Highlights aus drei Jahren HR Start-up Award

22.03.2019  |  Constantin Härthe
(c) gettyimages / HAKINMHAN
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HR Start-ups krempeln die Arbeitswelt um. Was drei Jahre HR Start-up Award über die Gründer im Umfeld Personal verraten.

Konzerne wären gerne so wendig wie sie und so mancher Mitarbeiter träumt vom hippen Arbeitsumfeld im Berliner Loft. HR Start-ups sind nicht nur fokussiert und gleichzeitig flexibel. Sie gelten auch als lockere aber ebenso leidenschaftliche Innovationstreiber. Die „jungen Wilden“ zeigen, wo es lang geht – technologisch und in Form neuer Arbeitskulturen. Doch, über wen sprechen wir eigentlich? Ein Blick zurück auf drei Jahre HR Start-up Award gewährt Einblicke in eine Gründerszene, die sich mit ihren Entwicklungen aufmacht, die Arbeitswelt umzukrempeln.

Die Rolle der HR in der digitalen Transformation

Lösungen im Bereich HR Tech beeinflussen nicht nur die Art, wie das Personalmanagement arbeitet. Sie wirken sich auch auf die Arbeit aller anderen Mitarbeiter im Unternehmen aus, gestalten Entlohnungssysteme und Organisationstrukturen. Bei der digitalen Transformation nehmen die Human Resources deshalb eine Schlüsselposition in Unternehmen ein.

Um diese tragende Rolle effizient und gleichzeitig glaubwürdig erfüllen zu können, müssen Personalverantwortliche fragen, welchen Mehrwert sie durch digitale Tools generieren – sei es für die eigenen Prozesse, die Mitarbeitenden oder das Unternehmen selbst. HR ist also gleichzeitig ein Treiber und Betroffener der Digitalisierung. Neue Lösungen in diesem Feld sind daher von besonderer Relevanz – und diese neuen Lösungen werden immer öfter von Start-ups entwickelt. Besonders herausragende Lösungen zeichnet seit drei Jahren der HR Start-up Award aus. Bevor es in diesem Jahr in die vierte Runde geht, werfen wir einen Blick auf die Sieger der letzten Jahre.

3 Jahre HR Start-up Award

Seit der Gründung des HR Start-up Awards 2016 konnten wir jedes Jahr Bewerbungen aus den Feldern Benefits, Feedback und Performance Management, Health, Analytics, Communication, Learning, Recruiting und Staffing verzeichnen. Die Daten zum HR Start-up Award identifizieren vor allem das Thema Recruiting als beliebte Spielwiese für Gründerinnen und Gründer. Die Gründe liegen auf der Hand: das Suchen und Finden von Mitarbeitern stellt seit jeher ein Kernbereich der Personalfunktion dar. Der „War for Talent“ hat die Nutzung neuer Technologien dazu noch beschleunigt. Recruiter sehen sich heute der Herausforderung gegenüber, die Vielzahl der sozialen Kanäle und Active Sourcing-Möglichkeiten mit den gesetzlichen Datenschutzregelungen in Einklang zu bringen.

Beispielhaft hierfür waren beim HR Start-up Award Pitches, wie der von Andreas Dittes, CEO und Gründer von Talentwunder. Dittes erläuterte im Jahr 2017, wie sich mit einem Tool über 75 Netzwerke präzise nach den richtigen Köpfen durchsuchen lassen, ohne dabei den Datenschutz außer Acht zu lassen. Im ersten Jahr war es Robin Sudermann, der für Talents Connect an den Start ging und zeigte, dass man sich nicht durch unzählige Stellen klicken muss, um die Richtige für sich zu finden, sondern letztlich in einem Tool nur die richtigen Angaben und Wünsche eingeben muss, um passende Vorschläge zu bekommen.

Ausgerechnet einer technischen Störung bei der Abstimmung ist es zu verdanken, dass 2016 gleich alle vier Finalisten den Award entgegennehmen durften: Neben Talents Connect waren das Staffbase als Entwickler einer Mitarbeiter-App für die vernetzte interne Kommunikation, HR Forecast für ihre Anwendung im Bereich Big Data-Analytics und Tandemploy für ihre Software, die alle Mitarbeiter miteinander vernetzt und so flexible Arbeit und Kollaboration bis hin zur Aufteilung einer Stelle auf zwei Personen ermöglicht.

