Recruiting in unsicheren Zeiten: Teil 2

Recruiting-Aktivitäten in Zeiten der Corona-Pandemie: Wie entwickeln sich die Zahlen? Die Trends der letzten Monate aus dem Softgarten-Dashboard.
© gettyimages / wutwhanfoto

Recruiting-Aktivitäten in Zeiten der Corona-Pandemie: Wie entwickeln sich die Zahlen? Die Trends der letzten Monate aus dem Softgarden-Dashboard.

Über 1.000 Unternehmen sämtlicher Branchen, Größen und Regionen nutzen die Recruiting Software von Softgarden. Das HR-Technologieunternehmen analysiert regelmäßig die monatlich rund 100.000 Transaktionen auf der eigenen Plattform – und identifiziert Trends.

+++Sie bekommen von HR nicht genug? (heart) Dann melden Sie sich jetzt für unsere Newsletter an. Hier geht es zur Anmeldung!+++

Im ersten Teil unserer Serie haben wir gezeigt, dass mit dem April 2020 (erster vollständiger Monat im Lockdown) sämtliche relevanten Recruiting-Kennzahlen von der Anzahl der Job-Postings bis zu den Einstellungen zurückgegangen sind. Im Mai und Juni haben die Recruiting-Abteilung vieles nachgeholt: Es waren deutlich mehr Stellenveröffentlichungen, Jobinterviews und Einstellungen zu beobachten als in den Vormonaten.

Softgarden Dashboard Recruiting in Corona-Zeiten: Zahlen von Juli und August
Quelle: Softgarden

Weitere Erholung im Juli – saisonaler Rückgang im August

Die Zahlen aus dem Juli zeigen, dass im Vergleich zum Vormonat der Aufwärtstrend zunächst anhält. Wiederum sind in dem Monat deutlich mehr Stellenausschreibungen (+28,1 Prozent), Bewerbungen (+16,3 Prozent) und Interviews (+20,7 Prozent) zu verzeichnen. Am deutlichsten legt im Juli noch einmal die Zahl der Einstellungen mit 41,6 Prozent im Vergleich zum Vormonat zu. Gut zu erkennen sind die extremen Unterschiede im Vergleich zum bisherigen Tiefpunkt der Pandemie – mit einem Abstand von 79,9 Prozent zwischen dem April und dem Juli 2020.
Im August ist dagegen im Vergleich zum Vormonat ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen. Am stärksten ist dieser bei den Stellenausschreibungen (-14,3 Prozent), deutlich schwächer bei den Interviews (-2,1 Prozent) und bei den Einstellungen (-4,2 Prozent).

Deutlicher Anstieg im Vergleich zum Vorjahr

Vermutlich handelt es sich um einen saisonalen Rückgang – worauf die Vergleichszahlen des Vorjahrs hinweisen. Im Vergleich zu 2019 können wir für den August einen nur leichten Rückgang der Jobpostings um -2,8 Prozent verzeichnen. Im Juli 2020 ist die Zahl im Hinblick auf die Vergleichszahl des Vorjahrs um 18,8 Prozent gestiegen. Bei den Bewerbungseingängen sind im Juli Zuwächse von 49,3 Prozent und im August von sogar 60,2 Prozent zu verzeichnen. In beiden Monaten gibt es zudem deutlich mehr Interviews und Einstellungen als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Wir gehen deshalb davon aus, dass sich die Recruiting-Aktivitäten in den Folgemonaten weiter stabilisieren.

Strukturelle Veränderungen im Blick behalten

Für die Konjunktur bedeutet das Jahr 2020 einen schweren Schlag. Das IW rechnet für das laufende Jahr mit einem Einbruch des Bruttoinlandsprodukts von mehr als 6 Prozent. 2021 soll die Zahl wieder um 4,5 Prozent steigen. Auch auf dem Arbeitsmarkt ist als „nachgelagerter Konjunkturindikator“ für das kommende Jahr mit einer allmählichen Erholung zu rechnen. Unternehmen sollten nicht darauf vertrauen, dass sich die vielfach mit „Fachkräftemangel“ beschriebene Lage im Recruiting im kommenden Jahr wieder entspannt. Die „goldenen Zeiten“, als sich Arbeitgeber aus hunderte von Bewerbern die besten Kandidaten herauspicken konnten, werden nach unserer Einschätzung nicht zurückkehren.
Denn ganz abgesehen von der noch unsicheren konjunkturellen Erholungsperspektive für 2021: Die Herausforderungen im Recruiting haben zum Großenteil strukturelle Ursachen: Der demographische Wandel bleibt von der Pandemie ebenso unbeeinflusst wie der Wandel im technologischen Kontext und im Mindset der Bewerber.

Digitalisierungsfolgen managen

Die Digitalisierung führt hier zu einer gestiegenen Erwartung der Bewerber an Arbeitgeber-Transparenz und echten Informationen- zum Beispiel beim Thema Gehalt oder den zu erwartenden Aufgaben im Sinn eines „Realistic Job Previews“. Darauf sollten sich rekrutierende Unternehmen ebenso einstellen wie auf die Digitalisierung von Einstellungs- und Onboardingsprozessen. Letztere sind kurzfristig notwendig, um vor dem Hintergrund der Covid-19-Pandemie lokal auftretenden Lock-Down-Phasen besser begegnen zu können – ebenso wie künftigen Pandemien.

Das Recruiting-Dashboard von Softgarden wird alle zwei Monate aktualisiert. Die nächste Folge von „Recruiting in unsicheren Zeiten“ erscheint im Januar 2021 auf Human Resources Manager online. Den ersten Teil der Beitragsserie finden Sie hier.