Vom Sabbatical zum neuen Unternehmens­standort in Portugal

Ein Mitarbeiter der Turbine Kreuzberg wollte nach einem Sabbatjahr in Faro nicht zurück nach Berlin. Die Tech-Agentur nutzte das als Chance.
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Ein Mitarbeiter der Turbine Kreuzberg wollte nach einem Sabbatjahr in Faro nicht zurück nach Berlin. Die Tech-Agentur nutzte das als Chance.

Im Jahr 2015 brach einer unserer Mitarbeiter zu einer Reise durch Europa auf – eine wohlverdiente Auszeit vom Arbeitsalltag. Sein Ziel: Faro ganz im Süden von Portugal. Für uns, seine Kolleg:innen von der Technologieagentur Turbine Kreuzberg, ein nachvollziehbarer Schritt. Immerhin lockt die malerische Stadt an der Algarve jährlich Tausende von Menschen aus der ganzen Welt an – das warme Klima, die freundlichen Menschen, kilometerlange Strände und viel Gelegenheit zum Surfen sind nur einige ihrer Argumente.

Programmieren wo andere Urlaub machen

Doch bei einer reinen Auszeit ist es nicht geblieben. Am liebsten wollte der Kollege einfach in Faro bleiben, statt ins vergleichsweise graue und klimatisch kältere Berlin zurückzukommen. Für uns war das im ersten Moment natürlich ein kleiner Schock: Wir legen Wert auf eine familiäre, vertraute Stimmung in der Agentur – und auch vor sechs Jahren war es schon schwierig, gute Fachkräfte in der Tech-Branche zu finden. Doch auf den Schreck folgten ernsthafte Überlegungen: Warum einen beliebten und qualifizierten Mitarbeiter so einfach aufgrund der geografischen Lage gehen lassen? Programmieren, das funktioniert immerhin auch remote wunderbar.

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Kurz darauf wurde aus der Überlegung Realität: Der Kollege begann, aus der Ferne für uns weiterzuarbeiten. Nebenbei verknüpfte er sich auf (Networking)-Events mit ortsansässigen Entwickler:innen und Tech-Enthusiast:innen. Nicht nur für ihn eine Chance, schnell Anschluss zu finden. Auch für uns war das von großem Vorteil. Als Tech-Agentur sind wir immer auf der Suche nach guten Entwickler:innen, die zu unserer Unternehmenskultur passen, weswegen wir bis heute Events und Fachvorträge beispielsweise an der Universität in Faro organisieren. Und so folgten schnell die nächsten Remote-Anstellungen.

Mit Benefits und Engagement neue Talente gewinnen und überzeugen

Ende 2015 kam es dann zum nächsten logischen Schritt: die Gründung eines eigenen festen Standorts in Faro. Dabei hielt sich sowohl der organisatorische als auch administrative Aufwand in Grenzen. Das lag zum einen an der EU-Mitgliedschaft und zum anderen an der fortgeschrittenen Digitalisierung Portugals. Dennoch gab es einige Unterschiede, die wir beachten mussten – beispielsweise beim Gehalt. In Portugal ist das dreizehnte und vierzehnte Monatsgehalt nämlich, anders als in Deutschland, verpflichtend. Um solche kleinen, aber feinen Unterschiede besonders am Anfang im Blick zu behalten, ist es ratsam, einen erfahrenen Partner mit im Boot zu haben, beispielsweise die jeweilige Handelskammer.

Dabei hat sich die Entscheidung, in Portugal Fuß zu fassen, remote einzustellen und einen Standort zu eröffnen allemal gelohnt. Seit 2015 ist die Tech-Szene im westlichsten Land Europas enorm gewachsen, vor allem Städte wie Lissabon und Porto haben sich zu regelrechten Tech-Hubs entwickelt. Das strahlt auch auf die Algarve ab; das Tech-Ökosystem in Faro wächst rasant – und wir sind von Anfang an mit dabei. Zudem passt das Mindset der Tech-Szene in Faro wunderbar zu unserer Denkweise: sich durch die eigenen Kompetenzen und das, was man damit macht, zu differenzieren, selbstbewusst zu sein, ohne unnötig laut zu werden und dabei Lebensfreude und Elan auszustrahlen. Uns eint der Drang, innovative Ideen und Projekte umzusetzen und mit neuen Technologien zu agieren.

The New Normal: Den paneuropäischen Talent-Pool als Chance sehen

Dass durch den verstärkten Fokus auf Remote Work der Arbeitsmarkt mehr paneuropäisch denn national geworden ist, bedeutet nicht nur für Tech-Unternehmen, sondern Unternehmen jeder Art eine Chance. Der Grund: Lassen sie sich darauf ein, haben Arbeitgeber Zugriff auf einen weit größeren Pool an Talenten. Arbeitnehmer:innen hingegen können sich ohne geografische Einschränkungen für das Unternehmen mit den besten Konditionen entscheiden, was auch regional zu verbesserten Arbeitsbedingungen in einigen Branchen führen könnte.

Auch das bestehende Team kann durch den Aufbau neuer Standorte in anderen Ländern große Vorteile erfahren. So haben wir mit dem neuen Standort nicht nur die Flexibilität und Entscheidungsfreiheit unserer Kolleg:innen erhöht, sondern sorgen fortan für einen besseren Austausch und neue Möglichkeiten für Aus- und Weiterbildung. Beispielsweise gehen unsere Kolleg:innen immer wieder für eine Zeit an den jeweils anderen Standort, um die dortige Kultur und Tech-Community kennenzulernen. Und unsere neuen Kolleg:innen in Faro kommen für das Onboarding nach Berlin, um hautnah zu erleben, wo Turbine Kreuzberg herkommt und weshalb wir so heißen.

Fazit: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt

Eine unverhoffte Veränderung sorgt manchmal für einen positiven Wandel im Unternehmen – und einen neuen erfolgreichen Standort. Ein größerer Talent-Pool und besserer kultureller Austausch sind nur einige der vielfältigen Vorteile. Dabei sollten Unternehmen, wenn sie selbst vorhaben, diesen mitunter ungewissen Schritt zu gehen, sich vor allem ihre Unternehmensziele klar vor Augen führen. Denn eine einheitliche Erfolgsstrategie gibt es beim Schritt in das europäische Ausland nicht. In jedem Fall ist jedoch ein leaner Start und eine sukzessive Ausweitung von Räumlichkeiten und Personal ratsam, um die Standortausweitung Stück für Stück zu erproben.

Der Sprung ins kalte Wasser hat sich für Turbine Kreuzberg gelohnt. Denn heute, rund sechs Jahre später, haben wir bereits über 30 Mitarbeiter:innen im Südwesten Europas. Faro gehört genauso zu unserer DNA wie das namensgebende Kreuzberg. Der Anstoß kam zwar unverhofft – die nachfolgenden Schritte, um uns zu einer europäischen Technologieagentur zu entwickeln, waren dafür umso bestimmter.

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