Im Jahr 2017 durfte den Pokal ein Gründer aus dem Health-Bereich mit nach Hause nehmen: Philip Pogoretschnik von HUMANOO. Dynamisch und humorvoll zeigte er auf, dass digitale Anwendungen es sogar schaffen, den angestaubten Betriebssport wieder „sexy“ und nicht zuletzt auch finanziell lukrativ für Mitarbeitende zu machen.

Im letzten Jahr begeisterte everskill die Zuschauer und die Jury des HR Start-up Awards mit einer Innovation im Bereich Learning. Sie präsentierten eine Lösung für ein altes Problem: Den Umstand, dass viele Weiterbildungen versanden, da die dort erlernten Skills im Alltag nicht abgerufen werden.

Wohlüberlegte Businessmodelle und großes Engagement

Eine Feststellung, über die wir uns besonders freuen: Alle der über 60 Firmen, die sich seit 2016 für den Start-up-Preis im Personalmanagement beworben haben und von rund 150 Gründerinnen und Gründern ins Leben gerufen wurden, sind heute noch am Markt aktiv. Das spricht für wohlüberlegte Business-Modelle, aber auch für Aufgeschlossenheit auf der Nachfrageseite – eine wichtige Voraussetzung für die Innovationsfähigkeit des HR-Sektors.

Es ist beeindruckend, dass alle eingereichten und ausgezeichneten Innovationen meist von gerade einmal zwei Gründern ins Leben gerufen wurden. Nur bei wenigen Einreichungen waren bis zu vier Entrepreneure am Werk. Noch seltener waren Einzelkämpfer unter den Bewerbern – man ist dann eben doch nur selten Entwickler, Vertriebler und Geschäftsführer in einer Person.

Rund ein Drittel der Jungunternehmer hielt alle Firmenanteile in der eigenen Hand. Private Equity war den Bewerber-Angaben zufolge nur bei einem Viertel der Start-ups im Spiel und noch weit seltener engagierten sich strategische Investoren. Auch öffentliche Mittel in Form von Wettbewerben, Gründer-Stipendien oder staatlichen Zuschüssen wurden nur vereinzelt abgerufen. Damit lässt sich statuieren, dass HR Start-ups – zumindest das Bewerberfeld des HR Start-up Awards – höchst eigenständig sind, allerdings durchaus mehr Unterstützung nutzen oder angeboten bekommen sollten. Wenigstens hatte wieder ein Drittel einen „Business Angel“.

Der Markt für HR Tech-Lösungen wächst

Einer Studie von MarketsandMarkets zufolge soll der weltweite Markt für HCM-Software von 14,5 Milliarden US-Dollar im Jahr 2017 auf 22,5 Milliarden US-Dollar im Jahr 2022 klettern – dies entspräche einem jährlichen Wachstum von durchschnittlich 9 Prozent. Auch die jüngste Kooperation von SAP mit Tandemploy, den „Mitarbeiter-Vernetzern“ und Gewinnern von 2016, ist ein starkes Signal. Der Software-Riese macht die Startup-Entwicklung nicht nur seinen über 95.000 Mitarbeitenden zugänglich, sondern lässt auch die Integration in seine Systeme für Kunden zu.

Es lohnt sich also, den Markt der HR Start-ups im Auge zu behalten. Denn man zieht hieraus Inspiration für die Digitalisierung der eigenen HR-Arbeit, für die Optimierung der Customer bzw. Employee Experience, für die Gestaltung neuer Arbeitskulturen und damit für die digitale Transformation des gesamten Unternehmens. Aus diesem Grund wurde der HR Start-up Award ins Leben gerufen. Unter dem Motto „Closer to Business!“ wird der Preis im Jahr 2019 zum vierten Mal vom Bundesverband der Personalmanager (BPM), dem Human Resources Manager, der hkp group und der Quadriga Hochschule auf dem Personalmanagementkongress in Berlin vergeben.

Wir freuen uns einmal mehr auf wegweisende Entwicklungen und sind gespannt darauf, welche die Besucher des Personalmanagementkongresses dieses Mal auszeichnen!