andere ja auch nur ein Mensch ist, dann ist das gut. Die Resonanz hat uns aber selber überrascht.

Ihr offizieller Titel lautet Chief Storyteller, was genau steckt dahinter?

Der ORF hatte irgendwann einmal einen Bericht über uns gemacht. Und der Reporter hatte mich gefragt, was eigentlich meine Hauptaufgabe ist. Und ich erzähle ihm, dass ich durch die Gegend renne und Lebensgeschichten einfange. Und er sagt zu mir, dass ich ein Geschichtenerzähler sei. Ich hab gesagt: „Ach komm, wir sind ein Startup, kannst es auch cooler nennen.“ „Naja dann bist halt ein Chief Storyteller.“ Wir haben es dann spaßeshalber mal bei einem Vortrag verwendet und dann hat das irgendeine Zeitung so aufgefasst und dann haben wir das beibehalten. Eigentlich bin ich Geschäftsführer und Mädchen für alles.

Die sieben Fragen:

  1. Was steht auf deiner Visitenkarte?
  2. Worum geht es in deinem Beruf?
  3. Wie ist dein Werdegang?
  4. Ginge dieser Beruf auch ohne deinen Werdegang?
  5. Was ist das Coolste an deinem Beruf?
  6. Was ist die Einschränkung in deinem Beruf?
  7. Drei Ratschläge an dein 14-jähriges Ich?

Und die Antworten von Robindro Ullah, Deutsche Bahn